
Guten Morgen meine liebe Seele,
eigentlich hätte ich heute mir Sonne geweckt werden sollen, aber der Nebel ist so zäh, das ich befürchte das die Sonne die für heute eigentlich angesagt wäre, auch dieses mal wieder nicht Schaft durch zu kommen. Und auch jetzt noch ist es ziemlich frisch mit -2 Grad. Ich hoff du siehst die Sonne öfters als ich. 😅
Heute möchte ich über ein Thema schreiben, das mir bis vor kurzem, einigen Wochen, selbst noch nicht so bewusst war. Klar, schon mal gehört aber wirklich drüber nachgedacht oder gelesen habe ich nicht. Aber im Zusammenhang mit anderen Themen wie Panikattacken und neue Beziehung und wie man sich gegenseitig helfen und unterstützen kann, bin ich auf dieses wichtige Thema wieder aufmerksam geworden und hab mich da mal rein gelesen und weiter nachgeforscht.
Darum möchte ich da heute etwas drüber schreiben. Und ich glaube dieses mal wird es etwas mehr persönliches geben als auch schon.
Was bedeutet Co-Regualtion bei (k)PTBS

Auf den Punkt gebracht:
Co-Regulation bedeutet bei (k)PTBS (komplexer posttraumatischer Belastungsstörung),
dass dein Nervensystem sich über den Kontakt mit einer anderen Person beruhigt, weil es das (noch) nicht zuverlässig allein kann.
Kurz gesagt:
👉 Ein anderer Mensch hilft deinem Körper, wieder in Sicherheit zu kommen.
Oder auch eine schöne Metapher die meine Tochter da gefunden hat ist:
👉 Du leihst dir das Nervensystem deines Parnter’s, Mutter, Schwester… aus, um dich zu beruhigen.
Aber ja, damit wär alles gesagt. 😅 Beitrag Ende. Ne, klar nicht, denn es gibt viel darüber zu erzählen. Nicht nur weil‘ spannend ist sondern weil es Komplex ist. Darum geh ich jetzt mal in die Tiefe.
Warum Co-Regulation bei (k)PTBS so wichtig ist
Bei (k)PTBS entstehen die Verletzungen meistens in einer Beziehung (z. B. durch Vernachlässigung, Gewalt, emotionale Unsicherheit).
So auch bei mir und das in der frühen Kindheit. Todkranke Mutter, Ein Vater der jähzornig war, emotional abwesend, der herrisch, laut, streitsüchtig war. An allem und jedem was auszusetzen hatte, der auch mal geschlagen hat aber meist mit psychischem Druck gearbeitet hat (Gaslighting / emotionalen Missbrauch). Da hatte es keinen Platz für eigene Gefühle, niemand hat gefragt wie ich mich fühle, was ich brauche, oder mir Trost gespendet. Es wurde nur gefordert, kritisiert, geschrien und beleidigt, lächerlich gemacht und gedemütigt. zu Hause, vor anderen.
Danach kämm ich eigentlich gleich vom regen in die Traufe, denn mein erster Freund war genau so wie mein Vater. Jähzornig, demütigend und arbeitete mit den selben Methoden wie mein Vater. In der Ehe wars zwar besser, da war Liebe vorhanden, der Versuch sich zu verstehen, doch durch eigene Wunden und Prägungen war es nie einfach und auch hier gab es ebenso toxische Verhaltensweisen.
Dadurch hat das Nervensystem gelernt:
- Nähe = Gefahr oder Alleinsein = Gefahr
Mein Nervensystem hat gelernt das Nähe Gefahr bedeutet. Darum war ich gerne einfach für mich alleine, und ja, das bin ich auch heute noch. Da fühl ich mich am sichersten. Und darum bin ich auch so gar kein geselliger Mensch. Denn sobald ich unter Menschen bin, beginne ich alles zu scannen. Die Stimmung, die Tonlagen, die Mimik, die Energie im Raum. Das ist auch so wenn ich mit meinem Freund alleine zusammen bin. Das passiert automatisch. Da wird jede einzelne Regung, jeder Tonfall, jeder Blick, jedes Worte oder jeder Satz analysiert. Bewusst? Nein, nicht immer… all das passiert eben „nebenbei„.
Ob ich das nicht einfach ausschalten kann? Schön wär’s. Nein, das kann ich nicht. Auch wenn es mich erschöpft, weil’s elend viel Energie kostet. Es ist so eingespielt, so ein Automatismus. Ja, es ist mir inzwischen bewusst, früher war mir das nicht klar. Ich hoffe, dass mit der Zeit und dem Bewusstsein darüber, das Ganze etwas weniger wird, oder vielleicht ganz aufhört. Jetzt kann man sich auch denken warum ich mich nicht in Menschenmassen begebe, bedeutet bei mir schon ein Geburtstag mit mehr als 3 oder 4 Menschen. Auch wenn da nichts passiert, niemand schreit, oder streitet, oder sonst in mir Alarm auslöst. Das selbe ist, wenn ich alleine raus gehe, spaziere oder mich wo hin lege zum baden im Sommer, ich scanne die ganze Zeit die Umgebung und die Menschen die in meiner Nähe sind. Es ist enorm kräftezehrend. Und so wunderst dann auch niemand mehr, hoffe ich, das ich immer so müde oder erschöpft bin, vor allem wenn ich was unternommen habe.
Das autonome Nervensystem gerät deshalb schnell in:
- Alarm (Kampf/Flucht)
- oder Rückzug/Abschaltung (Freeze)
Meine Traumareaktion ist meisten, nicht immer, der Freeze. Es kommt auch schon mal vor das ich in den Kampfmodus gehe. Was dann wie folgt aussehen kann…
- Verbale Aggression: Schreien, Türen knallen
- Kontrollzwang: Der Versuch, die Umgebung aktiv zu kontrollieren, um Hilflosigkeit zu vermeiden.
- Sturheit: Ein Beharren auf der eigenen Meinung, oft verbunden mit dem Bedürfnis, das letzte Wort zu haben.
- Innere Haltung: „Kämpfen bedeutet Überleben“. Dies kann sich gegen andere, gegen Ungerechtigkeit oder auch gegen den eigenen Körper/Gefühle richten.
Selbstregulation (sich allein beruhigen) ist dann oft…
- extrem anstrengend
- nur begrenzt oder gar nicht möglich
- oder fühlt sich sogar bedrohlich an
👉 Wichtig:
Co-Regulation ist kein Versagen, sondern eine notwendige Entwicklungsstufe, die nachgeholt wird.
Wie Co-Regulation konkret aussieht
Ehrlich, ich hab mir früher nie darüber Gedanken gemacht. Aber wir tun das immer wieder. Vor allem als Eltern. Da ist so viel Co-Regualtion mit im Spiel. Und das auf ganz natürliche Weise. Nur bei Erwachsenen ist das interessanterweise kein Thema mehr. Oder dann meist mit Scham und Schuld behaftet, seitens der Opfer oder die Co-Regulierer (Partner, Eltern, Freunde oder auch Geschwister) sehen es eher als Unangenehm, Unangebracht an oder fühlen sich als Therapeut missbraucht.
Was es definitiv nicht ist. Denn wenn was schlimmes passiert ist, ist es auch keine Frage, da wird getröstet, in den Arm genommen, Mut zugesprochen und so weiter. Ist es aber etwas das schon lange vor bei ist, ist es plötzlich ne ganz andere Geschichte? Wirklich? Warum? Ich fühl mich in dem Moment wie damals, ich bin so zu sagen in einer Zeitschleife geraten. Mein Nervensystem ist zum Beispiel im Jahr 1978 gefangen oder 1984. Was auch immer. Ich befinde mich JETZT, im DAMALS. Das Nervensystem macht da zeitlich keine Unterschiede.
Vielleicht haben die Menschen auch ne falsche Vorstellung von Co-Regualtion und wie sie aussehen muss. Aber Co-Regualtion ist nicht immer die grosse Geste, meiste ist ….
Co-Regulation sogar sehr leise und unspektakulär:
- ruhige Stimme
- jemand bleibt da, ohne zu drängen
- gemeinsames Atmen
- Blick- und oder Körperkontakt (wenn möglich)
- jemand sagt:
„Ich bin da. Du bist nicht allein. Es ist gerade schwer, aber du bist sicher.“
Dein Nervensystem „leiht sich“ also dabei die Ruhe des anderen, wie meine Tochter so schön gesagt hat.
Was Co-Regulation nicht ist
❌ Abhängigkeit
❌ Schwäche
❌ „Gerettet werden müssen“
❌ Manipulation
Ja, viele sehen es wirklich als Manipulation. Das wurde mir selbst schon unterstellt. Oder sie sehen sich als Therapeut, was aber absolut nicht der Fall ist, denn, unterstellst du z.B. deinem Kind auch das es dich manipuliert wenn es grade grosse Angst hat und weint weint? Ich denke nicht, das ändert sich auch nicht wenn man erwachsen ist. Ist mein Kind in Panik oder hat sonst Angst, auch wenn es schon erwachsen ist, tröste ich es doch auch, nimm es in den Arm, versuche beruhigend auf es einzuwirken. Das mach ich doch auch bei meinem Partner. Ehrlich, ich versteh diese Gedankengänge da nicht. Ich mach da keinen Unterschied. Wenn jemand mich braucht, dann ist es mir scheiss egal wie alt er ist, ob es etwas ist was für mich irrational ist oder längst der Vergangenheit angehört. Der Mensch befindet sich grade in einer Ausnahmesituation also helfe ich. Danach kann man ja drüber reden.
Was ist Co-Regulation denn also:
✅ ein biologischer Prozess
✅ etwas, das jedes Kind (Ja manchmal auch Erwachsener) braucht
✅ etwas, das bei Trauma zu wenig oder gar nicht vorhanden war
Ziel von Co-Regulation
Langfristig passiert Folgendes:
Durch wiederholte Co-Regulation lernt das Nervensystem, diese Sicherheit nach innen zu übernehmen.
👉 Wichtig:
Co-Regulation führt zu Selbstregulation, nicht umgekehrt.
Besonders wichtig bei kPTBS & Bindungstrauma
Was viele Betroffene zu hören bekommen:
„Du musst dich selbst beruhigen können.“
🙄 Ja, schon klar, das ist zwar ein Ziel, aber es ist nicht der Startpunkt. Das ist gar nicht möglich, wie denn auch? Das Nervensystem ist anders programmiert worden und unter Umständen wie bei mir über 5 Jahrzehnte trainiert, zementiert. Es muss erst lernen wie das geht, denn als Kind hatte es diese Unterstützung und Lernphase ja nicht.
Bei kPTBS ist der richtige Weg daher oft:
- Co-Regulation
- verlässliche Beziehungserfahrungen
- langsam wachsende Selbstregulation
Dazu braucht es aber eben sicher Bindungen und Beziehungserfahrungen. Dazu braucht es ein Partner dem das bewusst und bereit ist, diese „Aufgabe“ zu übernehmen. Und das ist aus vielerlei Hinsicht nicht einfach. Meist fehlt es am Willen oder am Verständnis. Denn ja, es ist auch herausfordernd für den Partner und nicht jeder kann diese Aufgabe übernehmen auch wenn er das wollen würde, vielleicht weil der Partner selbst sich nicht regulieren kann in einem solchen Moment, oder weil er sich in dieser Rolle nicht wohl fühlt oder sich aus anderen Gründen nicht in diese begeben will.
Warum Co-Regulation gleichzeitig helfen und triggern kann
Ach ja, das klingt ganz schön paradox, und macht das Ganze natürlich noch komplizierter für einen Partner der gewillt ist diese Aufgabe zu übernehmen. Selbst mich überfordert dieser Gegensatz öfters.
Aber das ist ein ganz zentraler Punkt bei kPTBS.
💥 Das Paradoxe:
Mein Körper will Nähe, aber mein Nervensystem hat gelernt:
Nähe = Gefahr
Also passiert beides gleichzeitig:
- Erleichterung („Ich bin nicht allein“)
- Alarm („Das ist zu viel / zu unsicher“)
Ein Beispiel:
Das hatten wir ja schon. Hab ich oben erklärt. Vor kurzem gab es bei mir genau diese Situation. Mein Freund machte etwas das mich total getriggerte hat. Ich ging in den Rückzug, aber gleichzeitig wollte ich in seine Arme, wollte ich gehalten werden, mich sicher fühlen. Aber die Angst vor Ablehnung war so gross das ich diesem Wunsch nach Sicherheit, Geborgenheit und Annahme, nicht nachgeben konnte und ich mich so total distanzierte. Ich denke er hat’s schon gespürt das da was los ist und war verunsichert und konnte dadurch nicht so reagieren wie es für beide eigentlich richtig gewesen wäre.
Die Angst war so gross, so mächtig das ich in den Freeze ging. Konnte nicht mehr reden, mich nicht mehr bewegen. Meine Brust musste einem grossen Druck standhalten und das hin und her Gezerre beider Emotionen war wirklich stark. Ich konnte nicht schlafen, konnte keine gute Nacht wünschen, ich lag Stunden wach. Mein Kopf ging 1000 Gespräch durch die ich führen wollte, wie sie ablaufen könnten, X-Varianten, aber nichts davon ist passiert.
Typische innere Reaktionen in so einem Fall:
- plötzliches Wegziehen
- Reizbarkeit oder Wut
- Scham („Ich sollte das allein können“)
- Dissoziation
- Schuldgefühle nach Nähe
- Trauer weil man spürt das man den anderen verletzt, verunsichert hat, oder genervt ist.
👉 Wichtig:
Das ist kein Widerspruch, sondern ein Trauma-Überlebensmuster.
Warum das passiert. Einfach erklärt:
- Frühere Co-Regulation war nicht vorhanden, unzuverlässig, gefährlich oder an Bedingungen geknüpft
- Das Nervensystem prüft jetzt:
Ist diese Nähe diesmal wirklich sicher, oder kippt sie gleich?
Deshalb braucht Co-Regulation bei kPTBS:
- Vorhersagbarkeit
- kein Drängen
- kein beleidigt oder genervt sein, wenn Nähe plötzlich nicht mehr möglich ist.
Zum Abschluss etwas sehr Wichtiges
Co-Regulation ist kein Zustand, den man „beherrscht“.
Sie ist ein Prozess, der langsam neue Sicherheit speichert.
Man darf:
- Nähe brauchen
- sie wieder wegstossen
- sie wieder brauchen
Alles davon ist Teil von Heilung, nicht ihr Gegenteil.

Uff… wieder einmal mehr ein anstrengendes aber wichtiges Thema. Auch für mich als Reflexion. Da geht bei mir immer sehr viel ab im innern. Gedanken, Gefühle, Emotionen. Manchmal muss ich aufpassen das es nicht kippt, aber es ist gut das auch mal so nieder zu schreiben.
Ich hoffe wie immer, dass dir das Thema weiter helfen konnte, es interessant war und wer weiss, vielleicht kannst du es für dich selber auch gebrauchen.
Nun wünsche ich dir einen schönen Donnerstagnachmittag und bis morgen.