Leben & Heilung

Medikation bei (k)PTBS

📅 12. Februar 2026
🌦️ 3-8 °C

Hallo du liebe Seele 🤍

Wie fühlst du dich heute? Ich hoffe dir geht es gut. Heuer gab’s wieder mal ein schönen Sonnenaufgang, ich liebe die Aussicht hier, also wenn wir nicht im Nebel versinken 🤭 Aber inzwischen hat es wieder zugezogen und es ist regnerisch, Nachmittags soll’s dann auch ziemlich windig werden. Aber weisst du was, die ersten Frühblütler zaubern schon bunte Kleckse in die Landschaft. Wie zum Beispiel Schneeglöckchen, die gelben Winterlinge und die Chinesische Zaubernuss. Und ja, all dies hat meine Seele aufgesogen und es hat so gut getan.

Weisst du noch? Als ich über das frieren geschrieben habe? Das meine Beine immer so gejuckt haben und ich dann Medikamente bekam dagegen? Gut, also so oder so, möchte ich heute über dieses Thema reden.


Ja, das waren harte Winter, nicht nur weil ich da sehr oft bis auf die Knochen friere, sondern weil meine Beine wirklich sehr gelitten haben. Manchmal sahen die aus als wäre ich verprügelt worden, weil vom kratzen meine Beine voller blauer Flecken waren oder aufgekratzt und wund.

Vor 20 Jahren Jahren verschrieb mir dann meine damalige Therapeutin Medikamente die mein Nervensystem beruhigen sollten. Und ja, sie haben gewirkt, das eine besser als das andere, aber ich hatte starke Nebenwirkungen und vor allem haben diese ein hohes Suchpotential.

Aus traumasensibler Sicht werden Benzos daher, wenn überhaupt, meist als zeitlich begrenzte Krisenintervention eingesetzt. Langfristig stehen stabilisierende Verfahren wie Psychotherapie, körperorientierte Regulationstechniken und gegebenenfalls antidepressiv wirkende Medikamente im Vordergrund.

Meine jetzige Therapeutin war erstaunt das mir damals diese Medikamente verschrieben wurden denn… bei komplexer PTBS (kPTBS) ist besondere Vorsicht bei Medikamenten geboten, weil das Nervensystem und die Stressverarbeitung stark empfindlich sind. Sie sei da mehr als vorsichtig und würde mir diese beiden Medikamente nicht verschreiben.

Also nicht das ich danach gefragt hätte, denn ich hab ja damals schon entschieden keine mehr zu nehmen. Ich hab ihr lediglich davon erzählt

Die zentralen Gründe sind folgende:

1. Hohe Sensibilität des Nervensystems

  • Menschen mit kPTBS haben oft ein überaktiviertes oder instabil reguliertes Nervensystem.
  • Medikamente, die auf Neurotransmitter wirken (z. B. Benzodiazepine, Antidepressiva), können:
    • stark sedieren oder ermüden
    • Reizbarkeit, Dissoziation oder Stimmungsschwankungen verstärken
  • Dosisanpassungen müssen sehr behutsam erfolgen.

Bei mir war genau das ein Problem. Das eine machte mich dermassen müde dass ich innert 20 Minuten eingeschlafen bin, da ich dermassen müde war. Klar, die Beine haben nicht mehr gejuckt, wie denn auch, ich war definitiv ausgenockt. Für mich besonders schlimm, weil das der totale Kontrollverlust war. Ich hasse es schon so müde oder erschöpft zu sein am Nachmittag, das macht mich unruhig und nervös.

Beim 2. Medikament gab es folgende Nebenwirkung; Ich nahm also eine Tablette … ca. 20 Minuten später setzte die Wirkung /Nebenwirkung ein. Wenn ich mein Kopf in eine Richtung bewegte, war das Sehen verzögert. Ich fühlte mich irgendwie losgelöst von mir. Da hab ich immer gedacht, so muss sich ein Junki fühlen wenn er sich ein Schuss setzt.

2. Risiko von Abhängigkeit und Missbrauch

  • Benzodiazepine und ähnliche Beruhigungsmittel können schnell zur Gewohnheit werden, besonders bei starker innerer Unruhe.
  • Bei kPTBS ist die Selbstregulation oft erschwert, sodass das Medikament leicht als „Notfallmechanismus“ missbraucht werden kann.

Aber wir blieben dann bei dem Medikament, weil’s das kleinere Übel war. Aber nur bis zu dem Moment nach 3 Monaten wo ich einen kalten Entzug machte. Warum ich das getan habe? Weil mein Körper sich schnell an die Dosis gewöhnt hat. In den ersten 1, 5 Monaten musste ich alle 2 Wochen die Dosis erhöhen um die Wirkung zu haben die ich brauchte, dann nur noch eine Woche. Und hey… das wollte ich nicht. So hab ich von jetzt auf gleich das Medikament abgesetzt. Ja, hätte ich nicht so leichtfertig tun sollen. Ich nahm das Medi grade mal 3 Monate und die Entzugserscheinungen waren für diese kurze Zeit echt krass. Ich hätte das Medikament doppelt so lange ausschleichen lassen müssen, also stell dir vor. ich hab es 3 Monate genommen. Das bedeutet, ich hätte 6 Monate gebraucht um es richtig abzusetzen. Super, dann wär es aber schon wieder kalt geworden und meine Beine hätten wieder angefangen zu jucken, worauf das hinaus gelaufen wäre siehst du selbst oder? Und nein, das wollte ich auf keinen Fall.

Aber es ist noch aus weiteren Gründen keine so gute Idee solche Medikamente zu verschrieben.

3. Blockierung von Traumaverarbeitung

  • Viele Psychopharmaka können Emotionen abmildern, die für die Traumabearbeitung nötig wären.
  • Wer dauerhaft sediert ist, kann:
    • weniger Gefühle wahrnehmen (Tut man eh schon weniger als normal wäre)
    • Trigger nicht richtig verarbeiten
    • Fortschritte in der Therapie bremsen

4. Verstärkte Nebenwirkungen

  • Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder Schlafstörungen können stärker ausfallen.
  • Kombinationen mit anderen Medikamenten (z. B. Schmerzmittel, Schlafmittel) erhöhen Risiken

5. Individuelle Reaktionen

  • Bei kPTBS reagieren Menschen oft sehr unterschiedlich auf dieselbe Substanz.
  • Was für einen ruhigstellend wirkt, kann beim anderen Angst oder Unruhe auslösen.

Fazit

Medikamente bei kPTBS sind kein Tabu, aber sie sollten immer:

  • gezielt und kurzfristig eingesetzt werden
  • in Kombination mit traumasensibler Therapie
  • unter kontinuierlicher ärztlicher Beobachtung

Ziel ist nicht „keine Symptome mehr“, sondern mehr Stabilität, Selbstregulation und Handlungsfähigkeit.

Und so hab ich mich entschieden nie mehr etwas zu nehmen und lieber mit den Schmerzen zu leben.

Um welche Medikamente es ging fragst du dich? Das war einmal Lexotanil und einemal Xanax.

Eine Gegenüberstellung zweier Benzodiazepine

Sowohl Xanax als auch Lexotanil gehören zur Gruppe der Benzodiazepine (Benzos). Diese Medikamente wirken beruhigend, angstlösend und entspannend auf das zentrale Nervensystem. Trotz derselben Wirkstoffklasse unterscheiden sie sich in Wirkdauer, Stärke und typischem Einsatzgebiet.

🧪 Wirkstoffe

MedikamentWirkstoff
XanaxAlprazolam
LexotanilBromazepam

Beide Wirkstoffe verstärken die Wirkung des Neurotransmitters GABA, der hemmend auf das Nervensystem wirkt. Dadurch wird die neuronale Aktivität reduziert – Angst und Anspannung nehmen ab und somit natürlich auch die körperlichen Symptome die damit verbunden sind.

🔄 Einordnung im Vergleich

MedikamentWirkeintrittWirkdauerTypischer Einsatz
Xanaxsehr schnellkürzerPanikattacken
Lexotanilschnelletwas längeranhaltende Angst/Unruhe

⚙️ Eigenschaften im Vergleich

MerkmalXanax (Alprazolam)Lexotanil (Bromazepam)
Wirkeintrittschnellschnell
Wirkdauerkurz bis mittellangmittellang
Hauptwirkungstark angstlösendangstlösend & beruhigend
Sedierungmoderat bis stärkermoderat
Abhängigkeitspotenzialhochhoch

Xanax wird häufig als etwas stärker und schneller wirksam beschrieben, insbesondere bei akuter Panik.
Lexotanil wirkt oft etwas gleichmäßiger und wird eher bei anhaltender innerer Anspannung eingesetzt.

Ich, also wir entschieden uns dann für Lexotanil. Weil Xanax mich dermassen sediert hat, dass es nicht mehr lustig war. Ab wie gesagt, auch das war schlussendlich für mich keine Lösung.

Das Einsatzgebiet von Lexotanil ist ein bisschen anders als bei Xanax und hätte wirklich gut zu meiner Systematik gepasst.

Anwendung: Lexotanil (Bromazepam)

  • generalisierte Angststörungen
  • innere Unruhe
  • psychosomatische Spannungszustände
  • stressbedingte Beschwerden

Eher bei anhaltender Nervosität und Spannungszuständen.

Was hat denn jetzt geholfen das meine Beine mehr jeden Winter zu jucken beginnen? Nun, ich denke, das war eine Art der Umprogrammierung. Denn vor 5 Jahren fragte meine Therapeutin warum ich denn immer raus gehe obwohl ich wissen das es mir nicht gut tut. Tja, warum… ich muss ja raus, nicht nur einkaufen sondern die Leute verstehen nicht das ich mich nur noch drinnen aufhalte. Das ich nicht mehr spazieren gehe. Die Erwartung anderer treibt mich dazu. Ich bin ja sonst schon die komische, will nicht noch mehr Wasser ins Öl giessen und ich mag mich nicht immer rechtfertig nur um zu merken das man das eh nicht versteht oder akzeptiert. Sie meinte dann nur, versuchen sie es doch mal, bleiben sie möglichst drin. Lassen sie sich nicht einschüchtern und unter Druck setzen. Ja, so einfach wars nicht. Die ersten 2 Winter hab ich weniger gemacht. Bin seltener spazieren gegangen oder war nicht lange draussen. Ja, es wurde besser aber dennoch war’s immer noch genug schlimm. Und es gab Wochen wo ich nur unter schmerzen baden oder duschen konnte weil die haut so wund war vom kratzen.

Dann, der 3. Winter hab ich dann wirklich noch mal weniger gemacht. Und da merkte ich, hey, da tut sich was. Und als mein Mann dann nicht mehr da war, bin ich gar nicht mehr raus. Nur noch 2 oder 3 mal die Woche kurz einkaufen. Sonst verbrachte ich die Winter in meinem sicheren zu Hause. Und siehe da… die letzten 3 Winter, also dieser mit eingeschlossen, jucken sie nicht mehr. Nicht mal als ich jetzt doch schon 3 mal etwas länger draussen unterwegs war.

Du kannst dir gar nicht vorstellen was für eine Erleichterung das ist, nach all den Jahren. Begonnen hat das ganze schleichend. so ab 15 oder so, aber richtig schlimm wurde es als ich 20 war. Also über 30 Jahre schlug ich mich mit diesem Problem rum. Und ich bin so unendlich dankbar das diese Zeit der Vergangenheit anzugehören scheint. Ja, so ganz trau ich der Sache noch nicht. Aber im Moment nehme ich es dankbar an.

Aber nein, der Winter ist noch immer nicht mein Freund, einfach weil ich ständig friere. Auch jetzt sitze ich hier mir warmen Socken, meinen Kuschel-Finken, Jeans. Rollkragen Top, Einer Strickjacke und meinem Strickmantel, und ich frier immer noch.

Ich persönlich war ja immer jemand die Medikamenten gegenüber skeptisch und vorsichtig war. Ich nehme selten, wirklich selten welche. Aber ich finde, man sollte sowieso nicht zu schnell zu Medis greifen und vor allem sich genau damit befassen und sich genau überlegen ob die Nebenwirkungen es wert sind. Und nein, mir waren sie es definitiv nicht.

Ich sage nicht das Medikation grundsätzlich schlecht sind. Nur weil’s bei mir nicht so gut gelaufen ist, heisst das nicht, dass das bei jemand anderem nicht hilfreich sein kann.

Aber, ich hab die Erfahrung gemacht, das manche Ärzte und Therapeuten einfach zu schnell zur Verschreibung greifen.

Ich hab grade wieder von jemandem in meiner Familie gehört, das ein Therapeut, schon bei der ersten Sitzung Medikamente verschrieben wollte. Und das find ich dermassen verstörend. Hallo, der Therapeut kannte die Person noch nicht. Nach 1 Stunde kennst du deinen Klient nicht, noch nicht mal die ganze Geschichte aber hey, hau dir mal diese Pille rein.

Ähm hallo? Ich würde mir gleich einen neuen Therapeuten suchen. Das geht für mich gar nicht. Aber ich weiss auch, dass man die Kraft manchmal einfach nicht hat. Sie hat sich wenigstens nicht breitquetschen lassen und weigert sich strickt Medikamente zu nehm.

Manchmal denke ich, viele Therapeuten machen es sich zu einfach. Aber das ist ein anderes Thema.


Ja, sorry, auch dieses mal wurde der Beitrag wieder länger als zuerst gedacht.

Habt ihr eigentlich Fragen rund um das Thema kPTBS? Also an mich oder so? Dann würde ich das mal aufgreifen. Wenn ja, dann ab in die Kommentare. Aber jetzt wünsch ich euch mal einen guten Appetit, bald ist ja Essenszeit.

Mal schauen ob ich es heute noch schaffe noch mal was zu schreiben, denn eigentlich wollte ich ja noch die neue App vorstellen, heute wär nämlich noch etwas Zeit. Sonst halt nächste Woche. So oder so, eine gute Zeit und sonst bis morgen. Da gibt’s ja auch 2 Beiträge.

Danke, dass du ein Stück dieses Kapitels mit mir gegangen bist

Danke, dass du dir Zeit für diesen Beitrag genommen hast. Wenn du magst, hinterlass mir einen Kommentar – ich freue mich auf deine Gedanken.