📅 14. August 2023
⛅️ Heute bis Wolkig,18-30 °C
Hallo du liebe Seele 🤍
Das Wochenende war so schnell vorbei. Vor allem, weil gestern noch meine Tochter, ihre Kinder und ihr Mann schnell reingeschaut haben. Es ging darum, etwas bei mir abzuholen: ein kleines Möbelstück, das ich hier nicht mehr haben wollte und das meine Tochter sehr gerne für sich beansprucht hat.
Und das freut mich. Wegschmeissen hätte ich es nämlich dann doch nicht wollen, weil es einfach noch echte Handarbeit war. Mein Mann hatte es vor Jahren mal nach Hause gebracht, weil es jemand wegwerfen wollte. Da er aber wirklich Jäger und Sammler war, konnte er das natürlich nicht zulassen. Also bekam es hier ein neues Zuhause. Mein Stil war es nie, aber okay, ich konnte damit leben. 😅
Heute vor genau drei Monaten ist mein Mann verstorben und ich finde noch immer keine Worte für dieses unfassbare Ereignis.
Dennoch wird es Zeit, mal aufzuräumen. Auszumisten. Dinge wegzugeben oder zu entsorgen, die nichts mit uns zu tun hatten und nur hier waren, weil er sich von all den Dingen nicht lösen konnte und wollte.
So nehme ich das nach und nach in Angriff.
Einmal im Monat habe ich das Glück, dass wir im Quartier gratis Sperrgut entsorgen können. Ich muss nicht weit laufen und so habe ich mir vorgenommen, jeden Monat am Sonntag davor in den Keller zu gehen und auszumisten. Der ist so voll von so vielen Dingen, die ich nicht brauche und eigentlich auch nie wollte.

Es ist ein schwerer Gang. Nicht einmal, was das Körperliche angeht. Der Keller ist im 2. Untergeschoss, also bedeutet das: schwer tragen ohne Lift.
Sondern für mich ist es eher eine psychische Herausforderung.
All die Dinge, die meinem Mann wichtig waren, durchzusehen und mich immer wieder aufs Neue zu entscheiden: Was möchte ich entsorgen? Was möchte ich behalten? Oder ist etwas dabei, das vielleicht die Kinder, Enkel oder sein Bruder noch gerne als Erinnerung haben wollen?
Auch fühlt es sich ein Stück weit so an, als würde er sagen:
„Ah, war klar. Kaum bin ich nicht mehr da, schmeisst du alles weg!“
Ja, ich weiss, das würde er nicht sagen. Denn er braucht all die Dinge jetzt ja nicht mehr.
Trotzdem fühlt es sich an, als würde ich ihn irgendwie hintergehen.
Aber es sind so viele Dinge, die mit uns als Paar nichts zu tun haben. Dinge, die für mich keinerlei Bedeutung haben. Also warum sollte ich deswegen ein schlechtes Gewissen haben?
Es ist wirklich blöd. Der Kopf weiss es, aber meine Gefühle sagen etwas anderes.
Denn es ist auch eine Entscheidung, ein Stück weit loszulassen. Und selbst wenn ich weiss, dass das nichts mit dem Loslassen von ihm zu tun hat, sträubt sich gerade alles in mir dagegen. Und jetzt, während ich das schreibe, treiben mir schon wieder die Tränen in die Augen, weil ich so unendlich traurig bin.
Ich habe oft das Angebot bekommen, dass man mir helfen würde, den Keller zu entrümpeln. Ich bin dankbar für diese Angebote, aber ich lehne es jedes Mal dankend ab.
Denn ich würde es nicht schaffen, alles in einer Hauruck-Aktion zu erledigen.
Ich brauche die kleinen Schritte.
Ich könnte das nie. Auch einige Kleider habe ich noch hier, die ich nicht entsorgt habe. Ich schaffe es einfach noch nicht.
Gut, einige werde ich sowieso behalten und selber noch tragen. Auch wenn sie mehr als Oversize sind. 😂 Ich bin 175 cm und mein Mann war 196 cm und doppelt so breit. 🫣 Aber zum daheim Rumgammeln in T-Shirts und Hoodies von ihm reicht es.
Denn dann ist er mir irgendwie noch ein bisschen näher.
Ich weiss, es schaut nach gar nicht so viel aus. Und dennoch ist es für mich viel. Allein schon, um die Sachen nach hinten zu bringen.
Auf der anderen Seite steht noch etwas. Da laufe ich sicher fünfmal hin und her. Die zwei langen Bretter sind sauschwer, die kann ich dann nur einzeln nehmen.
An solchen Tagen, auch an gestern, geht es mir noch immer sehr nah.
Ja, es ist erst drei Monate her. Und doch hat die Zeit seitdem irgendwie eine ganz eigene Dynamik bekommen.
Ich lebe noch immer in einer komischen Blase. Einer Blase, in der mein Kopf weiss, dass es erst drei Monate her ist, das Gefühl mir aber signalisiert, es sei schon sehr viel länger so.
Es ist komisch.
Wirklich.
So, jetzt heisst es parat machen. Gleich kann ich losgehen und ehrlich gesagt bin ich froh, wenn ich das hinter mich gebracht habe, geduscht auf dem Sofa hänge.
Und hoffentlich kann mich dann das Buch auf andere Gedanken bringen. Wenn das nicht klappt, schalte ich einfach den Fernseher ein, schaue einen Film oder eine Serie und zeichne etwas dazu.
Klappt zwar auch nicht immer. Die letzten beiden Male war ich so weit weg mit meinen Gedanken, dass ich zweimal einen Fehler gemacht habe.
Aber egal. Ich will meine „Kunstwerke“ ja nicht verkaufen, sondern mich einfach nur ablenken. Mein innerer Monk würde am liebsten trotzdem die Seiten rausreissen. 🙈
Dann wünsche ich dir jetzt nur noch einen schönen Tag und lass es dir gut gehen.
Danke, dass du ein Stück dieses Kapitels mit mir gegangen bist

Liebe Alexandra,
auch wenn ich deinen so enormen Verlust und den damit verbundenen Schmerz nicht einmal im Ansatz nachempfinden kann, so erkenne ich mich doch in jedem einzelnen deiner Worte wieder und ich hoffe, ich darf das sagen, ich bewundere dich dafür, diese so offen, ehrlich und auch emotional mit uns zu teilen.
Abschied zu nehmen ist ein schwerer Prozess und um so näher einem der verstorbene Mensch stand, des länger dauert er. Ja und du hast absolut Recht, es fühlt sich falsch, kalt und befremdlich an, sich von seiner irdischen Existenz zu trennen, in dem man Blicke wagt, die eigentlich verborgen sein sollte und Türen öffnet, die einem selbst gar nicht gehören.
Was kann, soll oder darf ich dir also schreiben?
Ich wünsche dir einfach ganz viel Kraft, noch mehr Mut und eine große Portion „Zuversicht“.
Irgendwann werde ich dir gerne anvertrauen, weshalb du und dein Blog mich derzeit so sehr anfassen und mitnehmen. Dein Einladung, dir zu schreiben, hat mich tief berührt und ich bin dir unendlich dankbar dafür! Lass mich dir nur heute sagen, es ist wirklich schön, dich gefunden zu haben und ich bin gerne hier bei dir. Auch dir steht das Schreiben jederzeit offen.
Mitfühlende Grüße
Giannis
Guten Morgen lieber Giannis,
das tut mir leid, das du dich in jedem meiner Worte wieder erkennst, denn das bedeutet, dass du ebenfalls schon einen solchen Verlust verkraften musstest. 🥺
Bewundern musst du gar nichts. Wie ich bei dir auf dem Blog in einem Kommentar geschrieben habe, ich bin ein offener Mensch, ich möchte, wenn sich Menschen schon hier her verirren, authentisch sein. Es gibt genug „falsches“ Es wird gelogen, es wird vorgespielt viel ist Künstlich. Mir liegt es nicht nur an der Oberfläche zu schreiben. Sowenig wie ich Smaltalk mag. Wenn ich über mich, ein Thema schreibe, dann mit allem was ich denke und fühle. Sonst lass ich es lieber bleiben, oder ich schreibe wieder nur über Bücher.
Das mit den Türen hast du wirklich sehr schön gesagt. Das trifft es ganz gut!
Danke für deine Wünsche, die kann ich sehr gut gebrauchen. 😥
Danke… danke… Schön hat dir der Weg zu mir, meinem Blog geführt und vor allem das du gerne hier bleiben magst. Das ehr mich sehr. Und danke, auch für dein Angebot 🤗
Dankbare Grüsse
Alexandra