
Einen wunderschönen Tag du liebe Seele 🤍
Heute war mein Start wirklich angenehm. Sonne, blauer Himmel, warm … Wie war deiner?
Heute geht es um ein nicht so einfaches Thema, Liebe.

Liebe sollte eigentlich etwas leichtes sein, etwas das uns beflügelt, uns einnimmt, uns tief verbindet, uns Sicherheit und Geborgenheit gibt.
Liebe bei Bindungstrauma sieht aber eher wie das Gegenteil aus.
Denn genau das, wonach man sich sehnt, am meisten triggert. Weil man Verbindung und Liebe anders gelernt hat.
Das Bindungstrauma ist bei mir schon sehr früh in der Kindheit entstanden. Denn es fehlte an essenzieller Sicherheit und Zuwendung. Beides blieb unerfüllt. Einerseits durch meine todkranke Mutter und meinen Vater, der uns nie wollte, jähzornig war und wo körperliche und psychische Gewalt ein Thema war. Beide haben viele meiner alten Muster unbewusst noch tiefer verankert.
Also war Liebe und Verbundenheit für mich nichts selbstverständliches. Es bedeutete Gefahr. Und so sind die beiden Dinge etwas, das in mir eher Todesangst oder einen panischen Fluchtreflex auslöst.
Ja, auch heute noch.
Grade jetzt in der neuen Beziehung ist das sehr stark zu spüren, denn wir kennen uns noch nicht so gut und die Dynamik ist ne ganz andere als die mit meinem ersten Freund und meinem Mann. Beide haben durch ihr Verhalten mein Trauma auf ihre Weise noch verstärkt. 3 Jahre allein leben und Traumatherapie haben mich Dinge erkennen und verstehen lassen. Was aber leider nicht viel bringt. Denn wissen und verstehen, also rein rational, heilt kein Bindungstrauma.
Was also ist denn jetzt das Problem? Ich kann sagen, es sind die vermeintlich „kleinen“ Dinge. Also sie wirken klein aus der Sicht meines Gegenübers. Aber mein Nervensystem schlägt voll an bei tiefesitzenden Triggern:
Distanz meines Partners – Das kann sein das er in sich gekehrt ist, weil er mit sich selbst grade beschäftig ist. Sich zurück zieht nach einer Diskussion, wenn er nicht in der üblichen Zeit zurück schreibt, wenn er mit jemandem anderen schreibt, er mit jemand anderen etwas unternimmt… Wenn er also emotional abwesend ist. Da springen bei mir gleich sämtliche Alarmglocken an weil mein System das ganze als lebensbedrohliches Verlassewerden interpretiert.
In solchen Momenten spüre ich wie das Adrenalin in die Höhe schiesst. Die Brust eng wird, eine Mauer hochgezogen wird, in Sekunden schnelle. Wie meine Gedanken in rasendem Tempo beginnen diverse Möglichkeiten durch zu spielen was schief gelaufen ist, was ich falsch gemacht haben könnte.
Körperliche Nähe – Ich sehne mich nach Zärtlichkeit und Harmonie. Das ist neu, denn mein Mann war nicht so der Typ von kuscheln, Händchen halten ect. Das hab ich immer sehr vermisst. Jetzt habe ich einen Mann an meiner Seite, der sehr körperlich ist, der nie genug kuscheln kann, der gerne Körperkontakt hat, egal ob er oder wir garde am Film schauen sind, oder er am arbeiten, ich am schreiben, geht er in die Küche oder macht grade Pause, läuft er immer bei mir vorbei, streichelt mit über die Arme, den Rücken oder kommt und gibt mir einen Kuss… Und doch ist es manchmal zu viel. Oder besser gesagt, es hinterlässt bei mir ein Gefühl von Kontrollverlust.
Kontrollverlust? Wie geht dass denn? Von Aussen sieht es doch harmonisch aus, liebevoll, sicher… Woher kommt denn da die Angst vor Kontrollverlust?
Oder grade in einer schwierigen Situation wo ich mit mir selbst zu kämpfen habe oder einer Situation, wo ich eigentlich Nähe so sehr bräuchte um mich Sicher und Geborgen zu fühlen, löst es in mir eher eine Fluchtreaktion aus. Ich werde Steif, kann mich nicht bewegen, kann nichts artikulieren und ich kann diesen, für mich enorm grossen Graben, einfach nicht überwinden, auch wenn alles in mir schreit das er mich umarmen soll.
Ich sehne mich nach Nähe und habe gleichzeitig Angst davor. Einfach weil es gefährlich ist, denn Nähe kann entzogen werden.
Konflikte & Kritik – Ich hab früh gelernt das ich kein Recht habe etwas zu kritisieren. Da fand man immer Gründe dafür. Umgekehrt aber war das halt was ganz anderes. Ich ging immer unter, meine Meinung wurde immer klein geredet oder völlig missachtet oder gar lächerlich gemacht. Wenn ich also den Konflikt nicht vermeiden kann oder jemand mich kritisiert, dann ist das für mich eine existentielle Bedrohung und führt dazu das ich mich zurück ziehe. Ich werde ruhig, sag nichts mehr und im schlimmstenfalls zieh ich mich auch körperlich in mich zurück, werde unsichtbar. Ich fühl mich dann so klein, unwichtig, lästig, falsch.
Dass diese Dinge schwierige Situationen auslösen, ist wohl klar.

Vertrauen ist auch so eine Geschichte. Wenn du immer wieder erfährst dass Vertrauen gebrochen und missbraucht wird, dauert es sehr, sehr lange bis es wieder vorhanden ist. Wenn du immer wieder belogen und hintergangen wurdest, Betrug erlebt hast, ist es schwer, auch wenn man den neuen Partner liebt, dieses Vertrauen zu haben. Das muss erst aufgebaut werden. Doch was für den anderen selbst verständlich ist, ist für mich eine Gratwanderung. Denn, noch so kleine Signale lösen bei mir gleich Verlustangst aus und zwar ziemlich heftig.
Liebe ohne Drama fühlt sich gefährlich an. So, wie…?
Wie die Ruhe vor dem Sturm. Etwas in mir lauert die ganze Zeit, auf Vertrauensbruch, Betrug, verlassen werden, auf Streit, Angriff…
Und wehe, das kleinste Anzeichen, Signal macht sich bemerkbar und zack… Hochalarm im Nervensystem. Dann verabschiedet sich das rationale denken in die Ferien und ich verliere die Kontrolle über meine Gefühle und meinen Körper.
Aber egal um welchen Trigger oder Situationen es sich handelt, alles in mir möchte in diesen Momenten bleiben.
Aber gleichzeitig will ein Teil einfach nur fliehen.
Liebe macht mir keine Angst, weil ich nicht lieben kann.
Sondern weil Liebe für mein Nervensystem lange mit Verlust, Schmerz und Unsicherheit verbunden war.
Und vielleicht ist genau das das Schwerste am Bindungstrauma:
Dass man sich nach Nähe sehnt…
und gleichzeitig Angst davor hat.
Same same but different.
Mein Vater war Alkoholiker anstatt sich seinen Probleme zu stellen. Meine Mutter war co-abhängig und hat mitgemacht. Beide haben psychischen Missbrauch betrieben. Darum kümmere ich mich auch nicht gross um meine Mutter. Sie ist mir einfach egal.
Ich habe irgendwann währen der langen Therapie aufgehört mich nach Nähe zu sehen. Alles, was ich brauche, kann ich mir selber geben und das ist gut so. Mein Mann weiss das nicht und wird es auch nie erfahren. Trotz einer Scheiss-Ehe und anderen psychischen Problemen, ist er der beziehungsnormalere. Am Anfang hatte er grosse Verlustängste. Die hat er nun endlich abgelegt. Gestern war er mit einem Ex-Gspusi, die mittlerweile seine Arbeitskollegin an einem anderen Standort ist beim Feierabend-Bier – gut so. Die Treffen sich immer mal. Sie war auch schon bei uns und ist total nett. Sie funktionieren super als Freunde, als Paar hats nicht geklappt. Das ist wichtig, dass er jemanden hat, der ihm sein Gejammer abnimmt. Ich mag das nicht gerne anhören. Ich bin der Typ Augen zu und durch. Auch wenns mich fast umbringt.
Ich habe nie gelernt wie eine Beziehung auf Augenhöhe geht, doch wir bekommen es ganz gut hin. Beide müssen halt Kompromisse machen wie überall im Leben.
Distanz von mir verträgt mein Mann auch ganz schlecht. Als ich aus dem Schlafzimmer auszog wegen seinem Schnarchen, fragte er mich, ob ich ihn nicht mehr gerne habe. Als der GV weniger wurde, fragte er wieder. Mir alles nicht wichtig. Ich brauche einen Partner, der da ist, wenn ich ihn wirklich brauche. Er ist nicht so stark wie ich, doch er ist an meinem Beispiel gewachsen.
Kuscheln/Nähe kann ich eine Zeit aushalten, dann muss ich weg. Gabs daheim auch nicht. Ich erstarre auch oft, wenn er mich umarmt oder anfasst. Auf der Suche nach Akzeptanz habe ich viel s*x**ll*n Missbrauch erlebt und gelernt das auszuhalten. In der Beziehung will ich das aber nicht aushalten müssen.
Da ich eine grosse Klappe habe, musste ich lernen, auch mit Kritik umzugehen – natürlich bin ich quasi perfekt *frechlache*
Nein, ernst jetzt, wenns gerechtfertigt ist, habe ich damit kein Problem. Nur wenn man mich dumm von der Seite anlabert, das geht gar nicht. Dann fange ich oft an zu weinen. Auch hier ist mein Mann der, der damit nicht umgehen kann und dann immer wegläuft, während ich mich zoffen will. Sein Hirn funktioniert ganz anders und viel langsamer als meines. Weil er halt immer in Sicherheit war und ich nie – bis ich endlich zu mir selber fand.
Ratschläge habe ich keine. Ich weiss, dass mein Umgang mit den Themen auch nicht koscher ist. Anders kann ich es aber nicht. Ich bin jedoch meiner Psychiaterin auf ewig dankbar. Sie hat mir viel beigebracht, hat mich begleitet ins Erwachsenwerden und Verantwortung zu übernehmen als ich schon über 30 war und mittlerweile weiss ich, dass ich ganz ok bin, so wie ich bin.
Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft – mein Fazit ist leider, dass man all diese Dämonen nie ganz los werden wird. Ich versuche immer, so gelassen wie möglich zu sein. Denn dieses ewige auf Hochtouren laufen, hat mich irgendwann so genervt, dass ich die Distanz vorzog. Kostet viel zu viel Kraft, die ich für das, was mir noch wichtig ist, brauche.
Guten Morgen meine Liebe,
danke erstmal für deine so offene Antwort. Das schätze ich sehr. Und ich find es spannend wie du damit umgehst, umgehen kannst. Und wie du schon zur Eröffnung sagst, so gleich und doch anders.
So wie du das lebst, möchte ich das nicht mehr. Das hab ich in ähnlicher Form die 34 Jahre mit meinem Mann gelebt. Und das hat mich so viel von mir selbst gekostet. Oder damals mit meinem ersten Freund.
Ich denke, es ist für mich auch so schwer weil ich diese neue Dynamik nicht kenne. Auf so vielen Ebenen. Es verunsichert mich zusätzlich. Es sind nicht nur Trigger die ich kenne, sondern viele neue sind dazu kommen. Und ich weiss einfach nicht wie ich damit umgehen soll. Die alten kannte ich, hab mich mit ihnen Arrangiert, und heute überfordern sie mich, die neuen. Weil ich das Muster noch nicht erkenne und eben dazu noch das schlechte Gewissen gegenüber meinem Freund kommt und dann die Scham und Angst. Es ist wirklich sehr anstrengend. Dabei sollte eine neue Beziehung doch beflügeln… Mich kostet es mehr Arbeit im Moment und vor allem kraft. Denn Anpassung und Fight-or-Flight-Modus geben sich die Hand, dann, irgendwann komm ich nach Tage, Wochen an den Punkt wo der Shutdown einholt und mich zum Rückzug zwingt. Ich muss einfach eine gute Balance finden… Akzeptieren das mein Nervensystem einfach anders tickt und lernen dafür einstehen und dann auch meine Bedürfnisse einfordern kann.
Ob dein Umgang koscher ist oder nicht, das liegt nicht an mir das zu beurteilen. Ich kann nur sagen, meins wärs nicht. Schlussendlich musst du einen Weg finden der dich mehr schützt als verletzt.
Danke dir für deine Wünsche und noch mal, danke das du hier so offen deine Geschichte erzählt hast, das bedeutet mir viel.
Liebe Grüsse
Alexandra