Leben & Heilung

Unbequeme Wahrheiten die ich über Trauma & mein Nervensystem lernen musste

📅 5. März 2026
☀️Nebel & Sonne…. so mystisch, 1-15 °C

Hallo du liebe Seele 🤍

Hier starten wir wieder mit Nebelbänken und Sonne, und es verspricht ein wirklich toller Tag zu werden. Gestern war ich draussen mit der Kamera, ne kleine Runde machen. Aber ich hab diese Woche wirklich schöne Bilder knipsen können. Eine kleine Auswahl gibt es dann am Sonntag zu, Wochenrückblick. 😉

heute möchte ich über etwas reden das für mich nicht nur. Erkenntnisse die für mich wirklich nicht einfach waren zu schlucken. Aber warum eigentlich? Ja, darüber möchte ich nun schreiben.


Wissen alleine verändert nichts

Dass war mitunter das härteste was ich lernen musste. Und zwar aus dem selben Grund wie bei der Tasche das der Körper nicht vergisst. Es ist ein Kontrollverlust. Denn ich kann noch so viel Therapie machen, Bücher lesen, Workshop’s machen und Vorträge hören… Dennoch verändert es gar nichts. Ich weiss nur mehr, verstehe vielleicht auch meine Trigger, Muster und meine Reaktionen besser, aber es hilft mir nicht zu heilen.

Was man mir erzählt hat…

Du musst es nur verstehen, dann kannst du es ändern.

Das mag manchmal stimmen. Aber ich bin kein Ding was man einfach so reparieren kann. So dachte ich selbst lange über mich, über meine kPTBS. Aber mein Nervensystem heilt leider nicht durch Verstehen. Das war hart das zu begreifen. Ich hab so viel gelesen, und tu das heute auch noch, ich analysiere und reflektiere, aber solange mein Körper auf Gefahr / Alarm ein gestellt ist, fühlt es sich dennoch immer noch so an, als würde ich feststecken. Aber warum mach ich dass denn? Es gibt mir eine gewisse Sicherheit, Kontrolle. Ja, auch wenn die vielleicht reine Einbildung ist. Trotzdem gibt es mir das Gefühl selbst was tun zu können.

Es wird Zeit für eine neue Therapieform. 🤔 Nur was zahlt die KK? Da muss ich mich mal schlau machen.

Mein Körper vergisst nicht

Schon früh reagierte ich, mein Körper, auf Stress, verletzte Grenzen, Beleidigungen, Schreien, Streit, laute Geräusche. Aber er reagiert vor allem auch auf ganz subtile Zeichen, wie Mimik, Tonfall, Gerüche, Körperhaltung, Atmosphäre… ect. körperlich.

Mein Körper reagierte, und tut das auch heute noch, immer bevor mir überhaupt bewusst war, / ist, was grade passiert. Die Brust zieht sich zusammen, mein Atem stockt, mein Herz schlägt mir gegen den Brustkorb… Schweissausbrüche, zittern, wenns ganz schlimm wird, Shutdown.

Was sie mir dann sagen?

Du übertreibst, das ist doch schon so lange her!

Was sie, und auch ich lange nicht verstanden haben… Mein Körper hat kein Zeitgefühl. 🤷🏻‍♀️ Er weiss nicht, dass das, was passiert ist, vorbei ist. Er reagiert nicht auf Erinnerungen, sondern auf die gespeicherten Spuren in meinem Nervensystem.

Warum mir das unangenehm war zu erfahren? Gute Frage. Es bedeutete für mich ein Kontrollverlust. Klingt unlogisch? Für mich nicht, denn solange es noch an mir lag, an meinem Verstehen, dem Willen, und versagen, war es unter meiner Kontrolle, zwar habe ich versagt, aber das bedeutete auch das ich was tun konnte. Ich hatte, wenn auch nur eine minimale, Handlungsfähigkeit. Da ist es egal wenn sie eher eine Illusion war. Auch wenn das mit massiver Selbstkritik und Scham einherging, es war immer noch meine Schuld, mein Versagen. Also rein theoretisch lag es in meiner Macht, es zu beheben.

Als ich realisierte: „Nein, das sitzt im autonomen Nervensystem, das reagiert unbewusst und schneller als mein bewusster Verstand, es hat keine Uhr und keine rationale Bremse“, da fiel diese scheinbare Kontrolle weg. Es fühlt sich an wie: „Ich bin dem ausgeliefert, abhängig von äusseren Faktoren (sichere Beziehungen, Co-Regulation, wiederholte positive Erfahrungen), und das kann ich nicht einfach durch Willenskraft umdrehen.“ Das hat in mir eine Welle von Ohnmacht und Hilflosigkeit ausgelöst, weil Ohnmacht genau das ist, was das Trauma ursprünglich ausgelöst hat. Der Körper erinnert sich daran als existenzielle Bedrohung.

Das ist aber kein Widerspruch, sondern eine normale Schutzreaktion des Gehirns.

Ich weiss, auch das Nervensystem kann ich beeinflussen. Aber das spielt auf einer ganz anderen Ebene, und es dauert lange und ich bin auf das Aussen, mein Gegenüber, angewiesen. Um es neu zu programmieren, braucht es lange und sehr viele positive Wiederholungen. Und zwar von relationale, verkörperte Erfahrungen von Sicherheit. Das braucht Zeit, Geduld und oft andere Menschen (Therapeuten, sichere Bindungspersonen), die mit mir co-regulieren. Solange das ausbleibt, fühlt es sich wirklich nach Ausgeliefert sein an und das anzuerkennen, ohne mich dafür zu schämen und oder Schuldig zu fühlen, ist schon ein riesiger Schritt, der mir noch immer nicht völlig gelungen ist. Solange diese Möglichkeit ausbleibt, bin ich dem irgendwie ausgeliefert. Ist das logisch, oder?

Es geht nicht um die „falschen Menschen“

Was man mir, und ich mir früher selbst immer wieder sagte…

Du ziehst immer wieder die falschen Menschen an.

Als würde ich mir das aussuchen?! Bin ja nicht dumm, auch wenn andere das wohl so gesehen haben oder sehen würden. Nein, es ist mein Nervensystem das sich von dem was es kennt, angezogen fühlt. Und nicht von dem, was mir gut tut. Es ist einfach ein Überlebensmuster.

Heute merk ich wenn mir jemand nicht mehr gut tut. Wie zum Beispiel mein ehemals bester Freund. Es dauerte zwar bis ich loslassen konnte, aber ich hab es jetzt gemacht. Und von Menschen die mir kein gutes Gefühl geben, halte ich mich fern. Da hätte ich früher, bei meinem Ex, damals nicht gekonnt. Da hab ich es nicht gesehen, hab ich es anders wahrgenommen und als ich merkte was da ablief dauerte es noch sehr lange bis ich es schaffte mich von ihm zu lösen.

Entspannung kann sich unsicher anfühlen

Ja, das musste ich erst erkennen warum ich mich so unwohl fühle wenn ich richtig müde bin, erschöpft oder am Abend einfach auf dem Sofa häng und Serie oder einen Film gucke, oder lese. Ich bin auch heute noch immer in einer Grundanspannung, aber sitze ich dann still, beginn ich entweder zu zittern oder mit den beiden zu wippen. Das passiert einfach so, ohne das ich es oft wahrnehme. Erst dann, wenn mein Mann genervt mich anstupste und sagte das ihn mein nervöses Getue nervt. Oder mein jetziger Freund seine Hand auf meine Beine legt und nachfragt ob ich nervös bin oder ne Panikattacke habe. Aber er wendet sich nicht ab, sondern lächelt mich an und streicht über die Beine bis ich ruhiger werde. Wenns dann klappt.

Was man mir immer wieder dazu gesagt hat…

Meditation und Yoga helfen jedem.

Ja, das hab ich geglaubt und habe mich mit Meditation befasst und auch immer wieder gemacht. Doch Überraschung, es half nicht. Und ja, da dachte ich, sogar dafür bist du zu doof. Aber was ich dann gelernt habe ist, solange mein Nervensystem auf Überlebensmodus eingestellt ist, fühlt sich Stille bedrohlich an. Wenn sie dann überhaupt eintritt. Denn in mir wird es lauter je leiser es bei Meditieren werden sollte, denn es fühlt sich genau so nach Kontrollverlust an wie bei der Müdigkeit. Erst muss er endlich lernen das Ruhe sicher ist.

Immer stark sein zu müssen kann ein Schutzmechanismus sein.

Ein Satz den ich immer und immer wieder gesagt bekomme, der mich aber jedes mal so aufregt, nicht nur weil ich es anders empfinde und es mir total unangenehm ist …

Du bist einfach jemand, der immer so stark ist.

Ähm, ja, verdammt noch mal, was bleibt mir denn anderes Übrig. Klar kämpf ich, überlebe ich.

Als mir aber die Therapeutin die Wahrheit erzählte, nämlich das meine Stärke mein Überlebensmodus ist, musste ich erst mal schlucken und es dauerte recht lang bis diese neue Info in mein System gesickert ist

Ich war stark, ja, sonst wär ich schon längst untergegangen. Das ständig mich um andere kümmern, immer da zu sein wenn jemand Hilfe braucht, aber selbst nie um Hilfe bitten hat nichts mit Stärke zu tun sondern mit reinem Selbstschutz. So kaschiere ich auch heute noch das ich verletzlich bin. Zeigen das ich verletzlich bin, ich nicht mehr kann, an meine Grenzen stosse, ist irgendwie keine Option. Gut, heute versuche ich dieses Muster aufzubrechen. Denn in der neuen Beziehung darf ich so sein wie ich bin. Wurde mir gesagt… Da muss ich aber erst noch mehr vertrauen aufbauen… aber ich lerne.

Mein Starksein ist also kein Charakterzug, sondern schlicht weg Selbstschutz. Klingt nicht mehr so stark gell. Ja, für mich etwas unangenehm.

Gefühle brauchen Sicherheit

Wie oft hab ich diesen Satz schon hören müssen…

Du musst dich deinen Gefühlen einfach stellen. Du musst fühlen, um zu heilen.

Ja was soll ich sagen? Erst muss man sie ja mal fühlen. Aber wenn man diese Gefühle schon in der Kindheit abgespalten hat, ist das schwierig. Und auch wenn man sie dann mal fühlt, sind sie, meist auch heute noch, einfach zu überwältigend um sie alleine zu halten.

Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass, wenn ich dann die Gefühle nicht mehr aufhalten konnte niemand da war der sie mit mir ausgehalten hat. Ja, auch gerade jene, die diesen Klugscheissersatz liegen lassen haben. Gut, manche wussten dann selbst nicht wie sie damit umgehen sollten, oder es war ihnen zu intim, zu irritierend, nicht ihre Aufgabe.

Was ich aber auch lernen durfte ist, das Heilung nicht bedeutet alles auf einmal zu fühlen. Nur die Dosierung ist schwierig. Vor Angst überrollt zu werden, da fühle ich dann lieber gar nichts. Wie ich die Gefühle aber sicher dosieren kann, hab ich leider noch nicht raus gefunden.


So, grade noch geschafft vor dem Mittagessen. jetzt kommen dann die Kid’s zum Essen. Ich wünsch auch dir einen guten Hunger und ich hoffe bei dir scheint die Sonne auch und du kannst sie etwas geniessen.

Danke, dass du ein Stück dieses Kapitels mit mir gegangen bist

Danke, dass du dir Zeit für diesen Beitrag genommen hast. Wenn du magst, hinterlass mir einen Kommentar – ich freue mich auf deine Gedanken.