
Hallo meine liebe Seele 🤍
Kennst du das Gefühl, dass du während oder nach einem Gespräch, noch stundenlang darüber nachdenkst?
- Hab ich zu viel geredet?
- War ich zu laut?
- Oder vielleicht zu leise?
- Wirkte ich abwesend?
- War meine Antwort blöd?
- Oder doch zu wenig?
Während andere das Gespräch längst vergessen haben, läuft bei mir noch stundenlang die Nachbesprechung.
Aber da hört es nicht auf, denn ich beobachte mich auch sonst ständig selbst.
- Sitze ich gerade?
- War das komisch?
- Wirke ich genervt?
- Hab ich schon wieder mit dem Bein gewippt?
- Merkt jemand, dass ich angespannt bin?
- Hab ich gerade komisch geschaut?
- Bin ich zu laut?
- Bin ich zu leise?
- Rede ich zu schnell, zu viel?
- Trage ich passende Kleidung?
- Seh ich erschöpft aus?
- Sollte ich anders sitzen?
- Ist mein Buch zu gross?
- Meine Beine zu dick?
- Meine Brüste zu schlaff?
- Sitzen meine Haare?
- Bin ich zu stark geschminkt? (Eigentlich nein, denn ich schmink mich kaum. Nur etwas die Augen)
- Wirke ich nervös?
- Macht es Sinn was ich sage?
- Merkt jemand das ich zuhöre ich aber vielleicht später nicht mehr weiss was wir geredet haben?
Ect. pp.
Und was ist nach dem Gespräch?
Auf alle Fälle keine Ruhe.
Es geht weiter, in meinem Kopf gehe ich das Gespräch noch mal durch, nicht einmal, nicht zweimal… viele Male. Verschiedene Möglichkeiten werden durchgespielt. Wie hätte es besser verlaufen können. Hab ich was vergessen? Warum hab ich das gesagt? Hätte ich dazu lieber schweigen sollen? Ich hoffe er oder sie denkt jetzt nicht xy von mir.
Es gibt Gespräche die ich nach Wochen oder Monaten noch im Kopf habe. Die mir einfach nicht aus dem Kopf gehen, weil ich nicht so geantwortet habe weil mir grade die Worte fehlten, oder weil ich nicht konnte, oder weil ich nicht das gesagt habe was mir damals grade durch den Kopf ging und ich gerne gesagt hätte.
Dieses sich selbst beobachten hört aber nicht bei den Gesprächen auf. Denn die Selbstbeobachtung hört nie auf…Nicht wenn ich unterwegs bin, im Bus, Zug oder im Restaurant, unter Freunden, Familie oder Partner. Auch nicht beim Fotografieren, schreiben…
Nicht zu Hause, nicht mal wenn ich alleine bin. Es ist wie ein Betriebsprogramm, das ständig läuft.
Grade gestern Abend ging mir die Frage durch den Kopf:
Wann geht das Gefühl, beim essen beobachtet zu werden, eigentlich weg?
Oft frage ich mich was denn eigentlich passieren könnte wenn ich damit aufhöre? Mal abgesehen das es nicht etwas ist, dass ich bewusst mache. Denn wenn es mir bewusst wird, versuche ich selbstverständlich damit aufzuhören doch das dauert nie lange und ich mach es wieder.
Aber zur Frage… Ehrlich? Ich weiss es nicht… Ich weiss rational das die Welt deswegen nicht untergeht. Ich weiss, das mein Gegenüber keinen Schaden davon trägt. Und doch will ich niemanden vor den Kopf stossen, beleidigen, verunsichern…Und mir? Mir würde es total unangenehm sein, ich würde mich schäme, ich hätte ein schlechtes gewissen… Ich würde die Kontrolle verlieren…Ich habe früh gelernt, dass Fehler einen Preis haben können.
Vielleicht beobachte ich mich gar nicht, weil ich perfekt sein möchte.
Vielleicht beobachte ich mich, weil ich niemandem zur Last fallen möchte.
Weil ich niemanden verletzen möchte.
Weil ich früh gelernt habe, dass Fehler einen Preis haben können.
Und wenn du mich jetzt fragst seit wann ich das so mache? Dann muss ich dir ehrlich antworten, ich weiss es nicht, es gab keinen Moment wo mir das bewusst wurde, denn es war schon immer da. Mit den Jahren wurde es schlimmer. In der Schule mit dem Mobbing, später in den Beziehungen.
Kritik war etwas das mich schon immer begleitete, genau so wie Beleidigungen und Demütigungen.
Manchmal braucht es gar nicht viel. Manchmal reicht eine achtlos daher gesagte Bemerkung um einen weiteren Beobachtungspunkt auf die Liste zu setzen.
Wie vor kurzem…
Es war sicher nicht böse gemeint, und doch hat es bei mir eingeschlagen wie eine Bombe. Ich habe Winkearme… Ja, und die sind mir sowas von unangenehm. Aber seit ich 20 Kilo abgenommen habe sind sie nun mal da. Und vor 4 Wochen sass ich neben meinem Freund und er grinst, stupst sie an und sagte „schwabbl“.
Ich wär am liebsten im Boden versunken. Seit da beobachte ich noch mehr wie ich da sitze… Ich weiss, ihm ist das sicher nicht bewusst und Absicht war es auch nicht.
Weisst du, was diese ständige Selbstbeobachtung bedeutet?
Sie kostet unglaublich viel Kraft. Und noch mehr Energie
Und irgendwie ist es paradox… es nimmt mir noch viel mehr als nur Energie, nämlich Selbstachtung und Selbstbewusst sein. Eigentlich würde man denken, das gibt mir all diese Dinge… aber nein…
Ich kann nie abschalten… Denn… Es ist immer etwas. Wie sieht mich der Partner? Merkt er das ich grade etwas zugenommen habe? Bin ich noch attraktiv? Empfindet er mich als peinlich, übertrieben…? Das ich älter bin als er macht’s nicht grade einfacher… Wobei… damals bei meinem Mann (4 jahre jünger) war’s nicht anders. Und was mach ich für ein Eindruck unter Fremden, Freunden… Familie.
Aber weisst du was ich mich frage? Was steckt denn eigentlich dahinter? Hinter der Inneren Hypervigilanz (oder emotionale Hypervigilanz). Wovor will mich diese innere Hypervigilanz eigentlich schützen?
Wenn ich länger drüber nachdenke würde ich sagen vor der Angst erniedrigt, beschämt und verletzt zu werden. Ob es was anderes ist… weiss ich (noch) nicht.
Ich hab mich auch schon gefragt wo der Unterschied zwischen Selbstreflexion und meiner Hypervigilanz ist. Währen Selbstreflexion mir hilft mich besser zu verstehen, kontrolliert die Hypervigilanz mich massiv.
Auch die Frage: Was würde ich tun wenn ich mich ständig beobachten würde, stell ich mir immer wieder. Und ehrlich, das kann ich gar nicht sagen… denn es ist seit ich ein Kind bin ein Teil von mir.
Die Frage macht mir sogar angst.
Warum?
Weil es bedeutet, die Kontrolle zu verlieren. Und ja… Ich weiss, du kannst mir jetzt sagen das diese vermeintliche Kontrolle in Wirklichkeit keine ist. Und doch fühlt es sich für mich aber eben genau so an.
Und einen weitere Frage ging mir neulich durch den Kopf, wie sich ein Moment wohl anfühlt, in dem ich mich nicht selbst beobachte.
Ehrlich?
Ich weiss es nicht.
Ich kann mich an keinen erinnern.
Nicht einmal während den Geburten meiner Kinder.
Selbst dort lief irgendwo in mir noch die Beobachterin mit. Selbst in einem so instinktgetriebenen Moment.
Anders gesagt…
Während andere einfach leben, beobachte ich ständig, wie ich lebe.