Leben mit einer K-PTBS

Mein Körper hat längst angefangen zu sprechen.

Oder: Wenn mein Körper die Notbremse zieht.


Zwischen Funktionieren und Fühlen liegt manchmal ein ganzer Körper

Hallo du liebe Seele 🤍

Letzte Woche habe ich darüber geschrieben, dass viele mein Funktionieren für Stärke halten. Dabei war es oft einfach mein Überlebensmodus.

Heute möchte ich dir erzählen, was passiert, wenn ich zu lange funktioniere. Wenn ich mich zu lange anpasse. Wenn ich mein Nervensystem immer wieder übergehe, es ignoriere. 

Denn eine Zeit lang geht das erstaunlich gut. Ja, wirklich… 

Zumindest dachte ich das.

Bis mein Körper irgendwann das Megafon auspackte.

Nicht leise. Nicht vorsichtig… Sondern so deutlich, dass ich gar nicht mehr weghören konnte.

Die letzten sieben Monate waren dafür ein Paradebeispiel.

Im Dezember lag ich mit hohem Fieber flach. Es war ein rauf und runter. Kaum dachte ich, hey, ich bin über dem Berg… Zack… die nächste Welle rollte an. Danach dauerte es Wochen, bis ich mich wieder halbwegs erholt hatte.

Kaum hatte ich das Gefühl, wieder zu funktionieren, machte ich genau dort weiter, wo ich aufgehört hatte.

Ich überging meine Grenzen. Ich sprach meine Bedürfnisse nicht aus. Ich passte mich an. Ich machte einfach weiter.

Bis im Februar die nächste Erkältung kam.

Ende Mai eine Blasenentzündung.

Vier Wochen später gleich noch eine.

Und zwischendurch meldete sich mein Rücken immer wieder. So oft krank wie in den letzten Monaten war ich seit vielen Jahren nicht mehr.

Und ehrlich?

Eigentlich macht es mir angst. 

Warum? 

Weil ich mich im Moment als Fremde im eigenen Körper fühle. Und weil ich ihm nicht mehr vertraue. Weil ich ständig Angst habe, wieder krank zu werden. Wie sieht dass denn aus bitte? Und… weil ich mich schäme, dauernd etwas zu haben. Und weil ich mich schwach fühle. 

Und das alles fügt sich zu einer einzigen Erkenntnis zusammen… 

Ich erkenne mich grade selbst nicht mehr. Und, was fast noch schlimmer ist, ich fühle mich ausgeliefert, hab die Kontrolle über ihn verloren. 

Früher hätte ich wahrscheinlich einfach gesagt: „Pech gehabt.

Heute frage ich mich etwas anderes.

Hat mein Körper vielleicht schon viel länger versucht, mit mir zu sprechen?

Habe ich nur nicht hingehört? Ich weiss es nicht.

Ich weiss auch nicht, ob die vielen Infekte ausschliesslich mit Stress oder meinem Nervensystem zusammenhängen.

Infekte gehören zum Leben dazu. Und manchmal hat man einfach Pech.

Aber ich weiss auch, dass mein Leben in den letzten anderthalb Jahren vieles verändert hat…

  • Neue Liebe.
  • Zusammenziehen.
  • Neue Nähe.
  • Alte Ängste, die plötzlich wieder da waren.
  • Verlustangst.
  • Scham.
  • Anpassung.
  • Selbstbeobachtung, dauernd.
  • Scannen, ständig.

Und ein Nervensystem, das kaum zur Ruhe kam.

Vielleicht ist mein Körper gar nicht plötzlich lauter geworden. Vielleicht höre ich heute einfach besser hin.

Früher konnte ich vieles ignorieren.

Ich machte weiter.

Heute merke ich schneller, wenn etwas nicht stimmt. Und vielleicht ist genau das der Unterschied.

Nicht, dass mein Körper schwächer geworden ist. Sondern dass ich langsam beginne, ihn ernst zu nehmen. Auch wenn mir das noch längst nicht immer gelingt.

Und ganz ehrlich? Manchmal wünsche ich mir einfach meinen alten Körper zurück. Den Körper, der vermeintlich alles ausgehalten hat. Der nicht zickte, ja gut… das tat er schon, aber damit konnte ich umgehen… oder besser gesagt, weg drücken, ignorieren. Härte zeigen. Ich habs einfach durchgezogen… Ja, auf kosten meiner Gesundheit, wie man jetzt sieht. 

Aber ich spüre auch Trauer, Trauer darüber…

  • dass ich meinem Körper gerade nicht mehr so vertraue wie früher.
  • dass ich nicht mehr einfach weitermachen kann.
  • dass ich akzeptieren muss, was ich so viele Jahre ignoriert habe.

Und ganz ehrlich…

Das fällt mir schwer. Vielleicht, weil ich mein ganzes Leben lang geglaubt habe, Grenzen seien etwas, das man einfach überwinden muss.

Vielleicht wünsche ich mir gar nicht meinen alten Körper zurück.

Vielleicht wünsche ich mir das Gefühl zurück, alles schaffen zu können.

Dieses Gefühl von Unverwundbarkeit.

Aber wenn ich ganz ehrlich bin, weiss ich gar nicht, ob er damals wirklich alles ausgehalten hat. Oder ob er einfach nur genauso gut funktioniert hat wie ich.

Vielleicht hat er längst angefangen zu sprechen.

Ich habe nur sehr lange nicht hingehört.

15 Gedanken zu „Mein Körper hat längst angefangen zu sprechen.“

  1. Ich glaube das mit dem „Wegdrücken“ ist ganz normal und ich habe es mit Sicherheit viele Jahre lang getan.
    Nicht umsonst hat mein Mann mir immer wieder gesagt: „Hör auf deinen Körper!“ Und wenn ich es nicht getan habe, hat er einfach für mich entschieden und mich vor vollendete Tatsachen gestellt.

    Als ich jünger war, hat mein Körper mich regelmäßig 1 x im Monat flach gelegt und Ruhe verlangt.
    Heute ist es mein Streßmagen, der mich wöchentlich zur Ordnung ruft.

    Inzwischen gehe ich aber auch immer wieder hin und ziehe mich aus allem raus, wenn es mir zu viel wird. So wie zwischen Weihnachten und Neujahr oder an diesem Wochenende.
    „Mental und Sozial überfordert“ nennt es die Hilfsbereite, die sich in Therapie befindet.

    Wie ich bei dir lese, machst du das auch immer wieder.
    Im Gegensatz zu dir, habe ich inzwischen aber gelernt dabei kein schlechtes Gewissen mehr zu haben.
    Dann es geht um mich und wenn ich nicht ich selbst bin, nützt es auch keinem anderen.

    Sicher ist das bei mir einfacher als bei dir. Denn du lebst in einer Beziehung und seine Kinder gehören natürlich auch zu deinem Leben dazu.
    Ich wünsche dir aber, das du trotzdem einen Weg findest.
    Sprech doch auch mit deinem Partner darüber. Denn wie ich aus deinen Beiträgen herauslese, liebt er dich wirklich. Da müßte er doch Verständnis für deine Probleme haben.

    1. Hallo Trude,

      Oh… krass. Das musste mein Mann nie, war ja eigentlich immer gesund. Klar, mal ne Erkältung, mal da was, aber da lagen Jahre dazwischen.

      Das kann ich noch nicht so gut, weil ich einfach so ein schlechtes gewissen habe und mich schäme das ich nicht so funktioniere wie andere. Aber ja, ich muss es lernen… Hilft ja nichts.

      Ja die Kinder gehören dazu. Hab ja selbst nicht damit gerechnet das ich wieder mal in diese Situation gerate. Dachte, hey ich bin 54 diese Zeit ist vorbei. Tja… Die Liebe fällt wie sie hin fällt 😂

      Es liegt nicht an ihm sondern an mir. Ich kann so viele Dinge nicht ansprechen. Einfach weil mein mein Nervensystem dicht macht. ich bring dann kein Ton raus. Und ja, das hat er ja… daran liegt nicht.

  2. Man hört gerne weg, wenn der Körper ruft….pass bloss auf….wenn er überhört wird – dauerhaft, werden die nächsten Erkrankungen vielleicht schlimmer.

  3. Dein Körper spricht wahrscheinlich schon sehr lange mit Dir – aber, wie Du schreibst, Du hast es ausgehalten, ignoriert und/oder weggedrückt. Nun versucht er etwas lauter zu sprechen, aber immer noch im moderaten Ton, denn wenn Dein Körper als letzte Instanz wirklich das Megaphon auspackt, dann steht da in der Regel eine lebensbedrohliche Erkrankung dahinter.

    Unser Körper ist wirklich sehr lange in der Lage, Dinge eigenständig zu regeln. Wenn er Hilfe braucht, fängt er an zu sprechen – und wenn dieser Hilferuf ignoriert wird, kollabiert irgendwann das System. Langsam, Stück für Stück.

    Rückenschmerzen und Blasenentzündung – lass bitte einen Ultraschall der Blase machen!

    1. Hallo Babsi,

      ja, ziemlich sicher sogar. Aber du hast natürlich auch recht. Ich versuche wirklich besser hin zu hören und dann auch ihn ernst zu nehmen.

      Ach, die Blase und Nieren wurde vor ein paar Jahren geschallt. Da weiss ich das die rechte Niere nicht mehr so toll ist. also Spenden ist nicht mehr drin. Rücken ist somatisch…

  4. Funktioniert bei mir sehr ähnlich. Nach allem was ich hinter mir habe. Heute funktioniere ich, wenn ich muss. Danach muss ich jedoch eine Auszeit haben und die nehme ich mir auch konsequent. Als wir auf der vorherigen Arbeit vor einigen Jahren in ein anderes Büro an einem entfernteren Ort umzogen, brauchte ich nach einigen Monaten zwei Wochen Krankschreibung und bin alleine ins Tessin gefahren, weil ich einfach niemanden mehr ertragen konnte.

    Ich musste auch auf die harte Tour lernen, dass es absolut nichts bringt, sich dauernd zu übersteuern (habe das daheim so gelernt) und wenn wir nicht zu uns gut sind, wer dann? Ausserdem ist das unsere eigene Verantwortung. Auch wenn man Kinder oder einen Partner hat. Es nützt niemandem, wenn man dann im schlechtesten Fall für immer ausfällt oder sich gar das Leben nimmt, weil man keinen Ausweg mehr sieht.

    Ich will auf keinen Fall mehr dorthin. Rein finanziell gesehen wäre ich jedoch dankbar, wenn ich noch 100% arbeiten könnte. Einfach weil ich weiss, was kein Geld zu haben bedeutet.

    Ich kann es dir nur inständig ans Herz legen, auf deinen Körper und deine Seele zu hören – egal was andere denken oder erwarten. Du treibst sonst nur weiter Raubbau an dir und die ständigen Krankheiten der letzten Monate haben es dir ja klar aufgezeigt – wie du bereits selber richtig festgestellt hast.

    1. Oh, das kann ich mir gut vorstellen… Also das du damals diese Zeit brauchtest. Ich könnte nie alleine wohin fahren. Aber schön hat es dir gut getan.

      Tja, das lässt sich so leicht sagen. Klar, das weiss ich auch. Und ja, ich versuche es wirklich mich hinsichtlich zu bessern. Früher hab ich es auch einfach nicht gemerkt. Ich neue das macht auch das Alter sich bemerkbar. Man steckt einfach nicht mehr alles so leicht weg auch wenn man es will.

      Ja, das verstehe ich auch. Ich weiss das auch was es bedeutet finanziell am Anschlag zu sein… so sah eigentlich mein gesamtes Leben aus.

      Danke, und ja… ich nehme es mir zu Herzen. Ich bin dran. Danke für deine Gedanken. 🫶🏻

      1. Huch – jetzt habe ich grad gemerkt, dass ich von den Kommentaren keine Benachrichtigung bekomme. Du hast jetzt bestimmt schon x Mal ins Leere geschrieben, sorry. Ich hole das noch nach.

        Ich konnte bis nach 30 nicht mal mit meinem Partner wegfahren, weil ich einfach nur daheim sein wollte und war nur am Weinen.

        Das ist korrekt, dass es immer schwieriger wird. Ich sage das nicht so einfach, ich musste mir das auch erarbeiten.

        Ich habe es bei meinen Eltern schon gesehen, weil mein Vater einfach masslos Geld verbraucht hat und meine Mutter zusehen konnte wie sie die Rechnungen bezahlt und uns Kleider und Essen besorgt. Jetzt ist es halt so, dass ich abhängig bin und hoffe einfach, dass der Mann und ich noch lange gemeinsam sein können, dann gehts besser. Doch wie wir ja leider wissen, kann das sofort vorbei sein.

        Gerne, wenn ich klugscheisserisch wirke oder dich nerve, sag es bitte. Das ist nicht meine Absicht. Ich versuche einfach meine Erfahrungen mitzuteilen. Manchmal ist da noch der Schubs, den jemand brauchen kann.

        Schönes Wochenende und alles Liebe.

        1. Liebe Anja,

          ehrlich, ich glaube so oft wars gar nicht. Denn im Moment bin ich ja zwar immer am lesen aber kommt nicht mehr so hinterher mit Kommentieren. Ich hab das gefühl die zeit rennt mir weg. Also mach dir kein. Stress solltest du wirklich einen Kommentar finden der du nicht beantwortet hast. Alles gut.

          Bei mir hat das sich wirklich erst geändert als mein mann verstarb . Da musste ich beginnen… alleine raus zu gehen. Da war ich 52. Ich schaffte es grade zur Therapie und wieder nach hause. Mit den Kindern bin ich früher auch nie gross raus. Was mir heute noch sehr leid tut. Kann dich also verstehen. 🫂

          Ja… manchmal hat das Leben andere Pläne als wir.

          Warum solltest du mich nerven? Und ich find gar nicht das du klugscheissierisch unterwegs bist. Alles gut 😉

          Danke, ich hoffe du hattest bis jetzt ein schönes Wochenende. Und jetzt noch einen schönen Sonntagabend dir.

          Alles Liebe, Alexandra

          1. Ich werde sehen, was ich noch finde – nächste Woche im Büro, wenn ich meine Ruhe habe.

            Doch du bist raus gegangen – und so kannst du es immer wieder tun. Ich bin grundsätzlich auch eher der Stubenhocker.
            Da ich jedoch irgendwann in meinem Leben damit rechnete, Single zu bleiben, habe ich angefangen, Dinge alleine zu tun – das war ein sehr wichtiger Schritt.

            Danke, viele sagen, dass ich zum Dozieren neige und das möchte ich nicht.

            Danke, das Wochenende war schön ruhig – dir einen schönen Abend und alles Liebe

          2. Alles gut… ich hör dir gerne zu Und ich bin immer wieder dankbar für jeden Kommentar, geben geteilten Gedanken und Meinung. Also, hau raus, was du zu sagen hast. 😉

            Das freut mich, mein Abend war auch noch schön gestern.

            Dann wünsch ich dir jetzt einen guten Start in die neue Woche und hoffe der Stress hält sich in Grenzen.

            Alles Liebe, Alexandra

Danke, dass du dir Zeit für diesen Beitrag genommen hast. Wenn du magst, hinterlass mir einen Kommentar – ich freue mich auf deine Gedanken.