📅 3. September 2026
🌤️ Starte mit einem Morgenspaziergang, 14-27 °C
Hallo du liebe Seele 🤍
Heute möchte ich mich mal mit einem Thema beschäftigen, bei dem ich lange dachte, ich müsste eigentlich viel besser darin sein. Ich dachte es wird ein kurzer Beitrag, und während des Schreibens hat sich da so viel aufgetan an Gedanken und Dinge die mir grade selbst erst wisst wurden. Also entschuldige, es wird doch etwas länger 😅
Selbstfürsorge.
Selbstfürsorge klingt ja erstmal richtig schön. Sich um sich selbst kümmern. Auf sich achten. Dinge tun, die einem guttun.
All das wird seit ein paar Jahren immer stärker in den Vordergrund getrieben, vor allem auf Social Media. Da gibt es Accounts noch und nöcher, die dir sagen, wie wichtig es ist, wie sie aussieht und was Selbstfürsorge eigentlich ist.
Und wenn ich gefragt werde, was mir guttut, dann fällt mir tatsächlich einiges ein.
- Spazieren gehen.
- Fotografieren.
- Bloggen und schreiben.
- Kreativ sein.
- Schwimmen.
- Sonnenbaden.
- Serien oder Filme gucken.
- Musik hören.
- Lesen.
- Motorradtouren.
Eigentlich gar nicht so wenig. 😊
Aber es gibt da einen kleinen Haken.
Sobald daraus ein Muss wird, ist es für mich keine Selbstfürsorge mehr.

Wenn ich etwas aus mir heraus machen möchte, weil ich Lust darauf habe und es mir Freude macht, dann ist das etwas ganz anderes.
Aber wenn ich denke:
- Ich sollte jetzt eigentlich spazieren gehen.
- Ich sollte Sport machen.
- Ich sollte meditieren.
- Ich sollte Yoga machen.
- Ich sollte etwas für mich tun.
- Ich sollte lesen.
Dann fühlt sich das für mich nicht nach Selbstfürsorge an.
Dann fühlt es sich nach einer weiteren Aufgabe an, die ich zu erledigen habe.
Und genau das habe ich irgendwann auch mit meiner To-do-Liste gemerkt. Diese Liste habe ich vor zwei oder drei Jahren für mich abgeschafft, weil sie mich unglaublich unter Druck gesetzt hat.
Und trotzdem kann ich mir offenbar neue To-do-Listen bauen. 😂
Nur heissen sie dann nicht mehr To-do-Liste, sondern Selbstfürsorge. 🙄
Ich weiss zum Beispiel, dass Sport gut für mich wäre. Gerade jetzt, wo ich älter werde, wäre Bewegung sicherlich nicht das Schlechteste, also neben dem Spazieren.
Ich weiss das.
Ich weiss auch, dass Meditation für viele Menschen etwas ganz Tolles ist. Oder Yoga. Oder irgendwelche anderen Dinge, die gerne als Selbstfürsorge empfohlen werden.
Aber ich kann damit einfach nichts anfangen.
Und wenn ich dann denke, dass ich jetzt eine halbe Stunde Yoga machen soll, obwohl ich eigentlich überhaupt keine Lust darauf habe, denke ich:
In dieser Zeit könnte ich doch etwas machen, das mir wirklich etwas bringt und mir Freude macht.
Und da bin ich wieder bei meinem eigentlichen Problem.
Vielleicht ist Selbstfürsorge für mich gar nicht unbedingt das, was uns ständig als Selbstfürsorge verkauft wird.
Vielleicht muss Selbstfürsorge nämlich gar nicht so aussehen.
Vielleicht muss ich nicht meditieren, um gut für mich zu sorgen.
Vielleicht muss ich kein Yoga machen.
Vielleicht muss ich nicht mal spazieren gehen, wenn ich überhaupt keinen Bock darauf habe.
Und vielleicht muss ich auch nicht Sport machen, nur weil es gesund wäre.
Denn dann ist es für mich ein Muss.
Und ein Muss fühlt sich nicht nach etwas an, das ich für mich tue.
Das Ganze wird für mich noch schwieriger, wenn andere Menschen ins Spiel kommen.
Ich kenne das sehr gut, dass ich etwas eigentlich nicht möchte und trotzdem mache.
Zum Beispiel fotografieren gehen.
Ich kann sagen:
„Ich mag heute nicht.“
Wenn der andere das aber nicht versteht und enttäuscht ist, dann wird es schwierig.
Ich kann die Enttäuschung des anderen in diesem Moment nicht aushalten.
Nicht im Sinne von „Ich möchte das nicht aushalten.“
Sondern wirklich:
Ich kann es nicht.
Und dann knicke ich ein.
Dann gehe ich eben doch mit.
Oder ich gehe spazieren, obwohl ich zu erschöpft..
Oder ich mache etwas jemandem zuliebe, obwohl es mir selbst gar nicht gefällt.
Zum Beispiel zelten. 😅
Und hinterher weiss ich eigentlich ganz genau:
Das war keine Selbstfürsorge. Auch wenn es der andere als Ferien / Selbstfürsorge empfindet.
Ich habe einfach etwas getan, damit jemand anderes nicht enttäuscht ist.
Und dahinter steckt bei mir noch etwas anderes.
Ich habe gelernt, mich um andere zu kümmern und meine eigenen Bedürfnisse nicht so wichtig zu nehmen. Wenn ich früher als Kind oder sonst in Beziehungen mal welche angesprochen habe, hiess es immer: „Du bist egoistisch“ oder „Das ist aber egoistisch“ oder „Du Egoist“. Und ja, darum fühlt es sich schnell wieder so an.
Also wird aus einem einfachen:
„Ich möchte das heute nicht.“
ganz schnell:
Bin ich jetzt egoistisch?
Verhalte ich mich falsch?
Darf ich das überhaupt?
Und wenn dann noch die Enttäuschung des anderen dazukommt oder wenn jemand beleidigt ist, wird es für mich sehr schwer, bei mir zu bleiben.
Ich weiss inzwischen, dass ein Nein manchmal Selbstfürsorge wäre.
Ich weiss es.
Aber in diesem Moment kann ich es oft nicht. Noch nicht.
Und ich glaube, das ist ein wichtiger Unterschied.
Auch Ruhe ist so eine Sache.
Manchmal kann Selbstfürsorge natürlich bedeuten, nichts zu tun.
Aber wenn ich erschöpft im Bett liege und eigentlich gerne etwas anderes machen würde, fühlt sich das für mich nicht unbedingt gut an.
Dann denke ich eher:
Das ist doch nicht normal.
Ich hätte doch noch andere Dinge zu tun.
Ich würde eigentlich viel lieber etwas machen.
Und dann fühlt sich das Nichtstun nicht freiwillig an.
Und genau das macht für mich den Unterschied.
Wenn ich mich freiwillig aufs Sofa lege und eine Serie schaue, weil ich gerade Lust darauf habe, dann kann das für mich wunderschön sein.
Wenn ich aber im Bett liege, weil ich so erschöpft bin, dass gerade nichts anderes geht, dann fühlt sich das ganz anders an.
Da kommt dann auch schnell Druck dazu.
Und wenn jemand fragt:
„Was hast du heute gemacht?“
und ich antworte:
„Nichts.“
dann kann auch Scham dazukommen.
So dieses Gefühl:
Was hast du denn heute eigentlich gemacht?
Nicht viel.
Und manchmal kommt auch ein Gefühl von Versagen dazu. Vor allem dann, wenn ich wirklich gar nichts auf die Reihe bekommen habe und nur im Bett lag, weil ich völlig erschöpft war oder psychisch einfach nicht auf der Höhe.
Vielleicht ist genau das mein Problem mit dem ganzen Thema Selbstfürsorge.
Ich habe so lange gelernt, dass ich funktionieren muss, dass selbst „gut für mich sorgen“ wieder zu etwas werden kann, das ich richtig machen muss.
Dann sieht ein Mensch, der gut für sich sorgt, plötzlich so aus:
Er meditiert.
Er macht Yoga.
Er treibt Sport.
Er geht spazieren.
Er macht Achtsamkeitsübungen.
Er nimmt sich bewusst Zeit für sich.
Und all das ist ja nicht schlecht.
Im Gegenteil.
Wenn es einem guttut, dann ist es wunderbar. Versteh mich nicht falsch…
Aber vielleicht muss es eben nicht für alle gleich aussehen.
Denn wenn ich etwas nur mache, weil ich denke, dass ich es machen sollte, dann frage ich mich schon:
Ist das wirklich Selbstfürsorge?
Oder erfülle ich gerade nur wieder eine Aufgabe? Eine Erwartung?
Und dann gibt es da noch etwas.
Ich arbeite nicht. Dank IV habe ich im Grunde viel mehr zeitliche Freiheit als viele andere Menschen.
Von aussen könnte man also denken:
Die hat es doch gut. Die kann doch den ganzen Tag machen, was sie möchte.
Und ja, zeitlich gesehen stimmt das sogar.
Ich kann meinen Tag grundsätzlich selbst gestalten. Ich muss morgens nicht irgendwo hin, habe keine Arbeitszeit, die mir vorgibt, wann mein Tag beginnt und wann er endet.
Aber Zeit zu haben und sich innerlich frei zu fühlen, diese Zeit auch so zu verbringen, wie man möchte, sind zwei verschiedene Dinge.
Und das merke ich sogar bei ganz einfachen Fragen.
Wenn mich jemand fragt:
„Was hast du heute gemacht?“
„Was hast du heute vor?“
„Was sind deine Pläne?“
komme ich erstaunlich schnell ins Rechtfertigen.
Dabei hat der andere vielleicht einfach nur gefragt. Mehr nicht.
Aber bei mir geht sofort etwas los.
Was soll ich jetzt sagen?
Ich habe doch gar nichts Besonderes gemacht.
Ich kann doch nicht einfach sagen, dass ich gelesen habe oder eine Serie geschaut habe.
Ich habe doch Zeit.
Und plötzlich habe ich das Gefühl, ich müsste erklären, warum ich meinen Tag so verbringe, wie ich ihn verbringe.
Gerade weil ich dank IV nicht arbeite, kann von aussen schnell der Eindruck entstehen: Die hat doch Zeit. Die kann doch machen, was sie will.
Und ja, das kann ich tatsächlich.
Aber daraus folgt nicht, dass ich mich automatisch frei fühle oder dass ich meine Zeit ständig sinnvoll nutzen muss.
Und eigentlich muss ich mich auch niemandem dafür rechtfertigen, was ich mit meiner Zeit mache.
Aber mein Kopf ist da manchmal schneller als mein Verstand. 😂
Denn auch wenn niemand auf mich wartet, keine Stechuhr läuft und ich theoretisch machen könnte, was mir Freude macht, gibt es diese inneren Stimmen.
Was hast du heute gemacht?
Was hast du geschafft?
Was wäre noch zu tun?
Warum liegst du da?
Du könntest doch …
Und plötzlich wird aus ganz viel Freiheit wieder Druck.
Vielleicht muss ich deshalb auch etwas ganz anderes lernen.
Nicht, wie ich noch mehr Dinge für mich erledige.
Sondern wie ich mir erlaube, meine Zeit tatsächlich zu meiner Zeit zu machen.
Vielleicht kann nämlich auch der ganze Tag Selbstfürsorge sein.
Ich muss nicht erst eine bestimmte Tätigkeit erledigen, damit ich sagen darf:
Heute habe ich etwas für mich getan.
Wenn ich meinen Tag so verbringe, wie es mir gerade entspricht, wenn ich Dinge tue, die mir Freude machen, wenn ich lese, schreibe, fotografiere, Musik höre oder einfach nur auf dem Sofa liege, dann muss ich daraus keine einzelne Selbstfürsorge-Aktion machen.
Vielleicht ist genau diese Freiheit bereits Selbstfürsorge.
Wenn ich alle diese Stimmen und Fragen einmal wegnehme, dann wird es für mich eigentlich ziemlich klar.
Ich möchte Dinge tun, die mir Freude machen.
Auf die ich Lust habe.
Bei denen ich nicht ständig denke, dass eigentlich noch dieses oder jenes gemacht werden müsste.
Dinge, bei denen ich die Zeit vergesse.
Fotografieren kann so etwas sein.
Schreiben.
Lesen.
Eine Motorradtour.
Musik.
Eine Serie.
Sonnenbaden.
Schwimmen.
Es muss nicht immer etwas sein, das auf irgendeiner Liste mit „gut für dich“ steht.
Vielleicht reicht manchmal einfach:
Es tut mir gut.

Und vielleicht ist genau das für mich Selbstfürsorge.
Nicht ständig zu überlegen:
„Was sollte ich jetzt für mich tun?“
Sondern mich zu fragen:
„Wonach ist mir gerade?“
Und vielleicht noch wichtiger:
„Was bringt mich gerade zu mir zurück?“
Ich glaube, da bin ich noch lange nicht am Ende.
Aber ich glaube, ich habe inzwischen verstanden, dass Selbstfürsorge nicht noch eine weitere Aufgabe in meinem Leben sein soll.
Davon hatte ich wirklich schon genug. 😂🤍
Danke, dass du ein Stück dieses Kapitels mit mir gegangen bist

Das deckt sich ziemlich mit meinen Erfahrungen und meinem Empfinden.
Müssen war bei mir schon als Kind schwierig. Heute mache ich nur noch, was ich tun mag. Sport mag ich überhaupt nicht, darin war ich auch nie gut. Ich versuche, so regelmässig wie möglich zum Antara zu gehen am Montag, weil ich weiss, dass es mir gut tut. Spass macht es mir trotzdem nicht. Es gab noch nie einen Sport, der mir irgendwann Spass gemacht hätte. Sollten wir die Pension erleben, werde ich auf jeden Fall mit dem Mann längere Spaziergänge machen. Vielleicht auch mal das Rad nehmen. Das wird sich zeigen.
Selbstfürsorge ist aber manchmal trotzdem ein Muss, weil man sich nicht verbiegen kann/soll bis man selber wieder im Sumpf sitzt. Das kann ich mittlerweile meistens gut.
Du hast das hier schön aufgeschrieben und manchmal ist das einfach auch wichtig, um es sich bewusst zu machen. Um vielleicht für später eine Gedankenstütze zu haben, wenn man wieder in schädliche Muster abdriftet.