
Hallo du liebe Seele 🤍
Letzte Woche habe ich über Ruhe geschrieben.
Heute möchte ich dir zeigen, wie sich das im Alltag anfühlt.

Die letzten 3 Jahre waren für mich wirklich entspannt in der Hinsicht, das ich alleine war und so niemanden mehr mit meinem Aktionismus und Gezappel auf die Eier ging.
Und ja, ich hab das wirklich genossen. Klar hat sich nichts verändert und ich habe auch nicht gelernt wie Ruhe geht. Aber es hat so viel Druck raus genommen, Druck durch die Kritik, das genervt seins des Mannes. Aber auch der Druck der Selbstkontrolle, die ja sowieso nicht wirklich anhielt.
Und was mir da wirklich bewusst wurde ist, das mich die Reaktion verletzt hat. Einfach weil man nicht verstehen konnte, oder wollte, was los ist, es so hinstellte, als würde ich es absichtlich machen. Oder mich einfach nicht genug zusammenreissen würde, weil es mir egal war das es als störend empfunden wurde. Sonst hätte ich es ja geändert, sein gelassen.
Das hat auf so vielen Ebenen nachgewirkt. Aber schlussendlich hat es nur dazu geführt, dass ich mich falsch fühlte. So oder so, ich konnte es niemandem recht machen, nicht mal mir selbst.
Dann kam das schämen. Geschämt hab ich mich dafür das ich es nicht hin bekommen habe still zu sitzen. Ruhe zu geniessen. Ich fühlte mich auch irgendwie allein gelassen.
Und da war auch Schuld.
Schuld, weil ich störte. Schuld, weil ich es einfach nicht „richtig“ machen konnte. Ich fühlte mich oft allein damit. Wenn ich versucht habe, mich an meinen Mann zu kuscheln, damit er mich hält, wich er zurück. Nähe war ihm unangenehm.
Und das hat mich noch mehr verunsichert. Also begann ich, mich anzupassen.
So das er sich nicht mehr gestört fühlte. Also macht ich irgendwas. Stand auf, machte die Küche… , hab was gesucht das ich aufräumen konnte, hab Wäsche zusammen gesucht um zu waschen…. Hauptsache irgendwas tun…
Bis ich es wieder versuchte. Und manchmal klappte es dann eine kurze Zeit. Bis ich dann wieder merkte das ich zittere und wieder aufstand und was neues suchte das ich zur Ablenkung machen konnte. Blöd war nur, das dies als Störend empfunden wurde.
„Hock eifach mal still“
war dann ein Satz den ich immer wieder zuhören bekam.
Scham ist ein Gefühl das schwer ist. Es drück mich runter, macht mich klein. Macht das ich am liebsten unsichtbar sein möchte. Schuld legt mir fesseln an. Sperrt mich in mir selbst ein…
Jetzt, in der neuen Beziehung ist dieses Zittern und Wippen wieder ein Thema.
Nicht das es ein Problem ist – ja manchmal werd ich drauf aufmerksam gemacht – wenn wir zusammen etwas schauen oder einfach ruhig da sitzen und vermeintlich entspannt zusammen quatschen.
Doch irgendwann beginne ich wieder zu zittern, mit den Beinen zu wippen…
Und klar reagiert mein Freund darauf und auch die Frage;
Bist nervös? Weisst du warum?“
kommt prompt.
Nicht genervt, nicht gestresst…Nein, neugierig, mitfühlend.
Das ist eine völlig neue Erfahrung für mich. Denn die Stimmen, die früher laut wurden und mich ausschimpften…
- „Reiss dich zusammen.“
- „Sitz still.„
- „Entspann dich endlich.“
…sind leiser, manchmal melden sie sich gar nicht mehr. Der Druck, der früher entstand bleibt aus.
Ich kann mich dann noch mehr zu meinem Freund kuscheln, er nimmt mich in die Arme, streichelt über meine Schenkel, wie man einem Baby über den Rücken streichelt um es zu beruhigen, und fühlt sich weder genervt noch gestresst. Er lässt es einfach passieren und so kann ich ruhig werden. Meisten klappt es, auch wenn nur für eine kurze Zeit. Dann kommt es wieder…. Und der Kreislauf beginnt von vorn. Aber der Druck und der Stress ist so viel weniger oder kommt gar nicht erst auf.
Manchmal hab ich ein schlechtes gewissen, manchmal schäm ich mich auch noch dafür… aber es wird leichter. Und irgendwann vielleicht, fallen Scham und schlechtes Gewissen weg und dann, ja dann, sind die Voraussetzungen gut, zu lernen, wie Ruhe geht.
Dann ist es an der Zeit zu lernen wie sie sich anfühlen könnte, die Ruhe. Lernen Stille auszuhalten.
Ohne Berieselung von Musik, Film / Serie oder blindem Aktionismus..
Leider klappt das noch nicht… Aber es ist entspannter weil kein Vorwurf kommt, keine Kritik, sondern Zuwendung, Ruhe. So bleibt die Schuld, die mich einsperrt einfach aus. Und das ist schon so viel wert. Ich glaube, mein Freund weiss gar nicht wie viel Wert sein Verhalten ist.
Und dafür bin ich unendlich dankbar.
Ich weiss, Sicherheit wächst oft erst in kleinen Momenten. Ich darf lernen und verstehen das Ruhe sich fremd anfühlen darf und trotzdem langsam zur Heimat werden kann.
Vielleicht war ich nie falsch.
Vielleicht war ich nur lange unverstanden.
Du bist nicht falsch 🫂
Jeder ist in irgendetwas anders. Dafür brauchst du dich absolut nicht zu schämen.
Und ich finde es toll, daß du deinen Freund gefunden hast, der dich unterstützt und versucht dich zu verstehen.
😘😎
Das kenn ich leider auch, wenn auch mit anderem Verhalten meinerseits. Warum wird man nicht einfach akzeptiert wie man ist, so lange man sich anständig verhält?
Ich habe auch kaum noch Menschen um mich, die das alles nicht verstehen wollen. Mir ist das schon länger zu blöd.
Ich freue mich, dass du nun doch auch in einem bessern Umfeld bist. Das ist so wohltuend.
Ich hatte nie viele Menschen um mich. Und jetzt, seit ich nicht mehr arbeite, noch weniger und ja, mir ist es auch zu doof.
Danke dir, mich freut das auch, was nicht heisst das es keine Themen gibt. Aber er interessiert sich wenigstens, versucht zu verstehen. Und das ist Gold wert. Wir müssen beide lernen. Er, weil er nie mit dem Thema in Kontakt kam, geschweige denn persönlich. Und ich, weil ich auf so vielen Ebenen. Aber ja, es tut gut und ist schön.