📅 16. August 2023
☀️ Frühstart in den Tag, 18-30 °C
Hallo du liebe Seele 🤍
Ich hoffe, ihr seid gut in den Tag gestartet? Meiner startete früh, um 5.35 Uhr. Eigentlich wollte ich mich noch einmal umdrehen und versuchen, etwas zu schlafen. Dann aber dachte ich: Wenn du schon mal wach bist, dann steh auf, nimm dein Buch und Handy und geh raus. Begrüss den Sonnenaufgang und fotografier ihn gleich noch.
Aber nein, darum geht es heute gar nicht. Eigentlich wollte ich euch von gestern erzählen. Denn gestern war, trotz allem, ein schöner Tag, der mir auch gutgetan hat.
Der Tag startete eben auch so früh wie heute, allerdings mehr, weil mein Sohn seinen Wecker nicht gehört hatte und mich geweckt hat. Egal. Die Nacht war zwar kurz, aber dafür war ich gar nicht so müde. Also nahm ich den Start in den Tag gemütlich.
Ich musste ja eh um 7.40 Uhr los, da ich nach vier Wochen Therapiepause wieder einmal hingehen musste. Die Ferien waren vorbei und da schönes Wetter war, also mit schön meinte ich trocken und mild bei 20 Grad, machte ich mich zu Fuss auf den Weg.
Meine Schwägerin, die Frau des Bruders meines Mannes, hatte mich eingeladen, den Tag in Altendorf zu verbringen.
Dieses kleine Paradies befindet sich im Kanton Schwyz und liegt direkt am See. Ein kleines Gletscherhäuschen, platziert auf einer Landzunge mit Umschwung und einem klitzekleinen Stück Wald. Man ist für sich und, wie gesagt, direkt am See.
Dort haben mein Mann und sein Bruder als Kinder mit der Familie viele Sommer verbracht. Natürlich ist dieser Ort deshalb mit vielen Erinnerungen verbunden. Ich war früher auch ab und an dort, mit meinem Mann und den Kindern, aber nicht so oft. Unter anderem, weil es einfach teuer war, mit dem Zug dorthin zu fahren.
Auf alle Fälle dachte ich: Ja, warum die Einladung nicht annehmen? Das wird mir sicher guttun, auch wenn es sich so komisch anfühlt.
Denn eigentlich hatten mein Mann und ich kurz vor seinem Tod entschieden, endlich einmal alleine, nur wir zwei, für ein paar Tage dorthin zu fahren. Das war so eine grosse Sache, weil wir nie zusammen in den Ferien waren. Wir konnten uns das einfach nie leisten.
Und jetzt, da wir keine kleinen Kinder mehr hatten, auf die man aufpassen musste, und keine Katzen mehr, die man nicht mehrere Tage alleine lassen wollte, wurde es Zeit. Wir hatten uns darauf gefreut.
Ja …
Dennoch wollte ich mal meinen Kopf frei bekommen. Etwas Tapetenwechsel, wie man so schön sagt. Man weiss ja, dass das manchmal gut tut.
Und so haben wir abgemacht, dass meine Schwägerin mich nach der Therapie abholt und wir dann mit dem Auto losdüsen.
Als ich gestern aufstand, war das Wetter leider nicht so toll. Es war zwar warm, aber ziemlich bewölkt. Dennoch sagte ich mir: Egal. Auch wenn es nicht so schön ist, es ist warm und trocken, also können wir es trotzdem „geniessen“.

Wie man sieht, war das Wetter jetzt nicht gerade berauschend. Der Blick Richtung Alpen sagte allerdings, dass dort hinten besseres Wetter war. Vielleicht hatten wir ja Glück und im Kanton Schwyz sah es besser aus als in Zürich. Bis um 10 Uhr konnte sich schliesslich noch einiges ändern.
Was man aber auch sieht: Es regnet.
Ich dachte: Gut, wenn es jetzt runterkommt, ist es besser, als wenn wir dann in Altendorf sind. Ich hoffte nur, trocken zu meiner Therapie zu kommen. 🤭
Ich liebe diesen Weg am See entlang. Die Stimmung ist immer wieder anders. Der See ist mal mehr grün oder türkis, dann wieder fast schwarz oder tiefblau. Und so früh am Morgen sind auch noch nicht so viele Menschen unterwegs.
Es ist einfach herrlich und ich bin so dankbar, dass ich so nah am See wohne. Zu Fuss bin ich in nicht einmal 15 Minuten am Wasser.
So weit, so gut.
Auf dem Weg bekam ich dann doch noch ein paar kleine Tropfen ab. Aber das war nicht schlimm. Irgendwie habe ich es sogar genossen, weil es einfach angenehm war und ich nicht frieren musste.
Der erste Therapietag nach den Ferien ist ja nicht so anstrengend, denn da bringe ich meine Therapeutin einfach mal auf den neuesten Stand.
Sie fragte mich, wie es mir in den vier Wochen ergangen war. Und ich sagte ihr ehrlich, dass ich froh war, mal keine Therapie zu haben. Denn das Darüber-Reden, also über den Tod meines Mannes, darüber, wie es mir geht und so weiter, nimmt mich einfach immer noch sehr mit.
Ich erzählte ihr auch, dass ich es „genossen“ hatte, allein zu sein. Denn so musste ich mich nicht ständig mit der Situation konfrontieren.
Klar weiss ich, dass er nicht mehr kommt. Dass es nie mehr so sein wird wie vorher.
Aber wenn ich nicht ständig mit jemandem darüber reden muss, ist es ein bisschen so, als wäre es nicht wirklich so.
Wirklich schwer wird es erst, wenn ich in der Therapie wieder darüber reden muss oder mit den Kindern oder sonst jemandem. Denn das laut Aussprechen ist so, als wäre es endgültig. In Stein gemeisselt.
Ja … das ist es sowieso, das weiss ich.
Aber eben, das laut Aussprechen ist dann noch einmal eine ganz andere Sache.
Denn dann muss man sich bewusst den Gefühlen stellen. Und nein, es ist nicht einfach. Es ist nicht schön und nein, es tut mir im Moment noch nicht gut.
Meine Therapeutin hat mir dann vorgeschlagen, dass man die Frequenz ja etwas ausdehnen könnte. Heisst: Anstatt jede Woche einen Termin zu vereinbaren, könnte ich eine Weile nur alle zwei Wochen gehen.
Ich soll es mir mal überlegen.
Und ich denke, ja, ich werde das mal machen.
Die erste Stunde habe ich also mehr oder weniger gut überstanden. Ich war froh, als sie zu Ende war und ich mich mit meiner Schwägerin im Auto auf den Weg ins Paradies machen konnte.

Wir sind also angekommen und als Erstes gingen wir eine Runde spazieren.
Hach, ich sage euch, ich liebe Wasser. Egal ob Fluss, Bach, See oder Teich.
Aber auch der Ausblick, der sich uns bot, ist einfach ein Traum.
Es dauerte nicht lange, da riss die Wolkendecke auch in Altendorf auf und es wurde schnell warm.
Ich geniesse die Sonne immer sehr, besonders in diesem Jahr, weil es wirklich einen Monat lang ständig geregnet hatte, es immer recht frisch war und ich sie echt vermisst hatte.
Also sog ich die Sonnenstrahlen förmlich in mich auf.
Wir liefen noch etwas am See entlang und besuchten auch einen kleinen Teil des alten Ortskerns.
Früher gab es dort einen Landungssteg für die Pilgerschifffahrt. Hier säumten damals Gasthäuser aus dem 17. bis 19. Jahrhundert den Weg. Auch heute gibt es noch eines: den Gasthof zum Hecht.
Pilgerwege nach Einsiedeln bestanden bereits seit dem Mittelalter. Für viele Pilger war Einsiedeln allerdings nicht das eigentliche Ziel, sondern nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Santiago de Compostela.
Einer dieser Wege führte von Schmerikon über Altendorf. Hier legten die Pilgerschiffe an, von wo aus der Weg über den Muschelberg, Flügenberg und Schwändi weiter zum Etzelpass und von dort nach Einsiedeln führte.
Nach dem Spaziergang hiess es dann Mittagessen und da kam auch die Sonne richtig raus.
Ich hab es genossen, nichts machen zu müssen. Einfach zu sein. Die Ruhe zu geniessen, die Seevögel zu hören, den See zu riechen, die Wellen am Ufer rauschen zu hören und das Schilf zu beobachten, wie es sich im leichten Wind wiegt.
Die Sonne auf der Haut und das Buch in der Hand.
Im Herzen tat es zwar weh, das alles ohne meinen Mann zu erleben. Er wäre bestimmt sehr gerne dabei gewesen.
Im Herzen und in meinen Gedanken war er es auf alle Fälle. 🥺
Ich habe trotzdem versucht, es zu geniessen, mich zu entspannen und ja, es ist mir nicht schlecht gelungen.
Auch das Quatschen mit meiner Schwägerin hat unendlich gutgetan. Das fehlt mir so. Dieses Diskutieren, das Reden an sich, Stimmen zu hören, die einem antworten …
Man unterschätzt das wirklich sehr.
Denn wenn all das von einem Tag auf den anderen weg ist …
Ich habe noch immer Mühe damit.
Ja, es war ein schöner Tag.

Es fällt mir so schwer, das zu sagen.
Weil ich da bin. Ich kann all das noch sehen, riechen und geniessen und mein Mann nicht mehr.
Ja, ein schlechtes Gewissen schwingt einfach immer mit.
Dennoch bin ich unendlich dankbar, diesen Tag so erlebt haben zu dürfen.
Nun möchte ich einfach noch ein paar Eindrücke von diesem Tag mit dir teilen und wünsche dir noch einen schönen Tag.
Danke, dass du ein Stück dieses Kapitels mit mir gegangen bist

Liebe Alexandra,
gerade halte ich kurz inne und überlege, ob es dir überhaupt Recht ist, dass ich hier, mehr oder weniger als Einziger, jeden deiner Artikel kommentiere. Vielleicht willst du das ja gar nicht und möglicherweise ist es dir sogar unangenehm….
Ich wage es mir an dieser Stelle trotzdem, denn ich bleibe dabei, ich finde es mutig, stark und höchst emotional von dir, dass du uns und mich so an deinem bewegenden Leben teilhaben lässt und dieses einfach nur mit Schweigen zu belegen, das fände ich dann auch irgendwie falsch!
Therapie, in welcher Form auch immer, ist nie leicht, aber trotzdem wichtig, also wünsche ich dir ganz viel Kraft und Optimismus dafür. Du wirst sehen, es wird eine Zeit kommen und spüren, jetzt bist du durch und das fühlt sich mehr als gut an, auch wenn der Weg dahin lang und schwierig ist.
Kurz noch zu deinen Bildern. Sie sind wunderbar und zeigen die Schönheit der Welt samt ihrer Natur, vielen Dank dafür und für diesen gesamten Post.
Liebe Grüße
Giannis
Lieber Giuannis,
also wenn du gern kommentierst, dann mach das bitte weiter, ich freu mich immer sehr. Denn deine Gedanken und Worte berühren mich auch immer wieder aufs neue, und es ist schön dann doch nicht nur Selbstgespräche zu führen 😉 Ja, ich denke es wird halt noch ne Weile dauern bis hier genügend Leute rein schauen, aber das mit dem Kommentieren ist bei meinen Blogs eh immer so ne Sache. Irgendwie war das früher schon immer so das ich wenig Kommentare hatte. Hatte zwar immer viele Aufrufe aber kaum jemand hat kommentiert, keine Ahnung woran’s liegt.
Ja, da hast du völlig recht, also das mit der Therapie, das merk ich ja selber auch. Und ich geh jetzt ja schon ne ganze Weile. Nur jetzt, mit dem Tod meines Manns, hat sich da das Thema, warum ich eigentlich in Therapie bin, verschoben… Denn im Moment hab ich dafür keinen Kopf noch macht es für mich im Moment einen Sinne weil ich mit dem Verlust jetzt zu Kämpfen habe und die Kraft für diese Verarbeitung brauche.
Ja, die Natur ist so was schönes, ich bin privilegier und so dankbar, es immer und zu jeder Zeit geniessen zu können, vorausgesetzt es geht mir soweit psychisch gut, da ich nicht arbeiten muss.
Und nichts zu danken, wirklich, es freut mich wenn ich dein Interesse wecken und dich berühren konnte.
Ganz liebe Grüsse
Alexandra