Leben mit einer PTBS

Ein traumatisches Hirn reprogrammieren

1 bis 9 Grad

Einen wunderbaren Tag wünsch ich dir meine liebe Seele.

Hier liegt noch etwas Schnee, aber denke, bei den Temperaturen die heute erwartet werden, liegt bis heute Abend, spätestens Morgen kein Schnee mehr. Was nicht heisst, das es nicht noch mal kommen kann. Dazu habe ich ein super Kanal auf YouTube. Den Kai Zorn, Meteorologe, unaufgeregt und ohne all die Panikmache und Klimahysterie. Wen du also gerne auf dem laufenden sein willst, dann kann ich dir seinen Kanal wirklich ans Herz legen. meist gibt es morgens und Abend ein Video und manchmal auch zwischendurch. Aber darum gehts jetzt nicht. Heute ist Donnerstag und so steht wieder etwas Aufklärung an, und auch Selbstreflexion. Und natürlich schreib ich aus meiner Sicht, mit meiner Erfahrung und meiner Geschichte.


Das heutige Thema hab ich mir schon vor einer Weile vorgenommen, denn man hört immer wieder den folgenden Satz:

Es braucht 100 Wiederholungen um das Hirn umzuprogrammieren, etwas zu ändern.

Die Aussage ist nicht ganz falsch, aber eben auch nicht korrekt. Es ist eine vereinfachte Aussage und sollte mehr als Metapher verstanden werden. Das Zitat stammt aus der neuropsychologischen und traumasensiblen Kontexten. So wird versucht, greifbar zu machen, wie langsam und wiederholungsabhängig Heilung im Gehirn funktioniert.

🧠 Was ist also der wissenschaftliche Hintergrund

Man weiss das unser Gehirn durch Erfahrung aber auch nur Wiederholung lernt. Das Hirn, welches Trauma erfahren hat, wird durch das erlebte „programmieren“. Denn bestimmte neuronale Netzwerke vernetzen sich so, dass sie Gefahr schneller erkennen lassen als Sicherheit. Um neue und sichere Verbindungen aufzubauen (z. B. Vertrauen, Selbstwert, Ruhe), braucht es viele Wiederholungen sicherer, positiver Erfahrungen.

Die Zahl „100 positive Erfahrungen“ stammt wahrscheinlich aus der Traumapädagogik oder Neuropsychologie (z. B. nach Rick Hanson oder Bruce Perry), wo gesagt wird:

„Viele positive Erlebnisse können ein einzelnes negatives Erlebnis nicht aufwiegen.“

Das ist keine exakte Zahl, sondern ein bildhafter Richtwert, um zu zeigen:

👉 Ein traumatisiertes Gehirn braucht viel mehr Wiederholungen von Sicherheit, als ein gesundes Gehirn, um dieselbe Botschaft zu glauben.

Und das merke ich selbst. Grade jetzt in der neuen Beziehung. Einerseits gehts ja um Vertrauen, nicht unbedingt nur in die grossen Themen (Loyalität, Treue…), sondern in so ganz banale. Ein ganz aktuelles Thema, grade vorhin aufgekommen.

Donnerstagabend essen wir alle zusammen, seine Kinder, wir und seine Ex. Das find ich gut. Denn schliesslich wachsen wir als Familie zusammen. Und so lernt man sich gegenseitig kennen, denn ich kann. mir schon vorstellen das die Mutter der Kinder ja eigentlich auch wissen will mit wem die Kinder regelmässig zu tun hat. Also, heute wären wir bei ihr zum Essen. Wir wechseln ab.

Doch heute mag ich nicht. Ist es mir zu viel, fühl ich mich dem nicht gewachsen und so hab ich gefragt, ob es für ihn okay ist, wenn ich dieses mal nicht mit gehe. Er sagte dann klar, es ist okay. Andere würden das jetzt so zur Kenntnis nehmen, und das Thema hat sich erledigt. Doch bei mir schlägt das Herz schneller, ich werde nervös, mein Körper fühlt sich plötzlich schwach an. Ich frage noch mal nach ob er sicher ist. Er sagte ja klar, hab doch gesagt es ist gut. Ich lass es gut sein, auch wenn es in mir rumort, sich Unsicherheit breit macht. Ich am liebsten noch mal nachfragen würde, und noch mal, einfach um ganz sicher zu gehen. Ja, vertrauen ist nicht einfach, einfach weil ich von Kind an gelernt habe…

Ja bedeutet nicht Ja, Gut heut nicht Gut, Nein heisst nicht Nein oder mach doch, heisst nicht mach doch. Ich würde mit Schweigen bestraft, mit Distanz, Kritik, Liebesentzug und Vorwürfen… Je nach dem wer es war und um was es sich gehandelt hat.

Was heisst das denn jetzt für mich und auch für meinen Freund? Nun, ich darf lernen das es heute anderes ist. Immer und immer wieder, doch auch er darf lernen. Lernen es nicht persönlich zu nehmen, nicht genervt zu sein, nur weil ich jede Regung im Gesicht, jede Veränderung im Tonfall oder Körpersprache abspanne und drauf anspringe. Das ist ein sehr grosses Lernfeld das wir uns da angelacht haben.

Ich darf lernen, wenn er sagt das etwas gut ist, ist es auch gut. Punkt. Vertrauen lernen das er ehrlich ist, mir immer, zu jedem Zeitpunkt die Wahrheit sagt. Nicht nur punktuell, ich muss mich drauf verlassen können das er sagt was er denkt, was er fühlt. Nur so entsteht für mich Sicherheit aus der auch Vertrauen wachsen kann.

Fazit

Also:

  • „100 positive Erfahrungen“ ist keine wissenschaftlich exakte Zahl, sondern eine hilfreiche Metapher.
  • Sie verdeutlicht, dass Heilung Zeit, Wiederholung und Sicherheit braucht.
  • Jede einzelne positive Erfahrung zählt, auch kleine.

Wo ich gehe, entsteht ein Pfad
KI | Mein Promt

Aber warum ist das so schwierig und langwierig?

3. Negative Erfahrungen wiegen schwerer, aber sie „löschen“ nichts

Unser Gehirn ist evolutionär darauf programmiert, Gefahr stärker zu gewichten als Sicherheit. Darum können ein paar negative Erfahrungen die positiven kurzfristig überdecken. Aber wenn man regelmässig Sicherheit erlebst, auch nach Rückschlägen, lernt das Nervensystem mit der Zeit:

„Gefahr kann kommen, aber sie geht auch wieder. Ich kann sicher zurückfinden.“

Das ist echte Resilienzbildung, und sie bleibt.

2. Alte Pfade werden nicht gelöscht, aber neue werden stärker

Das Gehirn funktioniert ein bisschen wie ein Waldweg. Stell dir das so vor:

Die alten, traumabedingten Reaktionsmuster sind wie breite, gut getretene Pfade. Die neuen, sicheren Erfahrungen sind neue kleine Pfade, die du mit jeder positiven Erfahrung neu anlegst oder wieder betrittst. Wenn also ein negativer Moment passiert, gehst du vielleicht kurz wieder auf dem alten Weg, aber die neuen Pfade verschwinden nicht, sie sind noch da, auch wenn du vielleicht dann das Gefühl hast das sie verschwunden sind, und jedes Mal, wenn du sie bewusst wieder nutzt (z. B. dich beruhigst, dich an Sicherheit erinnerst, mit jemandem sicher verbunden bleibst), werden sie stärker.

4. Was hilft, wenn Rückschläge passieren

Wenn man merkt, dass man durch negative Erfahrungen wieder stark getriggert wird:

  • Erinnere dich: „Das ist ein altes Muster, kein Beweis, dass ich versagt habe.“
  • Suche bewusst wieder kleine sichere Erfahrungen (ein ruhiger Atemzug, eine liebe Nachricht, etwas Warmes trinken, ein vertrautes Geräusch).
  • Sag dir innerlich: „Ich darf wieder zurück in Sicherheit finden.“

Diese bewussten Momente sind Mini-Neuprogrammierungen, die wirklich zählen.

Dies klingt so leicht und einfach, doch es ist schwerer als es ist. Je nach dem wie stark die Traumareaktion ausfällt. Denn bei mir ist das oft so, das die Reaktion so schnell greifen und dann nicht nur emotional sondern auch körperlich das ich auf diese Tools nicht zugreifen kann. Darum hab ich mich schlau gemacht wie ich das ändern kann. Das ist aber ein Beitrag für sich.

Heilung ist kein „Alles oder Nichts“-Prozess

Tja, das musste ich auch erst akzeptieren lernen. Denn ich hatte da ne total falsche Erwartung. Ich dachte, wenn du dann mal die Therapie hinter dir hast, alle Muster erkannt und verstanden hast, ist alles gut. Bist ich normal. Sind Angst und Panik Geschichte. Kann ich immer „richtig“ reagieren, fühlen, denken, handeln. Aber… Traumaheilung verläuft nicht linear, sondern in Wellen oder Schichten.

Das heisst: Ich mach Fortschritte, ich fühl mich sicherer, doch dann passiert etwas, das alte Wunden triggert. Das fühlt sich an, als ob „alles wieder kaputt“ ist, aber in Wahrheit hab ich immer noch die neuen neuronalen Verbindungen, die ich aufgebaut habe. Sie sind nur vorübergehend überlagert von der alten Stressreaktion.


Ja, das war das heutige Thema. Ich hoffe es war spannend für dich und es hat ein par neue Erkenntnisse geliefert und vielleicht sogar mehr Verständnis.

Nun wünsch ich dir einen schönen Donnerstag und wenn du magst, lesen wir uns morgen wieder, dann zur Aktion „Hand auf’s Herz„.

Alles Liebe, Alexandra

Schön das du dich entschieden hast deine Gedanken mit mir, uns, zu teilen.