📅 27. Februar 2025
🌧️ Erschöpfter Start, 1-6 °C
Hallo du liebe Seele 🤍
Heute war eine sau miese Nacht. Um halb 2 war ich wach und konnte auch nicht mehr schlafen. Bis jetzt geht es, ich bin noch nicht müde, aber der Tag wird lang. Mal sehen, wie ich den überstehe. Alt werde ich heute auf alle Fälle wohl kaum.
Meine Gedanken- und Gefühlswelt steht echt sowas von Kopf zur Zeit und gestern wurde in der Therapie dann auch noch mal etwas angestossen. Ja, das hat mir wortwörtlich den Schlaf geraubt.
Aber heute möchte ich über etwas anderes reden. Und zwar über die eigenen Glaubenssätze und die Erwartungen anderer.

„Du musst es doch nur wollen“ …
ist so eine Aussage, die ich so oft gehört habe, dass ich selbst begann, daran zu glauben. Dass es wirklich nur an mir liegt. Dass es nicht vorwärtsgeht oder dass ich meine kPTBS nicht überwinden kann.
Und ja, ich höre das auch heute noch immer wieder von verschiedenen Menschen. Menschen, die keine Ahnung davon haben, was es bedeutet, mit einer kPTBS zu leben.
Es ist schon schwer genug, das für sich selbst zu akzeptieren. Sich nicht ständig unter Druck zu setzen und sich nicht abzuwerten. Denn das hilft einfach nicht.
Und ja, jetzt könnte man sagen: Kann dir doch egal sein, was andere über dich denken oder sagen. Sie kennen dich nicht, nicht so, wie du wirklich bist. Sie haben dein Leben nicht gelebt und nicht deine Traumen getragen. Also lass sie reden.
Tja, es fühlt sich dennoch jedes Mal wie ein Angriff an und der Verteidigungsmechanismus greift innerhalb von Sekunden.
Das ist ein Teil meiner Problematik mit kPTBS. Ich arbeite daran. Aber ob das je wirklich verschwinden wird? Ich weiss es nicht.
Und was ich auch erlebt habe: Die meisten interessiert es nicht wirklich, was da eigentlich abgeht. Was es bedeutet, jeden Tag damit zu leben.
Es geht mir hier nicht darum zu jammern. Ich möchte vielleicht einfach ein bisschen mehr Verständnis schaffen. Das wäre schön.
Was bedeutet das jetzt aber?
Mein Nervensystem kann sich immer wieder in einen Überlebensmodus schalten. Und das kann sich nicht einfach mal so zusammenreissen.
Wenn ich im Shutdown bin, habe ich nicht zu wenig Motivation. Mein System fährt gerade herunter, um mich zu schützen.
Ein Mensch mit einer starken Aktivierung des Nervensystems hat nicht einfach „zu wenig Disziplin“, sondern kann einen Körper haben, der ständig in Alarmbereitschaft ist.
Was bleibt, ist das Gefühl:
„Vielleicht will ich es nicht genug. Vielleicht liegt es wirklich an mir.“
Was man wissen sollte: Ein Trauma lässt sich nicht einfach durch Willenskraft überwinden. Sonst hätte ich das wohl schon lange geschafft.
Denn wer will nicht einfach „normal“ sein? Ein einfacheres Leben führen?
Aussagen wie: „Du musst nur härter an dir arbeiten.“
Solche Aussagen sind für mich so weit weg von der Realität und alles andere als hilfreich.
Ein Mensch mit Trauma braucht so viel mehr als nur Worte. Wir brauchen das Gefühl, wirklich gesehen und gehalten zu werden.
Und wenn da nur Kälte, Zurückweisung oder gar Ablehnung zurückkommt, verstärkt sich das, was ohnehin schon tief sitzt:
- „Ich bin allein.“
- „Niemanden interessiert sich wirklich für mich.“
- „Ich bin nicht wichtig.“
„Wenn du’s richtig gemacht hättest, hätte es funktioniert – bei anderen funktioniert es doch auch.“
Ja, danke auch.
Der Vorwurf hilft ja ganz bestimmt.
Anstatt vielleicht die Methode oder den Ansatz zu hinterfragen, wird gleich wieder der Mensch infrage gestellt und kritisiert.
„Du musst dich einfach mehr anstrengen.“
„Du bist zu wenig konsequent.“
„Du suchst nur nach Ausreden.“
Am meisten wurde mir der letzte Satz um die Ohren gehauen.
Ja, danke. Jetzt hast du es mir aber gegeben.
Ja, es ist frustrierend. Es löst Verzweiflung aus und wirft einen weiter zurück, als dass es eine Motivation wäre.
„Du hast zu viel Widerstand, du möchtest dich nicht verändern.“
Wenn ich Widerstand zeige, dann mache ich das weder aus Trotz noch, um jemanden zu ärgern.
Du musst verstehen: Der Widerstand ist Schutz.
Mein Körper ist seit meiner Kindheit immer wieder in Alarmbereitschaft geraten. Der lässt nicht einfach so los, nur weil ich das will oder andere das wollen oder gar erwarten.
Mein System hat gelernt, dass Nähe gefährlich sein kann. Und das wird nicht einfach von heute auf morgen zu Vertrauen.
Ein Mensch, der Angst hat, wieder verletzt zu werden, öffnet sich nicht auf Kommando. Er kann es gar nicht.
Wie denn auch?
Was bleibt, ist manchmal das Gefühl:
„Ich stehe mir selbst im Weg. Ich mache eh alles selber kaputt.“
Was stattdessen helfen würde…
Anstatt zu kritisieren oder gar den Ernst der Lage zu negieren, wäre es sicher viel hilfreicher, den Druck herauszunehmen und stattdessen mit Mitgefühl zu reagieren.
Keine Aussagen wie „Reiss dich zusammen“. Das habe ich schon als Kind zu oft gehört.
Sondern vielleicht einfach die Frage:
„Was brauchst du, um dich sicher genug zu fühlen, damit Veränderung möglich wird?“
Und bitte nicht gleich eingeschnappt oder genervt sein, wenn man nicht sofort darauf antworten kann.
Denn für Menschen wie mich ist das wirklich keine einfache Frage.
Vielleicht, weil wir einfach nicht gewohnt sind, dass jemand diese Frage stellt.
Wir haben immer nur funktioniert, um nicht zusammenzubrechen.
Einfach etwas Geduld bitte.
Verstehen lernen, dass jeder Mensch anders ist und auch Heilung individuell verläuft. Manche Menschen brauchen einfach viel Sicherheit und Vertrauen, bevor sie sich auf Veränderung einlassen können.
Aber was ich fast am wichtigsten finde, ist echte menschliche Verbindung.
Kein Mitleid. Kein Überhäufen mit Emotionen.
Aber Wärme.
Eine Stimme, die trägt, damit sich das Nervensystem im Kontakt sicher fühlen kann.
So, das war’s dann für heute.
Bissi musste ich mich auskotzen. 😅 Es gehen mir so viele Dinge durch den Kopf … Das war jetzt eines der Themen, die mich seit Tagen beschäftigen.
Nun wünsche ich dir noch einen entspannten Donnerstagnachmittag und wir lesen uns morgen wieder.
Danke, dass du ein Stück dieses Kapitels mit mir gegangen bist

Wenn PTBS und Angststörungen dem Willen unterliegen würden, bräuchte man keine therapeutische Hilfe. Die Traumabearbeitung ist eine langwährende Angelegenheit. Mein Opa war bei der Fremdenlegion in jungen Jahren und hatte noch bis kurz vor seinem Tode diese Angstträume, wo er immer wieder rief: „Sie kommen ..“
Wer die Schuld auf die Betroffenen selbst schiebt, der hat überhaupt keine Ahnung, weder Fachwissen, noch Empathie, denn es ist auch eine Sache der eigenen Gefühlswelt, einem stark Traumatisierten so etwas vorzuwerfen und es gehört sich einfach nicht. Was sind das für Menschen, wer macht sowas? Ich bin wieder einmal sprachlos .. Nachtgruß und Kuss, dein Prinz <3 <3 <3
Das tut mir leid für deinen Opa 🥺. Und ja, ganz wird man das nie los. Einiges schon, ich habe eigentlich keine Flashbacks mehr. Also nur noch selten. Die eine Art von Panikattacken sind stark zurück gegangen seit 3 Jahren. Aber vieles bleibt, vielleicht wenige stark und andere, da lernt man einfach damit um zu gehen, es zu akzeptieren, wie es eben ist und allenfalls Strategien zu erarbeiten um es so gut wie möglich im Griff zu haben.
Mit dem Willen kann man vieles erreichen, aber eben nicht alles.
Klar haben sie keine Ahnung, und es ist halt auch einfach denn dann können sie ihr ding weiter durchziehen ohne sich vielleicht ein bisschen an den anderen anzupassen. oder einfach mit Verständnis zu reagieren. Schau, das hört nicht bei Fremden aus, es ist oft auch der engere Familienkreis und Freunde. Schlimmer find ich einfach, das sie nicht gewillt sind sich damit auseinander zu setzen und erwarten das jemand mit PTBS sich mal mehr anstrengen sollten.
Ja, ich kann dich gut verstehen, denn ich bin das oft, sehr oft… und erstrecht die letzten 5 Jahren hat es mir so oft die Sprache verschlagen.
Ich hoffe du hast gut geschlafen und bist gut in den Freitag gestartet.
Dein Engel 🖤
Ich komm ja aus der Psychoanalyse (war ein Nebenfach) und da wird geraten, entweder den Kontakt zu solchen Menschen abzubrechen oder wenn das nicht geht, sich innerlich abzugrenzen, weil ‚Reden‘ hilft hier nicht weiter. Du fühlst dich hilflos, weil du die Glaubenssätze des anderen nicht ändern kannst. Gegen die allgemeine Selbstgerechtigkeit ist leider noch kein Kraut gewachsen und wer sich über dich stellen will, der findet immer einen Weg. Ist aber ein Zeichen seiner eigenen, nicht deiner Schwäche. Vielleicht hilft es ja, ein wenig Mitleid mit den geistig Armen zu haben. Dann blickst du auf die Sache aus erhöhtem Blickwinkel. Leben ist nicht leicht. Scheiße. Ich drück dich,
Der Deine 🖤
Ja, hab da Kontakte schon abgebrochen. Auch wenns schwer fällt. Aus verschiedenen Gründen. Aber einen erhabenen Blick will ich gar nicht einnehmen, denn darum geht es mir nicht. Ich bin ja nicht besser als andere.
Nein, das ist es nicht. Aber es ist okay… Schliesslich hat es mich zu dem Menschen gemacht der ich nun mal bin. Und eigentlich bin ich nicht unzufrieden.
Drück dich ebenso… 🖤
Ich halts da eher mit Schopenhauer: Ich stell mich über gewisse Leute und lass sie meine Verachtung spüren, bevor sie sich über mich stellen und mich verachten. Man muss auch manchmal politisch unkorrekt sein, um zu überleben. Du hingegen willst dich nicht mit solchen Leuten auf eine Stufe stellen, indem du sie von oben betrachtest, aber wenn du sagst, du bist auch nicht besser, dann stellst du dich doch mit ihnen auf eine Stufe. Ich respektiere deine Einstellung und habe Achtung davor, aber ich bin noch zu selbstbewusst, auch die andere Wange hin hu halten ..
Hm..interessanter Gedanke. 🤔 Muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen. Aber ich denke, Es ist wie es ist. Ich bin die die ich bin, und wenn ich mich bewusst über jemanden erhebe, was die anderen ja tun, bin ich nicht besser.
Es gibt auch die Theorie, wo solche Menschen, die sich nicht ändern, weil sie sich selbst nicht reflektieren als ‚Arschengel‘ bezeichnet werden, weil man im Umgang mit ihnen lernen kann, etwa selbst ruhig zu bleiben oder wie bei dir, sich selbst treu zu bleiben. So sind die ‚fiesen‘ Menschen eigentlich unsere ‚Entwicklungshelfer‘.
Ich denke schon, wenn du mich am WE alleine lässt, dass ich dich dann über die Woche auch alleine lasse, damit du siehst wie es ist. Wobei ich keinen Menschen bei mir habe, der mich bespaßt und mit dem ich Nächte im Bett verbringe ..