Leben mit einer K-PTBS

Rückzug ist nicht immer Ablehnung

5 bis 12 Grad

Hallo du liebe Seele 🤍

Heute ist ein ganz spezieller Tag, heute ist der 3. Todestag meines Manne’s. Kommt grade wieder viel zusammen. Aber darum geht es heute nicht. Dazu werde ich sicher die tage mal noch etwas schreiben, aber da brauche ich etwas abstand.

Heute möchte ich über ein Thema reden, welches oft falsch verstanden oder besser gesagt, falsch interpretiert wird.


Es gibt Situationen die mich überfordern.

Es gibt Tage, die schwer sind. 

Es gibt Gefühle, die mich überwältigen. 

Dann, in genau solchen Momenten zieh ich mich zurück. Manchmal bewusst, weil…

  • ich niemanden zur Last fallen will
  • weil es die einzige Reaktion ist die mir in dem Moment bleibt

Aber viel zu oft passiert das unbewusst, dann schaltet sich mein System aus, ich werde ruhig, kann nicht mehr antworten oder wirklich reagieren. Mein Blick geht ins Leere oder ich reagiere nur noch ganz langsam. 

Rückzug, ob selbst gewählt oder als Shutdown, sind beides Schutzmechanismen und hat nichts, aber auch gar nichts mit Ablehnung zu tun. 

Der Unterschied liegt vor allem darin, wie viel Kontrolle ich noch darüber habe.

Ja, manchmal entscheide ich mich bewusst mich zurück zu ziehen. Und zwar dann, wenn ich erschöpft bin und ich Ruhe brauche. Wenn mir alles zu viel wird oder ist.

Heisst, ich habe die Kontrolle über meine Handlung. 

Ich nehme mir die Kopfhörer und mach Noise Cancelling an und hör Musik, schotte mich so von der Aussenwelt ab. Meist sogar schon bevor es kippt. Wenn das alleine nicht hilft, zieh ich mich noch weiter zurück, geh auf den Balkon oder in ein anderes Zimmer, oder ich verlasse den Ort ganz. 

Aber ich mach das auch wenn ich unterwegs bin. In den öffentlichen Verkehrsmittel, denn da gibt es immer wieder Trigger die mir gefährlich werden könnten. Oder auch wenn ich wo sitze, viel los ist oder ich am See liege und lese. Es beschützt mich vor der Aussenwelt, auch wenn meine Überwachsamkeit immer angeschaltet ist. Aber so wird sie bissi leiser. 

Es kann aber auch wie folgt aussehen… 

Ich bleibe lange im Bett, oder steh nur zum essen und  fürs Klo auf. Ich gehe nicht raus, ich verkriech mich im wahrsten Sinn des Wortes in meiner Höhle, meinem Schlafzimmer. Eingekuschelt in meine Decke, nur mit Serie oder Buch. Nichts machen, nicht reden, nur Rückzug. Wie gestern zum Beispiel.

Diese Art von Rückzug wähle ich dann, wenn ich sehr erschöpft bin. Wenn wirklich kaum noch etwas geht. 

Der gewählte Rückzug entsteht aus dem tiefen Wunsch nach Ruhe, Stille, Sicherheit und Geborgenheit heraus, welche ich sonst im Alltag nur selten empfinde. 

Dennoch bin ich meistens noch ansprechbar. Aber ich wirke nicht nur distanziert, ich bin es in diesen Momenten auch.

Dann der unfreiwillige Shutdown, er passiert alles andere als freiwillig. Es ist eine reflexartige Schutzreaktion meines Nervensystems. In diesem Moment hab ich die Kontrolle weitestgehend verloren, mein System „Friert ein“ (Freez). Wie ein Programm auf einem Computer. 

Ich bin dann kaum mehr ansprechbar, manchmal gar nicht mehr. Das nennt sich Mutismus. 

Auch meine Wahrnehmung wird abgeschaltet und ein Gefühl von Taubheit stellt sich ein. Was man aber vor allem von aussen sieht ist meine Erstarrung, manchmal auch der Verlust des Muskeltonus, Erschlaffung. 

Der selbstgewählte Rückzug ist oft mein Versuch, den völligen Kontrollverlust zu verhindern.

Denn wenn mein System erst komplett einfriert, habe ich kaum noch Einfluss darauf.

Rückzug ist für mich nicht gegen Menschen gerichtet.

Sondern oft der einzige Weg, mich selbst irgendwie wieder sicher zu fühlen.

Und manchmal ist genau dieser Rückzug das, was verhindert, dass mein System komplett zusammenbricht.


Das war heute etwas kürzer, aber mehr muss man dazu gar nicht sagen oder erklären.

Ich wünsche euch jetzt einen schönen Feiertag und bis Morgen.

Alles Liebe, Alexandra

3 Gedanken zu „Rückzug ist nicht immer Ablehnung“

  1. Ich denke, das ist eine gute Methode, mit Stress oder Trigger umzugehen, oder? Da du die Symptome schon kennst, und dein Körper da schon vorab reagiert. Damit können auch die Menschen in deinem Umfeld besser umgehen.

    1. Das ist wirklich nur mein allerletzter Ausweg. oder eben, wenn wirklich fast gar nichts mehr geht. Was das Umgehen damit angeht, als das Umfeld. Naja, nicht alle. Mein Freund muss sich daran auch erst noch gewöhnen. Ich ziehe mich, also der völlige Rückzug mit Bett und nicht mehr aufstehen, nur dann so zurück, wenn er nicht zu Hause ist. Er also kein Homeoffice hat. Denn er findet das speziell. Sagen wir das mal so.

      Was den Rückzug mit Kopfhörer und auf den Balkon gehen, oder wenn das Wetter gut ist, mich aus der ganzen Situation nehme, damit hat keiner ein Problem. Das klappt inzwischen ganz gut.

      1. Kann ich mir gut vorstellen, dass er das speziell findet. Das ist ja auch neues für ihn. Damit muss er erstmal lernen umzugehen.

        Aber du hast schon dir richtigen Methoden gefunden, denke ich. Jeder brauch so seinen Rückzug – manche mehr manche weniger – oder halt auch Tagesformabhängig.

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