Wohlfühloase

Melancholisch: Wenn Traurigkeit sanft wird

Hallo du liebe Seele 🤍

Kennt ihr das? Ihr wacht auf und merkt gleich: Heute ist etwas anders.

Gut, bei mir ist dieses Gefühl ja seit dem Tod meines Mannes ein Dauerbegleiter. Aber heute war es dann doch etwas anders. Ein eigenartiges Gefühl begleitet mich seit dem Erwachen.

Melancholie.

Ein Gefühl, weder Fisch noch Vogel. Ich empfinde dieses Gefühl als anstrengend. Eben weil es weder das eine noch das andere ist.

Ich habe heute zu nichts wirklich Lust, obwohl mich ein wunderschöner Tag wachgeküsst hat. Blauer Himmel mit so schönen weissen Wölkchen, Sonne, kein Regen in Sicht. Zwar geht ein recht starker Wind, manchmal schon böenmässig, und mit gerade mal 20 Grad ist es eher kühl.

Und energetisch habe ich eher das Gefühl, es wäre ein milder Herbsttag anstatt Hochsommer.

Trotz Sonne und blauem Himmel stehe ich heute lieber nur am Fenster und schaue raus. Später lege ich mich dann aufs Sofa, denn die Sonne scheint dort mittags bis zum Untergehen hin. Einfach fantastisch, da zu sitzen, mit einem Buch, leckerem Knabberzeug und einem Getränk.

Vor allem im Winter ist das wunderschön, mit Blick auf unseren Hausberg, den Uetliberg.

Anders gesagt: Ich habe den Blues.

Ich denke, das kennt jeder. Viele haben dieses Gefühl vor allem im Herbst und Winter. Wenn alles so kahl ist und die Dunkelheit viel zu lange andauert. Ja, da kann man wirklich melancholisch werden.

Aber egal, weswegen man in dieser eigenartigen Stimmung ist, die Empfindungen ähneln sich doch oft.

Wenn einen die Melancholie packt, dann hängt man auch seinen Gedanken nach. Es ist eigentlich ein sehr, finde ich, passendes Wort dafür: ein weiches Gefühl.

Nein, vielleicht eher sanft.

Und dennoch spürt man es ganz gut.

Man ist nachdenklich, ja, vielleicht sogar ein bisschen traurig, einsam und wehmütig.

Die Melancholie hat ja einen etwas schlechten Ruf, was ich sehr schade finde. Denn eigentlich hat sie das gar nicht verdient.

Wie ich oben schon erwähnt habe, empfinde ich sie als ein sanftes und leichtes Gefühl. Ich könnte sie auch als die kleine Schwester der Depression beschreiben.

Nicht Schwarz, nicht Weiss, sondern ein leichtes Grau … mit ganz vielen Zwischentönen.

Warum sehen alle Menschen Melancholie als etwas Schlechtes an? Für mich ist es intensive Zeit, die ich ganz allein mit mir und meiner Seele verbringe.

Damaris Wieser (*1977), deutsche Lyrikerin und Dichterin

Obwohl ich traurig bin und traurigen Gedanken nachhänge, zieht es mich nicht zu sehr herunter. Oder schlägt mich nieder wie eine Depression.

Ich weiss, wo der Unterschied liegt. Das könnt ihr mir glauben.

Klar, als angenehm empfinde ich es gerade nicht. Aber es lässt mich Trauer spüren, ohne mich gleich ins Tal der Tränen zu reissen.

Es ist eine zarte Berührung der Seele mit dem, was gerade ist. Vielleicht hilft es mir sogar ein Stück weit, damit besser fertigzuwerden und nicht gleich zu verzweifeln.

Nach den ersten Tagen, in denen ich wirklich bei jedem Gedanken, bei allem, was ich sah und tat, in Weinkrämpfe ausbrach, kam eine Zeit, in der ich alles einfach hinter einem Vorhang verstaute.

Sozusagen: aus den Augen, aus dem Sinn.

Nun ja, nicht ganz.

Denn das Wissen, dass nichts mehr so ist, wie es war, verschwindet trotzdem nicht. Aber die Gefühle und Emotionen waren sicher weggesperrt.

Ja, Verdrängung hat ihre Berechtigung. Sie kann ein Selbstschutz sein. Auf Dauer ist sie allerdings keine Lösung.

Anders hätte ich die ersten beiden Monate aber vermutlich nicht überstehen können.

Und so denke ich heute, dass die Melancholie vielleicht da ist, um eine kleine Tür zu meiner Seele zu öffnen.

Damit ich die Empfindungen, die in der Trauer so wichtig sind, wieder ein kleines bisschen fühlen kann.

Ich weiss, es klingt vielleicht etwas eigenartig.

Aber mit solchen Tagen, ab und an, könnte ich mich durchaus anfreunden.

Zu wissen, dass ich dann nicht gleich wieder in tausend Stücke zerspringe und meine Welt nur noch in Schwarz daherkommt, macht einen Unterschied.

Egal.

Dann fühle ich mich an manchen Tagen eben einsam und traurig und hänge düsteren Gedanken oder Erinnerungen nach.

Vielleicht darf auch das sein.

Heute versuche ich, dankbar für die Melancholie zu sein.

Ich nehme sie in die Arme und versuche, dankbar mit ihr durch diesen Tag zu gehen. 🤍

Danke, dass du ein Stück dieses Kapitels mit mir gegangen bist

2 Gedanken zu „Melancholisch: Wenn Traurigkeit sanft wird“

  1. Wie wunderbar und eindrucksvoll geschrieben. So ehrlich und auch persönlich. Hierzu ein kurzes Zitat meines Vaters. Er sagte immer, wer die Farbe „schwarz“ nicht kennt, der vermag es im Leben auch keine Farben zu sehen. Melancholie ist ein Teil von uns und ja, ich denke, das ist auch sehr gut so! Liebe Grüße

    1. Danke für dein Kompliment. Und zum Sprichwort deines Vaters… Er hatte sooo recht.
      Schön das du hier bist und teil nimmst an meinem Gedanken und du deine dazu hier lässt, das ist schön und bedeutet mir viel.

      Dankbare Grüsse und bis bald
      Alexandra

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