Wohlfühloase

Deep talk: Was bedeutet Stärke für mich?

📅 26. Oktober 2026
🌤️ Ganz langsam hinein, 4-13 °C

Hallo du liebe Seele 🤍

Einen guten Montag wünsch ich dir Hier scheint die Sonne, zwar nicht von einem wolkenlosen Himmel aber dennoch. Nach den grau nassen Tagen tut das gut, ist es zwar kühl mit 4 Grad beim Aufstehen. Und die Zeitumstellung haben wir jetzt auch hinter uns, damit sind wir jetzt wirklich in die dunkle Jahreszeit eingetreten.

Heute geht es weiter mit einer Frage, die ich alles andere als einfach finde, mal sehen wie ich die beantworten kann 🤔


Was bedeutet „Stärke“ für dich – und wie hat sich diese Bedeutung im Laufe der Jahre verändert?

Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht.

Ich habe mir darüber noch nie wirklich Gedanken gemacht. Ich habe einfach immer weitergemacht, so gut ich konnte. Weil ich musste. Weil der Alltag weiterging und es Dinge gab, die erledigt werden mussten. Ich hatte keine Wahl.

Es gab Zeiten, da sass ich, nachdem alle aus dem Haus waren, einfach nur auf dem Wohnzimmerboden und habe geweint. Weil ich selbst nicht mehr wusste, wie es weitergehen soll. Weil ich mich gefragt habe, was ich falsch mache. Ob ich nicht die Mutter oder Frau bin, die andere erwarten, brauchen oder verdient hätten.

Aber irgendwann musste ich mich wieder zusammenreissen, aufstehen und weitermachen. Schliesslich musste eingekauft werden, es musste gekocht werden, die Kinder brauchten zu essen. Der Haushalt musste gemacht werden. Ich musste da sein.

Und genau das habe ich getan. Ich habe funktioniert, so gut ich konnte. Ich hatte keine Wahl.

Aber ich habe mich dabei nie als stark empfunden.

Deshalb mag ich es auch nicht mehr hören, wenn jemand zu mir sagt, dass mich all das stark oder stärker gemacht hat.

Nein, hat es nicht.

Es hat mich immer und immer wieder gebrochen. Und wäre ich dadurch wirklich stärker geworden, würde es mir heute vielleicht nicht jedes Mal den Boden unter den Füssen wegziehen, wenn etwas passiert.

Ich habe einfach weitergemacht, weil ich keine Wahl hatte. Das heisst aber nicht, dass es mich stärker gemacht hat. Es heisst nur, dass ich irgendwie weitermachen musste.

Und heute möchte ich das eigentlich gar nicht mehr. Ich möchte nicht mehr um jeden Preis weitermachen müssen. Ich möchte auch einmal meine Ruhe haben, mich einkuscheln, lesen, an meinem Blog schreiben oder einfach einen Tag lang Serien schauen. Ohne ständig das Gefühl zu haben, ich müsste meine Zeit sinnvoller oder produktiver nutzen.

Denn da ist diese Stimme in mir, die sagt:

«Reiss dich doch mal zusammen, früher hast du das auch immer gemacht!»

Ja, früher habe ich es doch auch geschafft. Andere gehen arbeiten, haben ihren Alltag und schaffen auch ihre Dinge. Und ich? Ich muss das nicht mehr. Ich habe seit 2018 eine IV-Rente. Ich habe mehr freie Zeit und müsste doch eigentlich mehr daraus machen.

Obwohl ich meinen Haushalt mache, einkaufe, koche und mich um die Dinge kümmere, die anfallen. Es ist nicht so, dass nichts gemacht wird. Und trotzdem habe ich oft das Gefühl, nicht genug zu tun.

Vielleicht, weil ich Angst habe, dass andere denken könnten, ich würde meine Zeit nicht sinnvoll nutzen. Vielleicht auch, weil ich selbst glaube, mehr leisten zu müssen, um zu genügen.

Denn wenn ich an mich selbst denke, ist eines der Wörter, die mir in den Sinn kommen, unzulänglich. Ich kann nicht einmal genau sagen, was das für mich bedeutet. Aber es ist da. Und wenn ich versuche, es in Worte zu fassen, lande ich bei dem Gedanken, dass ich nicht wichtig bin. Dass ich nicht genug bin.

Dabei weiss ich durchaus, dass ich allein zurechtkomme. Ich brauche niemanden, um glücklich zu sein. Ich kann allein sein. Und wenn alles wegbricht, schaffe ich es, wenn es sein muss.

Aber ehrlich, ich möchte gar nicht mehr ständig beweisen müssen, dass ich es schaffe.

Ich habe einen Mann an meiner Seite, mit dem ich mein Leben teilen möchte. Und trotzdem frage ich mich manchmal, was er in mir sieht und warum er mit mir zusammen sein möchte. Ich weiss, dass ich nicht immer einfach bin. Ich denke viel nach, hinterfrage Dinge, kämpfe mit meinen Gefühlen und brauche manchmal mehr Sicherheit, als ich gerne hätte.

Und dann frage ich mich, ob ich genug bin. Ob ich genug beitrage. Ob ich eine gute Partnerin bin.

Wenn mir jemand sagt, ich sei eine starke Frau, nervt mich das. Weil ich mich selbst nicht so empfinde. Weil dieses Wort nicht beschreibt, wie ich mich erlebt habe.

Vielleicht weiss ich deshalb bis heute nicht wirklich, was Stärke für mich bedeutet.

Ich weiss nur, dass ich vieles durchgestanden habe. Dass ich weitergemacht habe. Dass ich heute nicht mehr um jeden Preis funktionieren möchte.

Ob das etwas mit Stärke zu tun hat? Ich weiss es nicht.

Ich will das auch gar nicht heute beantworten müssen.

Vielleicht darf ich erst einmal herausfinden, was ich selbst möchte. Wie ich leben will. Was ich mir erlauben darf, ohne mich ständig dafür rechtfertigen zu müssen.

Denn eines weiss ich: Ich möchte nicht mein ganzes Leben damit verbringen, mich zusammenzureissen, nur damit ich das Gefühl habe, genug zu sein.

Ich habe mich 50 Jahre zusammenreissen müssen. Und das hat mich so viel gekostet.

Ich bin so erschöpft und müde vom Funktionieren. Müde davon, mich zu verbiegen, nur damit ich andere zufriedenstelle, Erwartungen erfülle und einfach so bin, wie andere mich gerne hätten.

Und vielleicht ist genau das etwas, das ich heute nicht mehr möchte.

Ich möchte nicht mehr ständig versuchen, es allen recht zu machen. Ich möchte nicht mehr das Gefühl haben, mich für meine Ruhe rechtfertigen zu müssen. Und ich möchte nicht mehr glauben, dass ich erst dann genug bin, wenn ich alles erledigt habe und niemand etwas an mir auszusetzen hat.

Was Stärke für mich bedeutet, weiss ich noch immer nicht.

Aber ich weiss, dass ich nicht mehr so weitermachen möchte wie bisher.

Danke, dass du ein Stück dieses Kapitels mit mir gegangen bist

Danke, dass du dir Zeit für diesen Beitrag genommen hast. Wenn du magst, hinterlass mir einen Kommentar – ich freue mich auf deine Gedanken.