Leben mit einer PTBS

K-PTBS und die Persönlichkeit

-3 bis 4 Grad

Guten Tag du liebe Seele,

hier wird es wieder wärmer dafür ist das Wetter, naja… es schwankt zwischen Trockenphasen, Schnee und (Eis)regen. Also wirklich Schnee gibts nicht, fürs Flachland reicht nicht für viel Schnee. Wie siehst den. bei dir so aus, Schnee technisch?

Aber jetzt möchte ich eigentlich über eine Begebenheit sprechen die mir am Sonntag passiert ist, wieder mal. Und gleichzeitig möchte ich euch meine Gedanken dazu, die dann immer mal wieder aufkommen, mit euch teilen, denn es ist zu wissen. Also nicht nur das es den Betroffenen klar ist, sondern auch den Menschen die einem Betroffenen nahe stehen. Was also war denn nun am Sonntag los?


Der Sonntag startete eigentlich ganz entspannt. Ausgeschlafen, dann irgendwann aufgestanden. Ich und mein Freund haben geredet über die vergangenen Tage, als seine Kinder bei uns in den Ferien waren. Alles war gut und entspannt, bis er mich nach meiner Meinung und nach meinen Bedürfnissen gefragt hat.

Zack… werd ich aus dem Alltag gerissen und befinde mich im Freez. Nichts geht mehr, mein Nervensystem geht in die Shutdown. Die Schutzmauern werden Hochgerissen und ich bin blockiert. Kann nicht mehr sprechen, bewege mich auch nicht mehr. Innerlich schreite es, werden ganze Gespräche geführt die ich eigentlich äussern möchte, doch es geht nicht, mit keiner Kraft der Welt kann ich diese Blockade dann überwinden. Dann stellt sich ziemlich zeitgleich auch meine Kritikerin ein und dann folgen die Ängste. Ängste wie, Verlustangst. Aber auch die Angst alleine nicht mehr aus diesem Zustand zu kommen. angst was mein freund von mir denkt, ob er sauer ist, mich verachtet oder sich einfach nur noch nervt… All das passiert innert Sekunden und fühlt sich an als würde ich innerlich explodieren. Nicht nur für mich ist dies eine schwierige Situation, sondern für meinen Freund auch. Denn wir müssen beide erst lernen damit um zugehen. Neue Beziehung gleich neue Trigger. Die Beziehungsdynamik ist eine ganz neue, und so zeigen sich auch für mich neue Trigger, die ich erst kennenlernen muss. Und dann natürlich verstehen woher Dias jetzt kommt um es dann mit neuen Erfahrungen zu heilen.

Und es ist noch mal was anderes wenn der neue Partner keinerlei Erfahrung mit PTBS hat. Also so gar keine. Es ist für beide eine grosse Herausforderung. Klar weiss er inzwischen was alles so passieren kann, aber es dann immer wieder zu erleben ist halt nicht so einfach, zumal in so einer Situation nichts von mir kommt. Dann passiert auch etwas in ihm. Er macht sich Gedanken, sorgen oder hat gar angst. Weil ich es nicht auflösen kann. Auch wenn ich dann aus dem Freez komme, je nach dem dauert es mal länger mal weniger lang. Doch drüber reden kann ich meist auch dann nicht gleich, Mir fällt es dann leichter zu schreiben. Ich brauche die Distanz um nicht gleich wieder in die Überforderung zu kommen. Denn die Scham ist dann in so einer Situation enorm hoch.

KI | Mein Promt

In solchen Momenten frag ich mich dann, wer ich wohl währe ohne dieses Problem? Wär ich denn ich? Oder wer ganz anderes. Was wär meine Persönlichkeit? Und so hab ich begonnen zu recherchieren. Die Frage, verändert Trauma die Persönlichkeit? Ist das wirklich möglich? Und je öfters ich über diese Frage nachgedacht habe merkte ich das dies eine sehr tiefe Frage ist und eigentlich auch eine verständliche. Und während meiner Recherche hab ich gelernt das ich mit dieser Frage nicht Allene bin denn viele Menschen mit (k)PTBS kommen irgendwann genau an diesen Punkt.

Verändert (k)PTBS die Persönlichkeit?

Ja, tut es aber nicht so, wie es sich oft anfühlt.

(k)PTBS erschafft keine neue Persönlichkeit, sondern:

  • sie überlagert Teile von einem selbst
  • sie verzerrt Wahrnehmung, Reaktionen und das Selbstbild
  • sie zwingt das Nervensystem in Überlebensstrategien

Was sich wie „meine Persönlichkeit“ anfühlt, ist aber oft nur:

  • Hypervigilanz → „Ich bin halt überempfindlich
  • Rückzug → „Ich bin unsozial
  • starke Emotionen → „Ich bin zu viel, zu wenig, zu anstrengen….“
  • Anpassung → „Ich weiss gar nicht, was ich will, was meine Bedürfnisse sind“

Aber das sind keine Charakterzüge, das sind Schutzmechanismen.

Das ist gar nicht so einfach zu verstehen. Denn ich fühl mich mein lebenslang schon fremdbestimmt. Nicht nur durch andere Menschen sondern eben durch all die Muster und Traumareaktionen, die so schwer sind los zu lassen, zu heilen.

Wer wäre ich ohne (k)PTBS?

Die ehrliche Antwort ist:

Ich wär immer noch ich – „nur“ freier.

Ohne (k)PTBS wäre ich nicht:

  • ein völlig anderer Mensch
  • plötzlich „einfach“ oder „unkompliziert
  • ohne Tiefe oder Sensibilität

Sondern was wegfallen würde, sind vor allem:

  • die ständige Alarmbereitschaft
  • die Selbstverurteilung
  • das Gefühl, falsch oder kaputt zu sein
  • das Überanpassen oder Erstarren aus Angst

Was bleibt (und oft sogar stärker wird):

  • meine Empathie
  • meine Wahrnehmungstiefe
  • meine Fähigkeit, Verbindungen ernst zu nehmen
  • mein Bedürfnis nach Echtheit
  • mein innerer moralischer Kompass

Viele traumatisierte Menschen sind nicht zu sensibel, auch wenn es genau das ist was uns, auch mir, immer wieder gesagt, sogar richtig gehend eingebleut wurde, sondern wir sind feinfühlig in einer groben Welt geworden.

Eine schöne Metapher dazu die ich gelesen habe ist folgende…

Stell dir vor, deine Persönlichkeit ist ein Haus.

(k)PTBS ist kein neues Haus.

Es ist:

  • Rauch im Raum
  • verbarrikadierte Türen
  • ein ständig heulender Rauchmelder

Therapie heisst nicht:

„Wir bauen ein neues Haus“

Sondern:

„Wir lüften. Wir räumen auf. Wir schauen, was schon immer da war.“

Und die vielleicht wichtigste Antwort meiner Therapeutin:

Du bist nicht deine Trauma-Reaktionen.

Du bist die Person, die sie entwickelt hat, um zu überleben.

Und diese Person ist:

  • anpassungsfähig
  • kreativ
  • widerstandsfähig
  • und zutiefst menschlich
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Aber warum hat diese harmlose Frage sowas extremes ausgelöst? Ich habe früh gelernt, also schon als ich klein war, das meine Bedürfnisse nicht wichtig sind, sie keinen Platz haben, sie nicht zählen. Wenn man mich überhaupt mal gefragt hat in den letzten 50 Jahren, wurden sie entweder belächelt, als egoistisch abgestempelt oder wurden eifach übergangen. Und vielfach weiss ich nicht mal was beine Bedürfnisse sind,. Ich habe gelernt mich an zu passe. Wichtig war nur das die Bedürfnisse der anderen erfüllt wurden, das sie zufrieden waren und es ihnen gut geht. Dass hat mir Sicherheit gegeben und ich bin eifach nicht mehr wichtig gewesen. 

Jetzt hab ich einen Mann an meiner Seite dem es wichtig ist, zu wissen was ich in allen Bereichen denke und wo meine Bedürfnisse liegen aber genau das löst bei mir Alarm aus. Das überfordert mich extrem. Es braucht Zeit, Zeit um neue und positive Erfahrungen zu machen. Dazu braucht es aber eben erst mal Vertrauen und Sicherheit und viele positive Wiederholungen.


Ja, ich weiss, keine Beziehung ist leicht, denn je älter man ist, je mehr hat jeder für sich erlebt und bringt seine Geschichte, seine Wunden und Muster mit in die Beziehung. Doch so ein Handicap fordert dann gleich noch viel mehr, nicht nur von mir, sondern eben auch vom neuen Partner.

So, das war wieder mal ein etwas privateren Einblick in mein derzeitiges Leben und dazu etwas Aufklärung. Nun wünsch ich euch einen nicht zu rutschigen Tag, passt auf bei all dem Schnee und Eis. nicht das ihr euch noch weh tut.

Bis päter zu einem etwas lockeren Beitrag „Grade jetzt...“ 😉

Alles Liebe, Alexandra

2 Gedanken zu „K-PTBS und die Persönlichkeit“

  1. Mein Ziehsohn hat diese Freeze-Reaktionen auch. Ganz am Anfang, als ich das noch nicht kannte, hat er mal eine Stunde in der gleichen Position gesessen und war „wie eingefroren“, auch sein Blick war auf einen Punkt gerichtet und er hat fast gar nicht geblinzelt – ich bin fast wahnsinnig geworden, weil ich nicht wusste, was da los ist.

    Für beide Seiten ist sowas nicht einfach, aber Ihr werdet das schaffen und daran gemeinsam wachsen.

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    1. Guten Morgen Babsi,

      Oh, kenn ich gut. Ich weiss zwar nicht wie ich von aussen wirke, denn in mir ist es laut, explosiv und chaotisch. Denke immer das müsste man von aussen sehen. Aber kann verstehen das es eben schwierig ist, vor allem wenn man das nicht kennt.

      Danke dir, das hoffe ich doch auch. Und ich weiss das es besser werden kann, aber dazu brauche ich eben auch ihn. Wichtig ist einfach das man danach drüber redet, auch wenn das 4 Tage danach ist. Man muss sich einfach einen gemeinsamen Weg finden damit um zu gehen.

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