Leben & Heilung

Wenn der Körper längst Pause sagt, während der Kopf noch weitermachen will

Warum „keine Lust mehr“ und „ich brauche eine Pause“ nicht immer dasselbe sind.

📅 24. September 2026
w⛅️ Nicht wach. Aber da, 9-22 °C

Hallo du liebe Seele 🤍

Heute möchte ich über ein Thema schreiben, welches gerade hochaktuell ist.

Wir hatten ja gerade eine Woche Ferien und da könnte man doch meinen, man ist erholt und ausgeruht. Schliesslich verbinden die meisten, ja auch ich, Ferien genau damit. Oder währenddessen … da freut man sich auf Dinge, Unternehmungen und darauf, einfach mal etwas anderes zu erleben.

Und dann kam es anders.

Aber auch sonst im Alltag passiert manchmal etwas Merkwürdiges.

Ich habe eigentlich noch Lust.

Der Tag ist schön. Ich habe etwas unternommen, war draussen, habe fotografiert, gelesen oder mich mit etwas beschäftigt, das mir Freude macht. Nichts daran fühlt sich falsch an.

Und trotzdem kommt irgendwann dieser Moment:

Ich kann gerade nicht mehr.

Noch immer kommt viel zu schnell der Gedanke auf, dass es mir an Motivation fehlt.

Dass ich keine Lust mehr habe.

Dann mache ich eben etwas anderes …

Gerade lerne ich, dass es vielleicht gar nicht fehlende Lust ist, sondern frage mich genauer:

Habe ich wirklich keine Lust mehr oder braucht mein Körper gerade eine Pause?

Ich merke langsam immer mehr, dass das nicht unbedingt dasselbe ist.

Ich möchte eigentlich noch.

  • Der Tag macht Spass.
  • Ich habe noch Ideen.
  • Ich möchte schreiben, fotografieren, lesen, etwas unternehmen.

Und trotzdem merke ich:

Mein Körper, mein Nervensystem, mein Kopf möchten, können aber gerade nicht mehr.

Bis jetzt dachte ich dann immer: Dann habe ich eben keine Lust.

Aber inzwischen frage ich mich:

Ist es wirklich fehlende Lust oder braucht mein Nervensystem gerade einfach eine Pause?

„Ich versuche gerade, den Unterschied zu lernen.“

Denn wirklich zum Nachdenken kam ich in den Ferien.

Da gab es so den ein oder anderen Moment, wo ich einfach nur noch nach Hause wollte. In mein Bett oder aufs Sofa. Einen Film oder eine Serie schauen. Nur bitte nichts mehr aufnehmen. Nicht mehr stundenlang auf der Harley sitzen, laufen, ruhig sein und warten, bis ein Vogel vor die Linse fliegt …

Das hat mich wirklich stutzig gemacht, weil mir all das sehr gefallen hat.

Also warum hatte ich plötzlich keine Lust mehr?

Dann habe ich gemerkt: Halt mal … Es lag gar nicht an der Lust. Es war einfach zu viel.

So viele neue Reize. Orte, an denen ich mich nicht auskenne. So viele neue Eindrücke … wunderschöne, aber auch diese müssen verarbeitet werden.

Nur das dauert bei mir einfach länger als bei anderen. Und offenbar erreiche ich meine Belastungsgrenze auch schneller als Menschen um mich herum.

Mein Freund wollte Montagnacht um 22 Uhr noch einmal raus. Er wollte herausfinden, ob er die Milchstrasse fotografieren könnte.

Natürlich fragte er, ob ich mitkomme.

Ich hätte heulen können.

Und doch bin ich mit, weil ich ihn nicht enttäuschen wollte und weil er es wohl nicht verstanden hätte.

Oder ich bin zu Hause, mache Haushalt und danach könnte ich eigentlich noch raus. Wie gestern.

Das Wetter war traumhaft und doch schaffte ich es einfach nicht.

Keine Lust.

Und nein … Lust hätte ich schon. Ich konnte einfach nicht.

Ich hatte einiges gemacht und dann war einfach keine Energie mehr da, um mich mit der Kamera aufzumachen und die Sonne zu geniessen.

Also habe ich mich in den Sessel ans Fenster gesetzt und den Beitrag für heute begonnen zu formulieren …

Denn warum aus all den Gedanken, Beobachtungen und Fragen nicht gleich ein neues Thema aufmachen?

Und ja, ich glaube, ich brauche einfach mehr Pausen, mehr Langsamkeit, mehr meinen eigenen Rhythmus.

Früher habe ich mich ja sehr zurückgezogen. Habe vieles vermieden und war hauptsächlich zu Hause. Habe trotz „keiner Lust“ meistens einfach weitergemacht. Weil, keine Lust muss man ja einfach überwinden, dann kommt sie von alleine, so der Tenor von Freunden und Psychologen.

Nach dem Tod meines Mannes hat sich hinsichtlich dessen viel verändert. Ich war alleine, konnte die Dinge so handhaben, wie ich es wollte, brauchte, wenn auch unbewusst, kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich keine Lust hatte, Dinge zu tun. Ich brauchte mich nicht zu rechtfertigen, zu schämen.

Und dann kam die neue Beziehung, die hat noch mal alles auf den Kopf gestellt.

Wir machen so viel. Ich versuche, mich auf vieles einzulassen, und ich liebe es, draussen zu sein, mit der Kamera unterwegs zu sein, immer wieder etwas zu unternehmen, Neues zu sehen und neue Orte zu entdecken.

Ich überwinde mich so oft, Dinge zu tun, die ich vorher nie gemacht habe. Oder ich halte länger aus, als ich eigentlich möchte oder kann. So nach dem Motto: Augen zu und durch.

Und jetzt kommt alles zurück … das sich Überwinden, sich zu schämen, der Druck.

Obwohl ich es liebe, die Dinge, die wir unternehmen.

Und dabei sind es nicht nur die äussern Reize, die mich manchmal müde machen. Auch innerlich läuft bei mir unglaublich viel.

Ich denke, beobachte, scanne meine Umgebung, nehme wahr, was um mich herum passiert, und versuche gleichzeitig herauszufinden, was ich fühle und was etwas mit mir macht.

Gerade das Fühlen ist für mich noch relativ neu. Und manchmal sind auch die Gefühle selbst einfach viel.

Und ja, manchmal überfordern sie mich.

Nicht unbedingt, weil etwas Schlimmes passiert, sondern weil plötzlich so vieles gleichzeitig da ist.

Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen, Fragen … und mein Kopf versucht natürlich auch noch, alles irgendwie einzuordnen und zu verstehen.

Ich glaube, auch das braucht Energie.

Oder eben jetzt diese Ferien …

Sie waren wunderschön und doch haben sie mich enorm viel gekostet.

Oder wie damals vor ein paar Monaten, als ich meine Seelenschwester getroffen habe. Der Tag war super, wir hatten es gut, wir hatten tolle Gespräche, haben gelacht, diskutiert … und am Schluss …

Mein Nervensystem hat dichtgemacht.

Shutdown. Aus. Fertig.

Mir war das wirklich nie so richtig bewusst. Wie denn auch, ich hab ja so viele Dinge vermieden.

Aber wenn viele neue Eindrücke oder äussere Reize da sind, verbraucht das sehr viel mentale und körperliche Energie. Und dann kann es passieren, dass ich innerlich dichtmache, die Erschöpfung mich überrollt und ich einfach nur noch nach Hause will, weil ich nichts mehr aufnehmen kann.

Und das hat dann eben nicht unbedingt etwas damit zu tun, dass ich keine Lust mehr darauf habe.

Das habe ich selbst oft verwechselt.

Und ich lasse mir auch heute noch viel zu schnell diesen Schuh anziehen. Dann mache ich oft Dinge, für die ich eigentlich keine Ressourcen mehr habe, weil ich das Gefühl habe, beweisen zu müssen, dass es nicht an mangelnder Lust liegt.

Oder weil es einfach nicht verstanden wird.

Ich bin gerade dabei zu lernen, dass ein „Ich kann nicht mehr“ nicht automatisch bedeutet, dass mein Kopf etwas nicht mehr will.

Manchmal scheint mein Körper schon eine Grenze erreicht zu haben, während mein Kopf noch voller Ideen steckt.

Ich finde es noch immer sehr schwer, Dinge auseinanderzuhalten.

Nicht nur Mental von Nervensystem und Körper, sondern auch Gefühle und Emotionen. Wahrheit und Fakt von Interpretation.

Denn bis vor zwei, drei Jahren fühlte ich fast nichts bis gar nichts.

Ich wusste Dinge, rein rational. Fühlen war schwer.

Aber jetzt, seit einigen Monaten, vor allem seit ich die Morgen- und Abendchecks mache, beginne ich zu fühlen.

Ich lerne, was mir mein Körper sagen möchte. Was mein Nervensystem …

Wie fühle ich mich?

Was sind gerade Themen und Trigger?

Und wie beeinflussen sie mich, meinen Körper, mein Denken?

Also, was will mir mein Körper damit sagen?

Ehrlich?

Oft weiss ich es noch nicht.

Denn noch viel zu oft ist alles einfach nur ein Durcheinander, ein Knoten, ein Brei aus Gefühlen, Emotionen, Ängsten und körperlichen Reaktionen.

Wie erkenne ich aber jetzt rechtzeitig den Unterschied zwischen …

„Ich habe keine Lust mehr“

und

„Mein Körper und mein Nervensystem brauchen gerade eine Pause“?

Das ist wohl die Gretchenfrage.

Und ehrlich, ich weiss es wirklich nicht.

Noch nicht.

Denn das ist gar nicht so einfach.

Wenn ich mitten in einer schönen Sache bin, spüre ich oft nicht wirklich oder eben viel zu spät, dass es zu viel ist. Ich bin dann so abgelenkt und eingenommen von der Situation und geniesse es ja auch, dass ich die ersten Anzeichen wohl übersehe beziehungsweise überhöre.

Tja, und dann wundere ich mich, dass ich dermassen erschöpft und müde bin und im schlimmsten Fall am nächsten oder übernächsten Tag einfach nur noch im Bett bleiben möchte.

Was ich aber gerade beobachte, ist, dass es nicht nur die unangenehmen Dinge sind, die mich erschöpfen.

Auch schöne Erlebnisse können Energie kosten.

Neue Orte, viele Eindrücke, lange Fahrten, Fotografieren, Menschen, Geräusche, Bewegung und ständig etwas Neues aufnehmen zu müssen, summieren sich.

Und irgendwann kommt dieser Punkt, an dem ich merke:

Nichts geht mehr.

Dann möchte ich nach Hause.

Aufs Sofa.

Ins Bett.

Einen Film schauen.

Nichts mehr aufnehmen müssen.

Nicht nachdenken.

Einfach nur sein, mit einer seichten Ablenkung.

Und genau hier möchte ich künftig genauer hinschauen.

Denn das Fühlen kann ich nicht mehr wegdrücken.

Glaub mir, ich habe es versucht.

Aber ich möchte auch nicht mehr auf die Dinge verzichten, die ich mir so hart erarbeitet habe.

Mehr Dinge unternehmen.

Rausgehen.

Mit meinem Freund mit der Kamera unterwegs sein.

Draussen sein.

Mein Leben erleben.

Darauf möchte ich nicht mehr verzichten.

Also ist es wichtig, zu lernen, die Signale meines Körpers, meines Nervensystems zu verstehen. Beziehungsweise überhaupt einmal richtig hinzuhören und hinzuschauen.

Was ich aber inzwischen „weiss“, ist, dass mein Bedürfnis nach Rückzug besonders dann stark wird, wenn viele neue Eindrücke und Reize zusammenkommen.

Und dass ich lernen darf, beziehungsweise akzeptieren muss, dass meine Belastungsgrenze offenbar schneller erreicht sein kann als bei manchen anderen Menschen.

Wo andere vielleicht noch voll dabei sind und Energie für noch mehr haben, ist bei mir irgendwann Ende Gelände.

Nicht immer.

Aber ich merke es langsam.

Und ich möchte lernen, das zu erkennen.

Ich möchte lernen, es selbst zu akzeptieren und anzunehmen, ohne mir jedes Mal einen Strick daraus zu drehen und mich einfach nur falsch zu fühlen.

🔎 Was bedeutet das denn jetzt für mich?

Ich möchte das nächste Mal, wenn ich denke:

„Ich habe keine Lust mehr“

innehalten und mich fragen:

  • Habe ich wirklich keine Lust oder bin ich einfach erschöpft?
  • Was ist heute alles zusammengekommen?
  • Wie viele neue Eindrücke hatte ich?
  • War ich viel unterwegs?
  • Hatte ich zwischendurch echte Ruhe?
  • Habe ich gerade sogar für etwas, das mir normalerweise Freude macht, keine Energie mehr?
  • Wie fühlt sich mein Körper an?
  • Bin ich gereizt, unruhig oder erschöpft?
  • Würde ich die Aktivität eigentlich gerne machen, wenn ich vorher eine Pause hätte?
  • Was passiert, wenn ich mir diese Pause tatsächlich erlaube?

Vielleicht finde ich dadurch irgendwann meinen eigenen Unterschied.

Vielleicht merke ich früher, wann es wirklich keine Lust ist.

Und wann mein Körper eigentlich schon längst sagt:

Jetzt wäre eine Pause gut.

Ja, dann nehme ich mir die Pause. Und wenn es so aussieht, dass ich einen Tag oder auch zwei mal gar nichts mache, vielleicht sogar nur im Bett verbringen würde, mit Dösen, Serien oder Filme schauen … und das ohne schlechtes Gewissen, Druck und Scham, mit dem Scheiss-Strick um den Hals.

🌱 Vielleicht möchtest du dich selbst einmal beobachten

Vielleicht kennst du dieses Gefühl ja auch.

Du denkst:

„Ich habe keine Lust mehr.“

Und vielleicht stimmt das auch.

Vielleicht aber auch nicht.

Vielleicht bist du einfach müde. Überreizt. Voll mit Eindrücken. Vielleicht hat dein Tag mehr Energie gekostet, als du in dem Moment bemerkt hast.

Vielleicht musst du nicht immer sofort entscheiden, was es ist.

Vielleicht reicht es manchmal, kurz innezuhalten und zu fragen:

„Was brauche ich gerade wirklich?“

Ich selbst bin noch dabei, das herauszufinden.

Und vielleicht ist genau das der nächste Schritt:

Nicht sofort zu bewerten, was ich fühle, sondern erst einmal zuzuhören.

Ich weiss die Antwort noch nicht.

Aber ich glaube, ich habe inzwischen wenigstens angefangen, hinzuhören. 🌿

Danke, dass du ein Stück dieses Kapitels mit mir gegangen bist

Danke, dass du dir Zeit für diesen Beitrag genommen hast. Wenn du magst, hinterlass mir einen Kommentar – ich freue mich auf deine Gedanken.