
Guten Tag meine Liebe Seele,
heute starten wir wieder sonnig in den Tag auch wenn es nicht ganz so schön ist wie gestern, weil sich Wolken am Himmel verteilen. Und es ist sogar noch etwas frischer als gestern. Wenigstens geht keine Biese. Ich hoffe du b ist gut in den Tag gestartet.
Heute möchte ich noch mal über den Schlaf reden. Letzte Woche hab ich ja schon mal damit begonnen über die Schlafmuster zu erzählen und was die Wissenschaft dazu sagt. Wer den Beitrag nicht gesehen hat kann das gerne noch mal machen, und zwar hier: Was mein Schlaf mit der Kindheit zu tun hat – Teil 1. Aber der Schlaf ist so spannend wenn man sich mal darin vertieft. Es gibt viel zu erfahren. Also geht es heute weiter.

Was die Traumaforschung beobachtet
Dieses Muster, über die ich letzte Woche geschrieben habe, werden in der Traumaforschung tatsächlich häufig beobachtet. Nacht’s verändern sich Aktivität und Zusammenarbeit verschiedener Hirnregionen – Emotionen bekommen mehr Raum, während rationale Einordnung schwächer wird. Dadurch tauchen typische Gedankenschleifen auf, besonders bei Menschen mit Bindungs- oder Entwicklungstrauma.
Hier sind vier häufige Nacht-Gedankenmuster, die viele Betroffene wiedererkennen.
1. „Ich bin allein / niemand ist wirklich für mich da“
Nacht’s wird das menschliche Bindungssystem besonders aktiv. Evolutionsbiologisch war Schlaf eine verletzliche Situation – Sicherheit bedeutete früher, nicht allein zu sein.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Amygdala, sie reagiert stark auf mögliche Bedrohungen.
Wenn also jemand früher emotionale Unsicherheit oder Zurückweisung erlebt hat, kann die Amygdala nacht’s schneller Alarm schlagen. Dann entstehen Gedanken wie:
- „Ich bin eigentlich allein.“
- „Wenn etwas passiert, ist niemand da.“
- „Ich muss alles selbst schaffen.“
Am Tag werden diese Gedanken oft durch Aktivität und soziale Kontakte überlagert – nacht’s kommen sie deutlicher hoch.
Anders gesagt, der Mensch ist ein Fluchttier und die Forschung stütz das sogar sehr gut.
1. Evolutionäre Perspektive
Schlaf war für frühe Menschen extrem gefährlich:
- nacht’s konnte Raubtiere oder Feinde niemand sehen
- im Schlaf ist man langsamer, weniger reaktionsfähig
- Überleben hing davon ab, wachsam zu bleiben
Darum hat unser Körper Mechanismen entwickelt, die den Schlaf bewusst und unbewusst überwachen:
- Halbschlaf-Phasen: Gehirn prüft die Umgebung auf Geräusche oder Bewegungen
- Aufwachreaktionen bei kleinsten Reizen
- Hypervigilanz bei Stress oder Gefahr
Kurz gesagt: Unser Körper ist evolutionär gesehen wie ein „Fluchttier“, das selbst im Schlaf ein Auge offen hat.
Genau das kenne ich auch. Bei jedem scheiss gleich wach, heute nicht mehr so schlimm wie früher oder sagen wir, hier nicht mehr, weil es in meinem neuen zu Hause deutlich ruhiger ist. Aber ich wach auf wenn mein Freund mal anders atmet, oder ungewöhnlich unruhig ist, wenn er aufsteht, auch wenn ich den Wecker davor nicht gehört habe …
Und ich bin sehr schnell da. Klar noch müde aber mein mann früher meinte immer, ich könnte das nicht wie du. Beim ersten Ton beim meinem Wecker aufspringen und gleich ins Bad. ich hab wirklich eine sehr schnelle Regenerationszeit. Egal wie müde ich bin, ich bin von jetzt auf gleich von 0 auf 100.
2. Trauma verstärkt die Fluchttier-Reaktion
Bei Menschen mit Bindungs- oder Kindheitstrauma ist dieses Ur-Programm oft überaktiviert:
- Nervensystem bleibt leichter in Alarmbereitschaft
- Tiefschlaf wird kürzer oder fragmentiert
- Selbst kleine Reize wecken abrupt auf
Das bedeutet: Nacht für Nacht reagiert der Körper so, als könnte Gefahr drohen, auch wenn die reale Umgebung sicher ist.
Ich dachte wirklich immer das ich übertreibe, es einfach viel extremer empfinde aber seit ich meinen Schlaf überwache, weil ich verstehen wollte warum ich morgens so gestresst bin, körperlich und müder als wenn ich in Bett gehe, sehe ich genau dass!
Fragmentierter Schlaf, meist zu wenig REM-Schlaf. Kernschlaf meist auch zu wenig bis gar nicht, viel oberflächlicher Schlaf und oft wach.
Kein Wunder bin ich manchmal so erschöpft ohne das ich ein „anstrengenden“ Tag hatte. Für Menschen von aussen war und ist das immer unverständlich und das führte schon so oft zu Kritik und negativen Äusserungen.
Der meist verwendete Satz den man mir um die Ohren knallte war und ist „Dann geh halt mal früher schlafen“. Als ob ich das nicht versuche. Und auch wenn ich um 8 schlafen gehen würde, mein Schlaf würde nicht besser aussehen und auf mehr Stunden würde ich dennoch nicht kommen.
3. Moderne Folgen
Im Alltag ist diese Fluchttier-Reaktion oft störend:
- Einschlafen dauert länger
- man wacht öfter auf
- Träume oder Gedanken werden intensiver
Aber: Es ist keine Schwäche, sondern eine Überlebensstrategie, die früher Sinn gemacht hat.
Also ich schlafe wesentlich schneller ein wenn ich nicht alleine bin sondern meinen Mann / Freund an meiner Seite habe. Ausser ich habe grade ne ganz schlimme Phase. Aber ja, als ich alleine war, konnte ich nicht vor 2 oder 3 Uhr morgens einschlafen. Und vor allem nicht ohne das im Hintergrund was lief.
Träume, wenn ich mich dann erinnern kann sind definitiv intensiver und ja, die Gedanken sind manchmal wirklich hartnäckig und sehr intensiv.
2. „Ich habe etwas falsch gemacht“
Viele Menschen mit Kindheitsbeschämung oder häufigem Kritik-Erleben entwickeln eine starke innere Selbstprüfung.
Der Teil des Gehirns, der Emotionen relativiert und bewertet – der Prefrontal Cortex – fährt nacht’s jedoch herunter.
Dann bekommt das emotionale Gedächtnis mehr Einfluss. Dadurch entstehen typische Gedankenschleifen:
- alte Gespräche werden wieder analysiert
- man sucht nach eigenen Fehlern
- man bewertet sich sehr streng
Das ist nicht „überempfindlich“, sondern eine erlernte Schutzstrategie:
Früher konnte Selbstkritik helfen, Ablehnung zu vermeiden.
Ja, wie gut ich das kenne. Gespräche werden dann zerlegt, anders geführt, geprüft was ich hätte anders sagen oder machen können. Was könnte mein Freund damit gemeint haben als er dies oder jenes gesagt hat, hab ich es richtig verstanden, richtig reagiert, geantwortet? Und so weiter. Aus einem Gespräch werden 1000 gefühlte Varianten geführt um Eventualitäten durch zu gehen um allfällige Fehler die ich gemacht haben könnte zu erkennen.
Nein, natürlich nicht jede Nach, nur wenn ich eh grade in einer Solchen Phase bin wo ich dermassen unsicher bin.
Und dann passiert natürlich folgendes…
3. „Ich könnte jemanden verlieren“
Verlustangst wird nacht’s besonders stark. Das hängt mit der Aktivierung des Bindungssystems zusammen.
Bei Menschen mit Bindungstrauma kann die innere Alarmanlage sehr sensibel sein. Dann entstehen Gedanken wie:
- „Was, wenn die Person mich verlässt?“
- „Was, wenn etwas passiert?“
- „Was, wenn ich wieder allein bin?“
Diese Reaktionen stehen oft in Zusammenhang mit frühen Erfahrungen von emotionaler Unsicherheit oder Beschämung.
Die emotionale Bedrohungswahrnehmung wird ebenfalls stark von der Amygdala gesteuert.
Es ist ein Teufelskreis, der nur schwer, wenn man mal darin gefangen ist, zu durchbrechen. Was dann zum nächsten Gedanken führt…
4. „Ich schaffe mein Leben nicht“
Ein besonders typisches Nachtmuster ist eine Art Existenz-Gedankenspirale.
Gedanken werden plötzlich sehr groooooooooss:
- Zukunftsängste
- Selbstzweifel
- Gefühl von Überforderung
Das liegt auch daran, dass das Stresssystem – gesteuert über die Hypothalamic–Pituitary–Adrenal axis – nacht’s manchmal unruhig arbeitet. Dadurch kann mehr Cortisol (Stresshormon) freigesetzt werden.
Mehr Cortisol bedeutet:
- höhere Wachsamkeit
- mehr Grübeln
- stärkere emotionale Reaktionen
Am nächsten Morgen wirken dieselben Gedanken oft viel weniger dramatisch, weil der präfrontale Cortex wieder stärker arbeitet.
Meistens, aber nicht immer. Manchmal zieht sich das, also bei mir, oft noch lang in den Tag hinein oder sogar über mehrere Tage.
✅ Das Entscheidende jedoch ist:
Diese Gedanken sind kein Zeichen von Schwäche oder „zu viel Sensibilität“. Sie sind meist automatische Aktivierungen eines Nervensystems, das gelernt hat, besonders wachsam zu sein.
Viele Menschen mit Trauma berichten, dass es ihnen enorm hilft zu verstehen:
Der Körper reagiert auf alte Muster – nicht unbedingt auf die Realität im Moment.
Ja, dieses Wissen hilft mir, aber meist erst in Nachhinein wenn der Sturm wieder vorbei ist. Womit ich eher noch meine Probleme habe ist, es zu akzeptieren, es anzunehmen ohne es zu bewerten und zu verurteilen. Da brauche ich noch eine Weile und vor allem positive Erfahrungen.
💡 Eine praktische Sache, die vielen Betroffenen hilft:
Wenn nachts solche Gedanken auftauchen, kann es entlastend sein, sich innerlich zu sagen:
„Das ist gerade mein Nacht-Gehirn. Ich schaue mir das morgen nochmal an.“
Das klingt simpel, aber Studien zeigen, dass Benennen und Einordnen emotionale Aktivierung tatsächlich reduzieren kann.
Ja, kann. Also mir hilft das nicht, oder sagen wir, noch nicht. Vielleicht wenn ich auf meinem Heilungsweg weiter bin, wär ja schon mal nicht schlecht. Aber im Moment klappt das so gar nicht, da kann ich gar nichts anderes denken, nicht mal wenn jemand neben mir sitzt und mir versichert das alles gut ist, mir erklärt was er wirklich gemeint hat, das es keinen Grund gibt für diese Gedanken…. Die Gedanken und Ängste haben sich längst verselbstständigt und festgefressen.
Wie verhält sich aber das Schlafmuster in einer Beziehung bei Bindungstrauma?

Gerade bei Menschen mit Bindungstrauma sieht man oft drei sehr typische Schlafmuster in Beziehungen. Die Forschung zu Trauma und Bindung (z. B. bei Post-traumatic stress disorder und Bindungsforschung) beschreibt diese Muster ziemlich klar.
1. Schlaf wird leichter, wenn der Partner da ist
Viele Betroffene schlafen deutlich besser, wenn eine vertraute Person im Raum ist.
Das hab ich oben auch schon geschrieben. Ich schlafe viel schneller ein oder auch wenn ich nacht’s aufwache, kann ich mich schneller wieder in den Schlaf fallen lassen.
Aber warum ist das so?
Das Nervensystem registriert soziale Sicherheit. Dadurch beruhigt sich das Autonomic Nervous System.
Der Körper bekommt unbewusst die Botschaft:
„Ich bin nicht allein – jemand passt mit auf.“
Das kann dazu führen:
- schnelleres Einschlafen
- tieferer Schlaf
- weniger nächtliches Aufwachen
Das ist übrigens ein uraltes biologisches Prinzip: Menschen schlafen evolutionär sicherer in Gruppen.
tiefer schlaf kann ich von mir jetzt nicht grade behaupten und aufwachen… ja, manchmal trifft das zu das ich weniger aufwache. Aber das ist nicht die Regel.
2. Gleichzeitig kann Nähe beim Einschlafen auch Stress auslösen
❗️Hier passiert etwas Paradoxes:
Menschen mit Bindungstrauma wünschen sich Nähe – aber sie kann gleichzeitig Nervosität auslösen.
Typische innere Prozesse:
- „Was, wenn ich etwas falsch mache?“
- „Was, wenn die Person mich irgendwann verlässt?“
- „Bin ich genug?“
Diese Reaktionen hängen stark mit dem Bindungs-Alarmzentrum im Gehirn zusammen – besonders mit der Amygdala.
Wenn das Gehirn Nähe gleichzeitig mit früherem Schmerz verknüpft hat, kann der Körper beim Einschlafen in eine Art emotionale Alarmbereitschaft gehen.
Oh ja, diese paradoxe Verhalten kenn ich von mir auch. Da spielen dann verschiedene Emotionen, Ängste und Gedanken zusammen. Das ist ein richtiger Gift-Cocktail! Dann fühl ich mich so zerrissen. Einerseits schreit mein Ich nach Nähe, nach Verbindung nach Versicherung nach einer Umarmung, nach einem Kuss der sagt, das alles gut ist, und gleichzeitig bin ich so blockiert aus Angst, dass ich mich nicht mal mehr bewegen kann. Ich krieg auch kein ton mehr raus, denn dann bin ich im Freez gefangen oder noch schlimmer, Shutdown.
3. Nacht’s werden Beziehungssorgen intensiver
Viele Menschen berichten folgendes…
Tagsüber wirkt alles stabil. Nachts kommen plötzlich Gedanken wie:
- „Liebt mich die Person wirklich?“
- „Was, wenn ich verlassen werde?“
- „Was, wenn ich zu viel bin?“
- „Was, wenn er mich nicht mehr erträgt?“
Das liegt daran, dass nacht’s der Prefrontal Cortex weniger aktiv ist – also der Teil des Gehirns, der Emotionen relativiert.
Die emotionale Bewertung übernimmt stärker die Amygdala.
Und die denkt in einfachen Kategorien:
- sicher oder Gefahr
Darum wirken Beziehungsgedanken nacht’s oft viel dramatischer als am Tag.
💡 Ein spannender Punkt aus der Forschung:
Studien haben zeigt, dass Menschen mit Trauma nacht’s häufiger soziale Bedrohung imaginieren, nicht unbedingt reale Gefahr.
Das Gehirn prüft also vor allem Fragen wie:
- „Bin ich noch verbunden?“
- „Bin ich noch gewollt?“
- „Bin ich sicher in dieser Beziehung?“
✨ Eine Sache, die ich dir ehrlich sagen möchte:
Ich dachte immer ich hätte „zu viel Verlustangst“. Doch bei meiner Recherche hab ich raus gefunden das es vielen Menschen mit dieser Problematik, genau das selbe denken. Und ich habe gelernt was es tatsächlich bedeutet.
Tatsächlich zeigt mein, unser, Nervensystem oft nur, dass Bindung für uns extrem wichtig ist – weil wir früher zu wenig Sicherheit darin erlebt haben.
Das ist kein Defekt! Es ist ein sehr sensibles Bindungssystem.

So, das soll’s mal für heute gewesen sein. Einen 3. Teil, der sicher kürzer wird, gibt es aber nächste Woche noch.
Nun wünsch ich dir einen entspannten kleinen Freitag. geniess die Sonne, auch wenn es ziemlich frisch ist, ich werd heute sicher noch ne kleine Runde spazieren gehen. Aber wirklich nur ne kleine. Bin müde heute.
Wir lesen und morgen.
2 Gedanken zu „Was mein Schlaf mit der Kindheit zu tun hat. – Teil 2“