Trauer und Abschied

Drei Jahre

9 bis 25 Grad

Hallo du liebe Seele 🤍

Heute ist schon Freitag und eigentlich wär heute „Hand aufs Herz“ Tag im Blog. Aber irgendwie tu ich mich mit der Frage schwer. Darum gibts heute einen nicht so leichten Beitrag…


Am Freitag war der 3. Todestag meines Mannes. 

So viel Gefühle und Erinnerungen überfluteten mich. Schon Tage davor machte sich eine leichte Traurigkeit und Anspannung bemerkbar. Das war mir da noch nicht bewusst weil ich in letzter Zeit eh schon viel in mir zu tragen hatte.

Dann, am Morgen des Todestags hatte ich einen Traum. 

Ich war so überrascht das ich von ihm geträumt habe, denn ich hab erst 2 mal von ihm geträumt, kurz nach dem Tod. Und das war auch anders als dieses mal. Ich träumte zwar von meinem Mann, aber es war nicht er. Also Aussehen passte so gar nicht. Es war ein anderer Mann, aber ich wusste das er es war. Kein schöner Traum. 

Dieses mal sass ich an meinem Mac, in meinem alten Schlafzimmer, machte grade etwas, da trat er von hinten an mich heran und sagte zu mir; 

Weisst du noch, du hast mal ein Bild mit einem Sportwagen gemacht, so Clipart mässig, kannst du so eines für mich machen? 

Ich lächelte und begann eins zu gestallten. Dieses mal war es zwar ein anderer Sportwagen, aber die Farben behielt ich bei. Feurig, in Rot, Gelb und Orange. Der Wagen kommt von rechts ins Bild und man hat das Gefühl er kommt aus dem Feuer. Nur dieses mal ergänzte ich das Bild. Ich platzierte eine Frau, die lachte, und auf dem Dach des Autos tanzte, die Arme ausgebreitet, die sich einfach nur frei und glücklich fühlte… 

Blöd nur, dass ich vor lauter Überraschung, aufgewacht bin. Ich hab sowas von nicht damit gerechnet. Ich weiss also nicht, ob ihm das Bild gefallen hätte. 

3 Jahre sind es nun schon her, als der Muttertag-Morgen alles verändert hat. 4:22… 

Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit.

Und doch, sehe und fühl ich all diese Dinge, als wäre es erst grade eben passiert. 

Ich lieg im Bett, schlafe und wach auf weil es irgendwo dumpf knallt. Schau auf, sehe das mein Mann nicht mehr im Bett liegt. Ich rufe…

„Schatz? Alles gut?“ 

Keine Antwort.

Ich springe auf, weil ich gleich spüre etwas stimmt nicht, etwas fühlt sich falsch an. Im Flur brennt Licht aber es ist still und während ich ängstlich in den Flur gehe, sehe ich ihn schon da liegen, nach Luft ringend. Ich versuche verzweifelt ihn in Seitenlage zu bringen, er ist zu schwer, zu gross… Ich bin hin und her gerissen, aber ich brauchte Hilfe, also liess ich ihn schnell alleine und weckte meinen Sohn um mir zu helfen. Zusammen brachten wir in die Seitenlage und während ich schaute und mit meinem Mann redete, rief mein Sohn den Notruf an. 

Bis die Sanitäter kamen versuchte ich meinen Mann zu beruhigen, ja, er war nicht ansprechbar, ich hoffte aber das er mich wenigstens hört. Es war so hart nichts tun zu können. Zu sehen wie er keine Luft bekommt. Sich wehrt. 

Dann geht alles schnell… 

Plötzlich standen eine Notärztin und 4 Sanitärer im kleinen Flur. Jeder wusste genau was er zu tun hat. 

Fragen wurden gestellt die ich beantwortet habe… Mein Sohn und ich wurden ins Wohnzimmer geführt. Ich sollte da nicht zu sehen.  Ich hielt es nicht aus, ich stand dann in der Tür und schaute zu, ich weiss noch das ich sagte sie würden in den Armbeugen keinen Zugang stechen können. 

Sie haben es nicht gehört oder dachten ich würde aus dem Schockzustand etwas sagen. Doch nach paar Minuten merken sie, das sie es wirklich nicht schafften und so bohrten sie ins Schienbein und legten da einen Zugang. 

Kurz darauf standen dann noch 4 Feuerwehrmänner im Flur. Sie wurden gerufen weil sie helfen sollten ihn die Treppe hinab in den Krankenwagen zu transportieren. Das Treppenhaus war zwar nicht klein aber die Kurve war eng,  die Treppe steil und mein Mann mit fast 2 Meter, gross und schwer. Das hätten die alleine nie geschafft. 

Sie unterstützen dann auch die Herzdruckmassage, weil die recht lange dauerte. Nach 20 Minuten holten sie das CORPULS CPR – Thoraxkompressionsgerät weil sie noch nicht aufgeben wollten, da mein Mann noch keine 56 war, noch wussten sie was los ist. Die Geräte zeigten weder Herzinfarkt noch einen Schlaganfall an. Also machten sie weiter. 

Ich wusste nach 20 Minuten das es vorbei ist. 

Er ist tot. 

Nach 50 Minuten kam ein netter Sanitäter ins Wohnzimmer, ich weiss sein Name nicht mehr, aber ich weiss noch genau wie er aussah.  Er sagte zu uns, sie würden dann jetzt aufhören. Denn wenn er nach über 40 Minuten wiedererwartet zurückkommen würde, hätte er ziemlich sicher Hirnschäden da er lange eine Unterversorgung des Sauerstoffes hatte. Lange unter 35%

Ich konnte nur zustimmen, denn ich wusste das würde mein Mann nie wollen. 

Also wurde die Hektik und die Geräusche plötzlich still. 

Nach weiteren 10 Minuten kam der Sanitäter wieder. Klärte uns auf was jetzt passieren würde. 

Ich sehe die Bilder noch so genau vor mir…

Ich sehe das Szenario als 3. Person.  

Er liegt nackt, noch warm, zugedeckt, auf dem Boden im Flur. Direkt im Entre zwischen WC und Wohnungstür. 

Ich sehe mich wie ich mich zu ihm nieder lasse, 

ich spüre noch den harten, kalten Boden unter mir.

Ich leg mich neben ihn,

die Hand an seinem Gesicht 

Tränen in den Augen, die es einfach noch nicht fassen können was grade passiert ist. 

Ich rede mit ihm, sage noch mal das ich ihn liebe,

Das er loslassen darf und seinen Frieden finden soll. 

Dann setze ich mich auf,

betrachte ihn, 

versuche all die Kleinigkeiten einzuprägen.

Seine Haut, sein Ausdruck, seinen Duft… seine Stimme, die für immer verstummt ist. 

Nach 3 Jahren, ist mir nur das Bild geblieben. Der Duft und seine Stimme kann ich nicht mehr hervorrufen. Vielleicht wenn ich einen ähnlichen Duft riechen würde, ja da kämen die Erinnerungen zurück, oder auch die Stimme. 

Ich bin traurig, 

traurig über so viele Dinge. 

Darüber das er seine Enkel nicht mehr erleben kann, wie sie aufwachsen, den jüngsten hat er nie gesehen und jetzt ist noch mal eines unterwegs. Er hätte sich sicher mega gefreut. 

Aber auch darüber, das er nicht sieht wie sich seine beiden grossartigen Kinder entwickeln, die 3 Jahre haben sie genau so geprägt und gefordert wie mich, wenn auch auf eine andere Weise. Es war eine harte, lehrreiche Zeit für uns alle. So viele Gefühle, Gedanken, Ängste und Sorgen begleiteten uns in dieser Zeit. Jeder für sich, aber auch umeinander. 

Es macht mich auch heute noch traurig, dass er nie so glücklich sein konnte, wie er es verdient hätte und das ich seine Dunkelheit nicht erhellen konnte, das ich nicht ausreichte um die Leere in ihm zu füllen. 

Traurig über  all die Möglichkeiten die nun nicht mehr stattfinden werden. 

Und gleichzeitig ist da ein schlechtes Gewissen. 

Darüber, das ich lebe, 

das es mir gut geht, 

das ich glücklich bin, 

das ich jemand neues gefunden habe. 

Das es für mich weiter geht. 

und ich mich entschieden habe, zu kämpfen, 

mein Leben neu zu ordnen…

weil ich es mir erlaubt habe, Glücklich zu sein.

Aber nicht nur gegenüber ihm hege ich dieses schlecht Gewissen, auch meinem neuen Partner gegenüber.

Ja, ich weiss, jeder würde jetzt sagen, dass ich das nicht haben muss und doch… 

es fühlt sich irgendwie falsch an, mich so zu fühlen. 

Diese Trauer die noch sehr tief sitzt, tiefer als das ich es erwartet habe. 

Ich liebe meinen neuen Partner wirklich genau so sehr und doch fühlt es sich an als würde ich beide irgendwie verraten. 

Ja, ich glaube, dass ist genau das was ich grade fühle. Und das macht es irgendwie doppelt schwer grade. Denn es ist mehr als ein schlechtes Gewissen. Ich fühl mich schuldig. Nicht darüber was passiert ist, da hatte ich keinen Einfluss darauf. 

Aber ich fühl mich schuldig weiter zu machen. 

Schuldig das ich es geschafft habe ohne ihn, 

schuldig noch jemandem einen Platz in meinem Herzen geben zu haben. 

Der mir jetzt genau so viel bedeutet, wie mein Mann damals. 

Ich spüre all das im ganzen Körper. Es sind nicht nur Bilder und Erinnerungen, es sind auch die körperlichen Empfindungen die hoch kommen. Jede Kleinigkeit dieser Tage sind plötzlich wieder präsent. 

Der Widerwille über die Stelle zu gehen beim raus gehen oder nach Hause kommen. Die Tage und Nächte plötzlich alleine zu sein… 

Mich verloren zu fühlen in diesem grossen Bett.

Die Stille durch die Abwesenheit meines Mannes in der Nacht.

Nicht mehr schlafen und essen zu können. 

Das taube Gefühl, die Kälte die Verzweiflung und Hilflosigkeit wie das alles ohne ihn weiter gehen soll. 

Plötzlich sich in einem Körper wieder zu befinden, der sich einfach weigerte wärme zu produzieren, der keinen Hunger, keinen Durst mehr hatte. Der sich durch den Nebel der Dissoziation bewegte,  nur noch irgendwie funktionierte… 

Ja, all das war wieder da. Auf einen Schlag. 

Es will gefühlt, 

gesehen, 

und gehört werden. 

All das ist Trauer. Auch nach 3 Jahren, auch oder obwohl ich im gross und ganzen Glücklich bin.

3 Jahre voller Veränderungen. 

3 Jahre die vergangen sind wie im Flug und sich doch wie eine Ewigkeit anfühlen. 

Dies war ein Tag, der ein Schleier der Traurigkeit trug…

Wir vermissen dich 🥺🕊️

10 Gedanken zu „Drei Jahre“

  1. Du trägst keine Schuld an seinem Tod und er würde ganz sicher nicht wollen, dass Du Dich schuldig fühlst. Aber ich kann verstehen, dass Du so fühlst – es sind erst drei Jahre, auch wenn es schon drei Jahre sind. ♥

    1. Liebe Barbara,

      ich weiss, das ist auch nicht das Problem. Ich weiss das ich keine Schuld noch Einfluss auf den Tod meines Mannes hatte. Wenn dann eher er selbst mit seinen Prophezeiungen.

      Danke auch dir für deine Worte. Und ja, es sind schon, und doch erst 3 Jahre. 🫶🏻

  2. Hallo,
    ich habe noch keinen schweren Verlust erlitten, und kann dieses Gefühl nicht mitempfinden.
    Aber ich stimme The One zu. Und du weisst es ja auch sowieso. Ein schlechtes Gefühl als Übriggebliebene sollte nicht sein. Denn du hast einen schweren Kampf gehabt, und hast es dir verdient, die Lorbeeren einzuheimsen. Du hast überlebt. Und das hätte dein Mann auf jeden Fall gewollt. Wer will das nicht?

    Ausserdem – wenn er wirklich nie so glücklich war, wie er verdient hätte, hat er jetzt eine neue Chance bekommen. Er darf es noch mal versuchen. Und das sollte dich aufbauen. Er darf noch mal versuchen zu leben.

    1. Liebe Rina,

      danke dir auch für deine lieben Worte und ja, ich weiss es eigentlich. Doch das fühlen ist noch ein anderes.

      Aber du hast es wirklich schön gesagt, er darf, wenn er will, es noch mal versuchen.- Ansonsten hoffe ich einfach das es ihm jetzt gut geht.

  3. Ich weiss nicht, ob es angebracht ist, etwas zu schreiben, tue es jedoch trotzdem. Lösch es, wenn ich dich nerve.

    Zuerst einmal tut mir das sehr leid. Es ist nie schön, wenn jemand so jung sterben muss.

    Ich bin aus tiefstem Herzen überzeugt davon, dass uns unsere Verstorbenen sehen und begleiten – und sich manchmal bemerkbar machen wie bei dir im Traum. Ich bin leider auch immer so überrascht, wenn das passiert und bin jedes Mal ebenso endlos traurig, wenn ich aufwache und merke, dass es ein Traum war. Dann bin ich immer ein paar Tage kaum fähig einen klaren Gedanken zu fassen.
    So sieht er auch seine Enkel von der anderen Seite. Ich kann mir gut denken, dass der Traum ein Trost von ihm hätte sein sollen.

    Ein schlechtes Gewissen sehe ich als ebenso wenig angebracht. Dein Mann hätte doch gewollt, dass es dir gut geht und du auch ohne ihn ein zufriedenes Leben führen kannst. Von Glück mag ich nicht sprechen (obwohl ich mich selber als Glückskind bezeichne, denn es hätte bei mir alles noch viel schlimmer enden können). Das ist etwas, was ich auch nicht sonderlich gerne höre – sei doch einfach glücklich. Doch man kann eine Zufriedenheit finden in dem, was man noch kann und hat.

    Dass dir das alles noch immer so unendlich schwer fällt, finde ich völlig normal. Denn es sind erst drei Jahre vergangen, das kann noch sehr, sehr lange dauern.

    Sei lieb mit dir und nachsichtig – niemand sonst muss das verstehen oder nachvollziehen können – denn nur du lebst damit.

    1. Hallo du Liebe,

      warum soll das nicht angebracht sein?
      Warum sollte ich deinen Kommentar dazu löschen?

      Im Gegenteil, ich danke dir von Herzen für deine lieben Worte. Und ja, ich weiss, rein rational, das ich mir kein schlechtes Gewissen machen muss, mich nicht schlecht fühlen sondern dankbar sein kann. Und ja, das bin ich, aber eben, die anderen Gefühle sind halt auch noch da.

      Ja, nachsichtig sein mit mir… Das sollte ich wohl mal lernen.

      Danke noch mal und einen wunderschönen Abend dir.
      Alexandra

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