Leben mit einer K-PTBS

Niemand sieht, wie anstrengend normal sein für mich ist

9 bis 22 Grad

Guten Morgen du liebe Seele 🤍

Heute möchte ich über etwas schreiben, was niemand sieht, was vielleicht auch nur wenige Menschen wirklich verstehen. Nämlich, wie anstrengend es für mich ist, nach Aussen normal zu wirken. Denn da treffen sich so viele Gegensätze…


Ein Blick von Aussen auf meinen Alltag…

Morgens aufstehen, wenn auch etwas später, weil ich ja kein Wecker stellen muss, im Normalfall, da ich nicht arbeite.
Gemütlich starten.
Dann nehm ich als erstes den Haushalt in Angriff.
Danach gehts an den Blog / Instagram
Mittagessen kochen (Wenn Freund im Homeoffice)
Wenn alles erledigt ist, je nach Wetter raus oder dann lesen oder sonst was.
Abends dann etwas zusammen machen, raus, kochen…
Danach den Tag beenden und zusammen ins Bett.

Das ist so der übliche Alltag.

Ja, das ist doch völlig normal und so machen es ja viele. Von aussen sieht das alles so leicht, so funktional, so geschäftig aus. Alles läuft ohne Schwierigkeiten. Mit einem lächeln im Gesicht, mit einem Summen auf den Lippen, mit Aufmerksamkeit und so leichtfüssig, (manchmal gar tanzend) bez. leichthändig.

Und doch…

… sieht es oft anders aus. Es beginnt schon beim aufwachen.

Ich bin beim aufwachen müder als am Abend davor wenn ich ins Bett gehe. Da bin ich meist hellwach, auch wenn ich erschöpft bin. Ja was für ein Gegensatz…
Fühle mich schon vor dem aufstehen gehetzt, angespannt.

Also starte ich schon mal nicht so entspannt in den Tag wie das manchmal von aussen aussehen mag. Ich bekomme mich zwar relativ schnell in den Griff und leg dann los, doch die Psyche fühlt sich schwer, manchmal leer und taub an. Oder das Nervensystem dreht schon im roten Bereich, weil ich innerlich schon auf Hochtouren laufe. Dann laufen viele Dinge gleichzeitig …

  • Analysieren
  • ständiges Scannen
  • Trigger
  • Anpassung
  • Gedankenkarussell

Und trotzdem sieht es von Aussen alles so leicht aus. Aber das ist es nicht…

…dann setze ich eine Maske auf, lächle und mach einfach weiter.

Schliesslich muss ich funktionieren.
Muss meine Dinge machen.

Pausen lege ich kaum ein, möchte ja nicht als Faul gelten. Ich arbeite ja nicht, also hab ich es doch gut, und ja, ich hab es gut. Ich sehe das als Privileg und bin wirklich sehr dankbar eine Invaliden Rente (IV) zu bekomme und davon leben zu können. Nicht auf grossem Fuss, aber es geht. Also sollte ich keine Probleme haben, schliesslich hab ich auch keinen Familie mehr, meistens sind die Kinder (meines Freundes) ja nicht da, also wo liegt das Problem. Jammern? Geht gar nicht.

Klar werd ich jeden Morgen gefragt, wie hast du geschlafen, wie geht es dir. Inzwischen weiss mein Freund das ich nie gut schlafe, aber was es wirklich bedeutet, dass versteht er noch nicht. Denn die Aussage;

„Du kannst ja jeden morgen ausschlafen.“

zeigt mir, dass er es nicht versteht. Was ich ihm nicht vorwerfe. Aber es tut weh, verletzt mich… macht das ich mich falsch fühle, also sag ich nicht mehr viel. Sondern nur sowas wie: 

Jo, geht.
War schon besser
Alles gut

Ich ziehe die Maske an und das nicht nur für mein Gegenüber, sondern auch für mich.

Es macht’s vermeintlich „einfacher“. Schützt mich.

Diese Maske aufrecht zu erhalten ist extrem anstrengend. Denn darunter arbeitet es auf Hochtouren. Das analysieren, scannen, die Trigger, das anpassen und das Gedankenkarussell verbrauchen enorm viele Ressourcen.

Ich weiss, ich bräuchte mehr Pausen als andere. Denn auch Hobbys, die für andere Erholung sind, oder eben Spass machen, mir natürlich auch, sind dennoch Dinge wo ich funktionieren muss. Erwartungen erfüllt werden müssen. Wo kleine Dinge schon ein Gefühlschaos auslösen können.

Wie zum Beispiel folgende Situation…

Mein Freund und ich fotografieren sehr gerne, es ist eins unserer liebsten Hobbys und wir sind regelmässig zusammen unterwegs. Er fotografiert aber ganz anders als ich. Ihm macht Technik spass. Mann halt. Auch die Nachverarbeitung läuft völlig anders ab.

Neben ihm komm ich mir aber oft vor wie der absolute Vollpfosten.

Er meint es mit seinen Tipps nur gut…

  • Jetzt musst du das so machen
  • Nimm diese Verschlusszeit
  • Hast du die Kamera schon eingestellt
  • Achte auf das Licht
  • ect. pp

…das weiss ich, aber sie triggern meine Unsicherheit. Lösen in mir das Gefühl aus, dass ich dumm, bockig oder stur bin. Dass ich es falsch mache, so wie ich es mache.

Jedes mal, obwohl ich weiss das es nicht böse gemeint ist, stolpere ich innerlich, zieht sich mein Brustkorb zusammen und ich werde klein, beschämt. Dann pass ich mich an und reagiere nach aussen nicht, also negativ, sondern nicke ab, höre zu, mach was er sagt, soweit ich das kann.

Ich hab schon öfters gesagt das ich ganz anders fotografiere. Ich bin intuitiv. Ich mach mir nicht schon im Voraus all die Gedanken wie er. Ich lass mich einfach treiben. Und das ist ganz okay. Und ehrlich, ich find es gar nicht so wichtig all das technische zu verstehen und auswendig zu wissen, denn meine Fotos sind dennoch gut und geben mir recht. Klar, nicht alle, aber das sind sie auch bei Profis wie ihm nicht immer.

Oder bei Fragen, was ich will, ich pass mich an. Ich kann so schlecht meine Bedürfnisse kommunizieren. Vieles im Alltag, das nicht tief geht (Esssen, Unternehmen, Fotografieren, Filme / Serie gucken…) ist es kein Problem, da geh ich in die Anpassung und gut ist. Da sieht es bei ganz persönlichen Bedürfnissen (Rückzug, Kinder, Raum, Co-Ragulation, Unterstützung, Verbindung, Hilfe, Unternehmungen…) ganz anders aus, da kipp ich dann ganz schnell in den Freeze und nichts geht mehr.

Niemand sieht, wie viel Energie mich dieses Funktionieren kostet. Auch nicht er.

Mein Alltag wird bestimmt von so vielen gegensätzlichen Gefühlen, Gedanken und Emotionen. Manchmal möchte ich einfach nur noch schreien, weglaufen, davon fliegen…

Wenn ich an die knapp 3 Jahre denke, in denen ich alleine gelebt habe, nach dem Tod meines Mannes, das erste mal übrigens in meinem Leben, war alles so viel einfacher. Nicht das ich es bereue mit meinem Freund zusammen gezogen zu sein, aber da hab ich das erste mal gemerkt was es heisst nur für mich verantwortlich zu sein, mich nicht ständig anpassen zu müssen, nicht ständig im Scanmodus zu sein, zu funktionieren, normal zu sein.

Das ganze ist ein Teufelskreis, es ist nur logisch das ich abends nach einem Tag im Alarmzustand im Bett liege und hell wach bin und mühe habe ein und durchzuschlafen und Morgens dann erschöpfter bin als vor dem einschlafen. Das hab ich auch erst lernen müssen und dennoch, mich nervt es selber wie unruhig ich schlafe, wie ich mich im Bett hin und her wälze. Dazu kommt die Sorge das ich meinen Freund mit meiner Unruhe und Rumdreherei aufwecke.

Fazit

Was ich heute sagen kann ist, alleine zu leben war nicht einfacher, weil keine Liebe da war.

Sondern weil ich zum ersten Mal nicht ständig funktionieren, scannen und mich anpassen musste.

Niemand kann sich vorstellen, wie anstrengend dieses „normal sein“ für mich oft ist.

Für viele ist Alltag einfach Alltag.

Für mich ist er oft Hochleistung.

Alles Liebe, Alexandra

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